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Blu-ray-Besprechung - Larry Crowne

Story:
Supermarktmitarbeiter Larry Crowne (Tom Hanks) wird plötzlich entlassen, da Personalkürzungen anstehen und man entdeckt hat, dass er nie zum College gegangen ist. Damit ihm dies nie wieder passiert, schreibt er sich kurzerhand an der Uni ein und belegt Kurse in Wirtschaft und Rhetorik - die besten Hilfsmittel eines Verkäufers. Schnell wird er dank seines neuen Motorrollers in die Clique der flippigen Talia (Gugu Mbatha-Raw) aufgenommen. Und auch seine Rhetorikdozentin Mrs. Tainot (Julia Roberts) ist ihm nicht unsympathisch.

Meinung zum Film:
Tom Hanks gehört zweifellos zu den weltweit beliebtesten Schauspielern der 1990er und frühen 2000er, wenn nicht sogar aller Zeiten. Mit Filmen wie "Forrest Gump" und "Schlaflos in Seattle" spielte er sich in die Herzen eines Millionenpublikums, doch seit einiger Zeit ist eher weniger von dem sympathischen Darsteller zu hören, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass beim Publikum irgendwann ein gewisses Hanks-Übersättigungsgefühl eingetreten ist und der große finanzielle Erfolg bei seinen letzten Projekten ausblieb. Nun meldet er sich jedoch zurück und begibt sich auf die Spuren von Kollegen wie Clint Eastwood, indem er mit "Larry Crowne" einen Film abliefert, bei dem er sowohl als Koautor als auch als Produzent und Regisseur tätig war. Bereits 1996 führte er bei dem von ihm geschriebenen "That Thing You Do!" Regie, trotz einer Oscar-Nominierung für den besten Song fand die Musikkomödie jedoch nur wenig internationale Beachtung. Mit "Larry Crowne", seinem ersten großen Mainstream-Projekt als Autor und Regisseur, beschreitet Hanks nun stattdessen die ihm vertrauten Pfade der romantisch angehauchten Komödie.

"Larry Crowne" erweist sich beim Anschauen schnell als Feel-Good-Movie und schafft es auch durchaus, während seiner Laufzeit von knapp 100 Minuten nicht allzu langweilig zu werden. Das Problem des Films wird dem Zuschauer jedoch hinterher ziemlich schnell bewusst, wenn er sich die Frage stellen muss, was er da eigentlich gerade gesehen hat. "Larry Crowne" übertreibt es nämlich mit seiner Feel-Good-Atmosphäre derart, dass der Film dadurch letztlich völlig belanglos wird. Das Drehbuch enthält keinerlei Konfliktpotenzial und der Zuschauer sieht anderthalb Stunden lang ausschließlich sympathische Menschen, die nett zueinander sind. Prinzipiell ist das gar nicht unbedingt etwas Schlimmes, wenn es denn richtig umgesetzt wird. Doch "Larry Crowne" fehlt eine Message, die selbst bei den oberflächlichsten Klischee-Romantic-Comedies vorhanden sein sollte. Die Handlung wirkt wie reiner Selbstzweck, ohne irgendetwas zu transportieren. Ein Supermarkt-Mitarbeiter fliegt bei seinem Job raus, geht an die Uni, kommt mit Dozentin zusammen, und fertig.

Das hätte sich sicherlich interessant erzählen lassen, "Larry Crowne" tut es nur einfach nicht. Was dem Film fehlt, ist, nachvollziehbar zu machen, wie die einzelnen Stationen der Handlung kausal miteinander verknüpft sind. Zum größten Teil ist dies den Figuren geschuldet, die reine Schablonen sind und vom Drehbuch keinerlei Hintergrund bekommen. Larry lernt seine Dozentin im Unterricht kennen und trifft sie mal zufällig nachts an einer Bushaltestelle. Als sie angetrunken ist, fährt er sie nach Hause und beide knutschen rum. Die Dozentin ist sauer auf ihn, weil sie denkt, dass er was mit einer Kommilitonin hat, findet paar Minuten später raus, dass das gar nicht der Fall ist, und schon sind alle wieder glücklich. Larry sagt am Ende des Films, dass Mrs. Tainot sein Leben verändert hat, leider bekommt der Zuschauer allerdings überhaupt nicht mit, auf welche Weise dies geschehen sein soll und wird vom unausgegorenen Drehbuch komplett daran gehindert, mit den Figuren mitzufühlen oder von der Handlung mitgerissen zu werden. Es wird weder klar, wie die Dozentin Larrys Leben beeinflusst, noch, wie andersherum Larry dafür sorgt, dass die grummelige Lehrerin plötzlich eine Ausgeburt von Fröhlichkeit wird. Beides ist einfach so und fertig. Ja, alle Charaktere bzw. ihre Darsteller sind irgendwie nett und sympathisch, doch um das zu vermitteln, hätte kein Film gedreht werden müssen. So ist "Larry Crowne" zwar nett anzuschauen, hinterlässt aber sobald der Abspann rollt beim Zuschauer das unbefriedigende Gefühl, seine Zeit mit einem Film vergeudet zu haben, der absolut nichts zu erzählen hat.

Digitale Aufarbeitung:
Die technische Qualität von "Larry Crowne" schwankt zwischen einigermaßen befriedigend bis ziemlich schlecht. Dies liegt vor allem an der furchtbar unterdurchschnittlichen Schärfe. Während Weitwinkelaufnahmen noch halbwegs erträglich sind, sind Nahaufnahmen von Gesichtern und Ähnlichem fast immer entweder übermäßig weich oder sogar richtig unscharf. Dabei wirkt es manchmal fast so, als ob der Kameramann gepfuscht und falsch fokussiert hätte. Vielleicht ist es aber auch nur ein Problem des Transfers. Für einen Film aus dem Jahr 2011 im HD-Format ist dies jedenfalls völlig inakzeptabel. Auch das recht starke Rauschen fällt negativ auf, allerdings bei Weitem nicht so sehr wie die ständige Unschärfe. Zumindest sind die Farben jedoch kräftig und natürlich. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch jeweils in DTS-HD Master Audio 5.1 vor und bietet genretypische Kost. Das Geschehen beschränkt sich ausschließlich auf die Front, die Rears werden nur gelegentlich für Musikwiedergabe eingesetzt. Alle Dialoge sind jederzeit klar verständlich.

Als Extras gibt es neben dem Trailer zum Film sieben entfernte Szenen mit einer Laufzeit von knapp acht Minuten, die allerdings auch nichts Tiefgründigeres zur Story beitragen. Des Weiteren findet man ein rund zehnminütiges Making-of vor, das typische Promoaussagen enthält und die Darsteller nur dabei zeigt, wie sie über ihre Figuren und die Arbeit mit Tom Hanks reden. "Spaß am Set" zeigt zehn Minuten lang, wie Tom Hanks am Set herumulkt, und schließlich gibt es noch einen anderthalbminütigen Clip von der deutschen Premiere in Berlin, wo Hanks so wichtige Aussagen von sich gibt wie: "Ich fahre gerne Roller und treffe dabei gerne Frauen. Frauen fahren nämlich auch gerne Roller." Insgesamt ist das Bonusmaterial damit genauso oberflächlich wie der Film selbst.

Fazit:
"Larry Crowne" ist ein Film, der zwar über sympathische Darsteller verfügt, aber rein gar nichts zu erzählen hat. Die Story ist weldfremd, alle sind super nett und die Figuren werden nicht mal ansatzweise ausgearbeitet, sodass sie nur wie schablonenhafte Stereotypen wirken. Hier hat sich Drehbuchkoautor und Regisseur Tom Hanks wahrlich keinen Gefallen getan. Technisch bietet die Blu-ray unterdurchschnittliche Qualität, das Bonusmaterial ist ebenfalls nicht der Rede wert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
98:37 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Making-of
  • Geschnittene Szenen
  • Spaß am Set
  • Tom Hanks in Berlin
  • Trailer
Larry Crowne - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Larry Crowne
Larry Crowne

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Feel-Good-Film, der leider inhaltlich überhaupt nichts vermittelt


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2011
Regie:
Tom Hanks
Drehbuch:
Tom Hanks, Nia Vardalos
Darsteller:
Tom Hanks, Julia Roberts, Cedric the Entertainer, Taraji P. Henson, Holmes Osborne, Wilmer Valderrama, Pam Grier, Gugu Mbatha-Raw

Label Deutschland :
Studiocanal
Verkaufsstart Deutschland :
01.12.2011