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DVD-Besprechung - Das Leben ist keine Autobahn
Story:
Herr Korthals (Wolf Bachofner) bekommt eines Tages Besuch von der Kriminalpolizei. Er gilt aufgrund von Zeugenaussagen als potenzieller Verursacher eines Unfalls auf der Autobahn, bei dem durch Drängelei eine Mutter mit ihrem Kind ums Leben gekommen ist. Der arbeitslose und desillusionierte Korthals kann sich selbst jedoch gar nicht an den Unfall erinnern. Aber auch einige weitere Schicksale kreisen um diesen Unfall und bewegen sich innerhalb des Spektrums der Autobahn. Ein amerikanisches Popsternchen (Julia Valet) erzählt ihrem Fahrer (Jo Weil) von ihrem Traum, auf der Autobahn zu sterben, Marion (Dorina Maltschewa) streitet sich mit ihrem Vater Klaus Bieligk auf der Fahrt über die Zeit des Nationalsozialismus und die Mitschuld ihres Großvaters, während der trauernde Witwer Günther (Matthias Klimsa) seine Nachbarin auf einen Partytrip nach Holland begleitet.
Meinung zum Film:
„Das Leben ist keine Autobahn“ ist ein unabhängig produzierter deutscher Episodenfilm von Dennis Albrecht, der hier als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion verantwortlich zeichnet. Das Budget des über einen Zeitraum von fünf Jahren entstandenen, lediglich rund 70-minütigen Films betrug letztlich gerade einmal 40.000 Euro. Der Film erhielt keine Fördergelder und fand auch lange Zeit keinen Vertrieb, wurde aber immerhin auf ein paar kleineren Festivals, wie den Kurzfilmtagen von Lörrach oder dem Shortfilmslam Hamburg, ausgezeichnet. Der Film war jedoch bundesweit regulär nur in ganz wenigen Kinos zu sehen und erreichte insgesamt lediglich 340 Zuschauer. Die Basis des Films bilden neun einzelne Folgen, die 18 verschiedene Charaktere beinhalten, jeweils mit einer Länge von fünf bis acht Minuten, die als Webisoden über das Internet vermarktet werden, jedoch aufgrund der begrenzten Spielzeit auch nicht alle im Film enthalten sind. Trotz des Low-Budget-Charakters der Produktion spielen hier keine Laiendarsteller, sondern mehr oder weniger bekannte TV-Schauspieler wie Wolf Bachofner („Kommissar Rex“) oder durch Daily Soaps bekannt gewordene Darsteller wie Matthias Klimsa („Berlin, Berlin“) oder Jo Weil („Verbotene Liebe“).
„Das Leben ist keine Autobahn“ ist ein Episodenfilm, der sich vor allem auf der Autobahn, oder zumindest in Fahrzeugen, abspielt und dessen narrativen Ausgangspunkt der schwere, vermeintlich von Herrn Korthals verursachte Unfall mit zwei Toten darstellt, an dem sich die gesamte Komposition der Charaktere und deren Hintergründe ausrichten. Im Zusammenhang mit der äußerst spärlichen Berichterstattung fallen immer wieder Begrifflichkeiten wie Schuld und Sühne oder Fragen der Moral, während als filmisches Vorbild von Albrecht immer wieder der ebenfalls episodisch angelegte Titel „Coffee and Cigarettes“ von Jim Jarmusch angeführt wird. Leider handelt es sich hier aber um viel zu hochtrabende Vergleiche und Assoziationen. Denn bei allem bewundernswerten Engagement und Durchhaltevermögen von Dennis Albrecht bewegt sich der Film insgesamt drehbuchtechnisch leider auf einer Einbahnstraße in den Erzählstau und verpasst beinahe alle wichtigen Abfahrten des navigationsleitenden roten Fadens auf dem produktionseigenen Routenplaner. Zunächst einmal lebt gerade ein Episodenfilm natürlich von der Vielschichtigkeit seiner Charaktere, der zugehörigen Authentizität ihrer Darsteller, der Tragkraft ihrer gemeinsamen Dialoge und von den übergeordneten Gemeinsamkeiten, die alle thematisierten Einzelschicksale letztlich miteinander verbinden. Bei dem vorliegenden Titel gibt es hingegen nur Klischeecharaktere wie den rasenden, uneinsichtigen Geschäftsmann, das oberflächliche Popsternchen oder den rechtslastigen Historiker. der gegen den alliierten Bombenkrieg wettert.
Diese Figuren liefern sich zudem Dialoge, die teilweise sogar unter Stammtischniveau verlaufen, beispielsweise wenn die Opfer plötzlich als angebliche Schleicher selbst Schuld an ihrem Tod sein sollen, und werden auch darstellerisch nur äußerst mittelmäßig beseelt. Weiterhin ergeben die einzelnen Episoden keineswegs ein durchdachtes großes Ganzes, wirken in sich weitgehend beliebig und wie nachträglich mit einer aufgesetzten Bedeutung hinsichtlich des zentralen Unfalls versehen. Auch die Idee, nicht nur diverse Flashbacks der handelnden Personen einzubauen, sondern auch noch als vermeintlich clevere Idee verschiedene Zeitebenen erzählerisch miteinander zu verknüpfen, erweist sich eher als Irrweg und bürgt keineswegs für eine überraschende Auflösung mit Aha-Effekt. Zudem wirkt der Film selbst über seine geringe Laufzeit und trotz der namensgebenden Autobahn äußerst behäbig, häufig in den Gesprächssituationen ziemlich gestellt und hinterlässt auch bezüglich seiner intendierten Aussage einige Fragezeichen.
Digitale Aufarbeitung:
Die Veröffentlichung im Letterbox-Bildformat 1,85:1 kann die günstigen Produktionsbedingungen nicht verhehlen und bewegt sich unterhalb des Qualitätsniveaus einer durchschnittlichen DVD oder einer gängigen TV-Produktion. Der Film ist allerdings gerade im Bereich der Schärfe und der Farbgebung durchaus noch ansehbar. Allerdings wirkt das Bild, auch aufgrund der nicht immer ausgewogenen Kontrastwerte, trotzdem etwas konturlos und matschig. Auch das stärkere Bildrauschen wirkt eher störend, während die Kompression einen guten Job verrichtet. Die deutsche Tonspur klingt gut verständlich und ist auch durchaus ausgewogen abgemischt, was angesichts der schwierigen Drehbedingungen und problematischen Hintergrundgeräusche durchaus positiv überrascht.
Neben dem Originaltrailer befinden sich auf der DVD auch noch die drei Bonusepisoden „Fotosession“ (7:02), „Feiger Hund“ (8:13) und „Planespotter“ (8:51), die im Film zwar niemand vermissen wird, auf dem Cover allerdings per Inhaltsangabe unzutreffenderweise als Teil des Hauptfilms angeführt werden. Das Feature „Wie man sich eine Autobahn baut“ (14:57) ist eine Art Making-of zum Film und aufgrund der verwendeten Mehrfach-Split-Screens und eingeblendeter Texte handwerklich eher ungewöhnlich aufbereitet, allerdings durchaus informativ ausgefallen. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Das Leben ist keine Autobahn“ nötigt dem Zuschauer zwar angesichts des persönlichen Engagements und der Opferbereitschaft seines Schöpfers Dennis Albrecht erst einmal Respekt ab, das Endergebnis kann aber leider als Vollpreisprodukt im qualitativ eh gut bestückten Episodenfilmbereich nicht überzeugen. Dabei gibt es gerade in Form von „Mitfahrer“ ein extrem hochwertiges, ähnlich gelagertes Werk aus Deutschland, das in allen Bereichen zeigt, wie diese Thematik und Struktur deutlich besser umgesetzt werden kann. Technisch kann die vorliegende DVD erwartungsgemäß nicht mit gängigen Großproduktionen mithalten, unter Berücksichtigung der Produktionsumstände geht die technische Präsentation aber durchaus in Ordnung und das Making-of im Bonusbereich liefert zudem interessante Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Films.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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70:45 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Originaltrailer
- Drei Bonus-Episoden
- Featurette: Wie man sich eine Autobahn baut
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Das Leben ist keine Autobahn
Das Leben ist keine Autobahn
In narrativer Hinsicht eher eine Geisterfahrt mit angezogener Handbremse
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2011 Regie: Dennis Albrecht Drehbuch: Dennis Albrecht Darsteller: Wolf Bachofner, Matthias Klimsa, Dorina Maltschewa, Klaus Bieligk, Julia Valet, Jo Weil, Jim Boeven, Angelo Franke
Label :
Breitwand Filmvertrieb
Verkaufsstart : 25.11.2011
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