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DVD-Besprechung - Ausgestoßen - Odd Man Out
Story:
Der IRA-Anführer in Belfast, Johnny McQueen (James Mason), plant kurz nach seiner Flucht aus dem Gefängnis einen Überfall auf eine Fabrik um der Organisation dringend benötigte, finanzielle Mittel zu verschaffen. Der Überfall läuft jedoch ganz anders ab als geplant und McQueen tötet nicht nur in Notwehr einen Wachmann, sondern wird auch noch selbst angeschossen und bleibt in der Nähe des Tatorts zurück. Fortan schleppt sich McQueen unter massivem Blutverlust, bereits halb im Delirium, durch das winterliche Belfast, während die Polizei mit einem Großaufgebot die gesamte Stadt durchkämmt. Parallel suchen auch McQueens Komplizen nach ihm, ebenso wie seine Freundin Kathleen Sullivan (Kathleen Ryan).
Meinung zum Film:
„Ausgestoßen – Odd Man Out“ ist nach dem zeitgleich erschienenen „Der Mann mit der Narbe“ der neunte Titel der „Film Noir Collection“ von Koch Media, deren letzte Veröffentlichungen, „Du und Ich“ und „Der General starb im Morgengrauen“, Anfang Dezember 2010 herausgebracht wurden und somit bereits fast ein Jahr zurückliegen. Der britische Titel aus dem Jahr 1947 entstand unter der Regie des weltbekannten Carol Reed („Der Verdammte der Inseln“), nur zwei Jahre vor seinem Meisterwerk „Der Dritte Mann“ mit Orson Welles („Macbeth“). Das Drehbuch zum Film lieferten F.L. Green („Verstrickung“), der auch die gleichnamige Buchvorlage „Odd Man Out“ zu vernatworten hatte, und R.C. Sherriff („Der Unsichtbare“). Die Hauptrollen des Films übernahmen James Mason („Prinz Eisenherz“) und Kathleen Ryan („Haus der Sehnsucht“). Hinter der Kamera stand Robert Krasker („El Cid“), der in der gleichen Funktion für „Der Dritte Mann“ einen Oscar gewann. „Ausgestoßen“ gewann 1948 den BAFTA Award als bester britischer Film und Carol Reed wurde aufgrund dieses Films auch ein Jahr zuvor für den Goldenen Löwen in Venedig nominiert.
„Ausgestoßen“ ist im Grunde ein episodenhaft angelegtes Melodram, in dem die weitgehend passive Hauptfigur Johnny McQueen einen geradezu biblisch angelegten Leidensweg durchschreitet, wobei die gesamte Konstellation des Films nicht von ungefähr ein wenig an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter erinnert. Johnny ist nicht nur schwer verletzt und leidet unter seinem starken Blutverlust, er durchleidet auch ein moralisches Dilemma, denn das Schicksal des toten Wachmannes geht ihm schwer an die Nieren. Denn auch wenn „Ausgestoßen“ absolut keinen politischen Film darstellt, ist Johnny doch ein führendes Mitglied der „Organisation“, bei der es sich natürlich um die IRA handelt. Er hatte jedoch längst der Gewalt abgeschworen und wollte die im Film nicht weiter definierte „Sache“ viel lieber zukünftig auf politischem Wege voranbringen. Das Todesopfer seines Überfalls nagt nun an seinem Gewissen. Ein zusätzlicher innerer Kampf auf der psychischen Ebene wird somit thematisiert. Während Johnny nun aber durch das nächtliche, verschneite Belfast taumelt, dem Tod stets näher als dem Leben, begegnet er immer wieder verschiedenen Einwohnern der Stadt, die zwischen ihrer Angst vor der Polizei und vor der IRA hin- und herschwanken. Letztendlich ist er jedoch für sie alle vor allem ein Unberührbarer, eine persona non grata, die nur großen Ärger verheißt. Und so verschlägt es Johnny wie ein Stück Treibholz von einem provisorischem Unterschlupf zum anderen, während ihn die Lebenskraft zunehmend verlässt und er in der Hilflosigkeit seines Deliriums die Umwelt immer weniger zur Kenntnis nimmt.
Johnny McQueen ist wohl einer der passivsten Antihelden der Filmgeschichte, ein Spielball seiner Mitmenschen und gerät dabei auch immer wieder in den Dunstkreis von Profiteuren seiner Wehrlosigkeit. Jeden Kontakt kleidet der Film in eine episodische Erzählung, die er dazu nutzt auch die Hintergründe und Lebensumstände dieser schillernden Charaktere zu beleuchten. Dabei überzeugt der Film mit starken Darstellern, einer sehr dichten, lebensfeindlichen Atmosphäre, einer effektiven, teilweise surrealen Kameraführung und einer ziemlich emotionalen Erzählweise voller innerer Konflikte und moralischer Konfliktsituationen. Leider taugt ausgerechnet der Titelheld, nicht nur aufgrund seiner Passivität, nicht wirklich als emotionales Bindeglied für den Zuschauer. Zu entrückt und auch überzogen wirkt die Darstellung des „wandelnden Toten“ durch James Mason und auch der rote Faden geht innerhalb der episodischen Erzählung weitgehend verloren. Einzelschicksale berühren sich und treiben wieder auseinander, der gesamte politische Hintergrund wirkt völlig austauschbar und zudem hat sich Johnny durch ein Schurkenstück selbst in diese ausweglos erscheinende Situation gebracht, kann also nicht die ganz großen Sympathien der Zuschauer erwarten. Die verschrobenen und skurillen Kontaktpersonen von Johnny liefern zwar für sich genommen starke darstellerische Leistungen und interessante charakterliche Schauwerte, reißen den Zuschauer aber auch immer wieder aus der Hauptgeschichte heraus. Sie wirken außerdem teilweise, auch aufgrund ihrer mit zunehmender Spielzeit immer abgehobener wirkenden Lebenswelten, als wären sie einer Art Paralleluniversum entsprungen. Der anfangs stark realitätsbezogene, düstere Ansatz geht dadurch irgendwann verloren.
Digitale Aufarbeitung:
Koch Media veröffentlicht den vorliegenden Titel offensichtlich in einer restaurierten Fassung, weshalb der über 60 Jahre alte Schwarz-Weiß-Film, gerade auch unter Berücksichtigung des hohen Alters, einen wirklich überzeugenden Eindruck hinterlässt. Die Bildschärfe bewegt sich auf einem richtig guten Niveau und übertrumpft sogar noch „Der Mann mit der Narbe“. Die Kontrastwerte hinterlassen auch hier einen ausgewogenen Eindruck. Die Vorlage wirkt insgesamt weitgehend sauber, im Gegensatz zu „Der Mann mit der Narbe“ gibt es hier aber immer wieder leichte Verschmutzungen oder Beschädigungen, allerdings nie in einem störenden Ausmaß. Die Kompression verhält sich unauffällig. Die Körnung des Bildes ist nicht ganz so stark wie bei „Der Mann mit der Narbe“, bürgt aber immer noch für zeitgenössisches Filmflair und wurde keineswegs kaputtgefiltert. Die frontlastige deutsche Dolby-Digital-2.0-Tonspur klingt auch hier wieder gut verständlich, hallt aber stärker als bei „Der Mann mit der Narbe“ und klingt zudem leicht verzerrt, blechern und etwas zu sehr nach Studio. Die englische Dolby-2.0-Tonspur klingt hier doch deutlich natürlicher und liegt qualitativ somit insgesamt leicht vorne. Auf der DVD befinden sich keinerlei Untertitel.
Die DVD wird wie die gesamte Reihe in einem Slim-Digipak ohne Schuber, einem sogenannten "Mediabook", ausgeliefert. Der darauf befindliche FSK-Aufkleber ist ablösbar. Das zwölfseitige Booklet von Thomas Willmann ist eingeklebt und befasst sich inhaltlich vor allem mit den wichtigsten Mitwirkenden der Produktion, der Entstehungsgeschichte des Films und liefert zudem inhaltliche Interpretationsansätze. Dadurch, dass unter anderem das Filmende vorweggenommen wird, sollte es aber auf keinen Fall vor der Betrachtung des Films gelesen werden. Auf der DVD selbst befindet sich eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial wie Aushang- und Szenenfotos. Im DVD-ROM-Bereich wurde zudem noch das originale englischsprachige Drehbuch im PDF-Format, mit einem Umfang von 130 Seiten, abgelegt.
Fazit:
„Ausgestoßen“ ist ein episodisch angelegtes Melodram mit den Zügen einer christlichen Leidensgeschichte und punktet mit guten Darstellern, einer dichten, düsteren Atmosphäre und einer effektiven, surrealistisch angehauchten Kameraführung. Leider bietet ausgerechnet der Antiheld der Geschichte nur wenige emotionale Anknüpfungspunkte, wird immer wieder von den teils ziemlich dominanten Charakteren der einzelnen Episoden beiseite geschoben und auch die übergeordnete Erzählung somit zunehmend stärker marginalisiert. Technisch hinterlässt die DVD einen überzeugenden Eindruck und auch die Aufmachung der Veröffentlichung kann sich durchaus sehen lassen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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111:08 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Zwölfseitiges Booklet
- Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
- Englischsprachiges Original-Drehbuch im PDF-Format (DVD-ROM)
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Ausgestoßen
Odd Man Out
Episodisches Melodram mit einem geradezu biblischem Leidensweg für den weitgehend passiven Antihelden
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1947 Regie: Carol Reed Drehbuch: F.L. Green, R.C. Sherriff Darsteller: James Mason, Robert Newton, Kathleen Ryan, Cyril Cusack, Robert Beatty, William Hartnell, F.J. McCormick
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 25.11.2011
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