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Blu-ray-Besprechung - Sennentuntschi
Story:
In einem kleinen Schweizer Dorf am Fuß der Alpen wird ein Priester tot aufgefunden. Offensichtlich hat er sich erhängt. Oder hat vielleicht doch die mysteriöse stumme Frau (Roxane Mesquida) etwas mit der Sache zu tun, die bei seiner Beerdigung plötzlich auftaucht? Ist sie gar ein Dämon, wie der Dorfpfarrer behauptet? Polizist Reusch (Nicholas Ofczarek) nimmt sich der Frau an und will der Sache auf den Grund gehen. Unterdessen kommt es auch in einer Almhütte zu seltsamen Geschehnissen, gerade als Städter Martin (Carlos Leal) bei Erwin (Andrea Zogg) und dem geistig zurückgebliebenen Albert (Joel Basman) eingetroffen ist.
Meinung zum Film:
Nein, das "Sennentuntschi" ist nicht etwa ein neues Alter Ego von Michael Bully Herbig. Vielmehr versteckt sich hinter diesem für nicht aus der Schweiz stammenden Ohren recht befremdlichen Begriff eine Sagengestalt aus den Bergen. Der Legende nach handelt es sich beim "Sennentuntschi" um eine Puppe, die die Sennen oben in ihren Almhütten aus Langeweile und gegen die Einsamkeit aus einem Besen, Stroh und allerlei sonstigem Material basteln. Im Idealfall lässt sich dann gleich auch noch ein Geschäft mit dem Teufel aushandeln, woraufhin das Ding lebendig wird und die ausschließlich männlichen Hirten so allerlei mit dieser "Frau" anstellen können. Zu dumm nur, dass das "Sennentuntschi" dies zwar mit sich machen lässt, hinterher aber ziemlich sauer wird, sich an seinen Schändern rächt und ihnen schließlich noch die Haut abzieht.
Zugegeben, diese Sage ist abstrus genug, dass sich sicherlich ein ganz netter Horrorfilm daraus machen ließe. Leider hat sich Regisseur und Drehbuch-Koautor Michael Steiner für seinen Film, dessen Finanzierung jahrelang gefährdet war und der erst umgesetzt werden konnte, als die Constantin Film mit ins Boot kam, jedoch entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen. Statt tatsächlichen Mysteryhorrors bekommt der Zuschauer einen kruden Genremix vorgesetzt, der irgendwie alles zu wollen scheint, aber dabei gar nichts richtig macht. Die überflüssige Rahmensequenz, die in der Gegenwart spielt, lässt den Film wie eine Folge von "Bones" beginnen, danach geht es mit einer Mischung aus Tatort und Heimatfilm weiter, in die zwischendurch immer mal wieder ein paar Elemente im Stil von "Der Exorzist" und "The Ring" eingeworfen werden. An anderen Stellen erinnert der Film dann beinahe an ein Westernszenario, beispielsweise als Städter Martin auf die Alm kommt. Mit verschiedenen Genres zu spielen, ist natürlich das Recht jedes Regisseurs. Nur muss dieser Mix auch funktionieren und genau das ist bei "Sennentuntschi" leider nicht der Fall.
Durch die zusammengewürfelten Inszenierungsarten kommt einfach keine einheitliche Atmosphäre auf. Immer, wenn es mal minimal gruseliger wird, wechselt die Stimmung gleich wieder, was dem Zuschauer ziemlich schnell auf die Nerven geht. Die völlig unpassende Hintergrundmusik samt Soundtrack, die zu keiner Zeit auch nur ansatzweise stimmig wirkt, tötet zudem auch noch den letzten Rest an Flair. Zugutegehalten werden muss dem Film allerdings, dass er trotzdem insgesamt noch halbwegs spannend ausgefallen ist. Und diese Dramaturgie hält er auch bis zur Auflösung am Schluss einigermaßen aufrecht. Jedoch wirkt das Ende genauso abstrus und unentschlossen, einer klaren Linie zu folgen, wie der gesamte Film, wodurch der Zuschauer sich dann leider doch nur wieder ärgert, dass er bis dorthin durchgehalten hat. Letztlich nimmt sich "Sennentuntschi" nicht nur selbst viel zu ernst, sondern hält sich auch noch für ziemlich clever, ohne dies jedoch wirklich zu sein. Auch das gelegentliche Einstreuen von "dreckigen" Szenen mit Vergewaltigungen, Blut, Mord und Ähnlichem macht den Film weder sinnvoller noch verleiht es ihm die offensichtlich angestrebte "moralische Tiefe". Zumindest sind die Leistungen der fünf Hauptdarsteller durchweg solide bis gut. Aus seinem Dilemma können sie "Sennentuntschi" allerdings trotzdem nicht befreien. Da hätte ein besseres Editing deutlich mehr geholfen, denn die Grundzutaten für einen spannenden Mysterythriller wären durchaus vorhanden gewesen.
Digitale Aufarbeitung:
"Sennentuntschi" bietet insgesamt zufriedenstellende technische Qualität. Das Bild erreicht zwar in keiner Hinsicht Referenzwerte, liefert aber solide Ergebnisse in allen Bereichen. Die Schärfe ist größtenteils gut, die Farbwiedergabe natürlich. Auffällig zeigen sich jedoch das durchgängige Rauschen sowie der gelegentlich unruhige Bildstand. Der Ton liegt in der schweizerdeutschen Originalfassung und in deutscher Synchronisation jeweils in DTS-HD High Resolution 5.1 vor. Die Dialogverständlichkeit ist bei beiden Fassungen jederzeit gewährleistet. Die Abmischung ist auch insgesamt recht räumlich und macht hin und wieder für Effekte auch von den Rears Gebrauch. Leider gibt es nur englische Untertitel, sodass man den stark dialektlastigen Originalton nicht auf Wunsch mit deutschen Untertiteln abspielen kann.
Das Bonusmaterial ist genauso enttäuschend wie der Film selbst. Neben einer Landkarte, die die Lage der wichtigsten Drehorte mit kurzen Filmausschnitten kombiniert, gibt es lediglich noch ein viertelstündiges Making-of, das ziemlich oberflächlich bleibt und außer einem groben Einblick in die Drehbedingungen keine wirklichen Informationen liefert. Die BD verfügt übrigens, im Gegensatz zu früheren Veröffentlichungen von Constantin Film, über ein Wendecover ohne FSK-Logo.
Fazit:
"Sennentuntschi" bietet storytechnisch eine interessante Grundlage, die allerdings von Regisseur Michael Steiner nicht mal ansatzweise ausgewertet wird. Stattdessen ergeht sich der Film in einem kruden Genremix ohne durchgängige Stimmung oder Atmosphäre und wirft noch ein paar derbere Alibiszenen mit ein, um moralische Tiefsinnigkeit vorzutäuschen, die jedoch nicht vorhanden ist. Hier hätte es geholfen, sich für ein sinnvolleres Editing zu entscheiden und nicht bewusst auf "Cleverness" abzuzielen, die doch nicht erreicht wird. Technisch bietet die Blu-ray zufriedenstellende Qualität, das Bonusmaterial enttäuscht jedoch.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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115:02 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD High Resolution 5.1 | Schwytzerdütsch DTS-HD High Resolution 5.1 |
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Untertitel:
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Englisch |
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Bonusmaterial:
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Sennentuntschi
Sennentuntschi
Uninspirierter Genremix, der viel will, aber letztlich nichts davon umsetzt
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Schweiz, 2010 Regie: Michael Steiner Drehbuch: Michael Steiner, Stefanie Japp, Michael Sauter Darsteller: Roxane Mesquida, Nicholas Ofczarek, Andrea Zogg, Carlos Leal, Joel Basman, Hanspeter Müller, Rebecca Indermaur, Ueli Jäggi
Label :
Constantin Film
Verkaufsstart : 01.12.2011
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