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Blu-ray-Besprechung - Greetings to the Devil
Story:
Der amnestierte Ex-Guerilla-Kämpfer Ángel (Édgar Ramirez) findet aufgrund seines gewalttätigen Werdegangs nur wenig Akzeptanz in der Gesellschaft und daher auch nur schwer einen Job, der für ihn notwendig wäre, um ausreichend für sich und seine Tochter Ángela (Maria Luna Beltrán) sorgen zu können. Als der im Rollstuhl sitzende Leder (Ricardo Vélez), einstmaliges Opfer von Ángel und dessen Guerilla-Truppe, nach Rache für seine Behinderung sinnt und die kleine Ángela kidnappt, wird Ángel schlagartig von seiner Vergangenheit eingeholt. Leders unbarmherziges Ultimatum ist eindeutig. Binnen 72 Stunden soll Ángel seine ehemaligen Kumpane töten oder seine Tochter muss sterben.
Meinung zum Film:
Im Jahre 2005 wurde vom kolumbianischen Kongress das Gesetz 975 für "Gerechtigkeit und Frieden" ("Justicia y Paz") erlassen. Als Gegenleistung für die Desertation aus regierungsfeindlichen, paramilitärischen Einheiten und Guerilla-Truppen, wurde den Überläufern vollständige Amnestie für ihre Verbrechen zugesagt. Das bis heute gültige Gesetz lässt dabei die Wiedergutmachung für die einstigen Opfer jener Gräueltaten – begangen durch brandschatzende, vergewaltigende und brutal agierende Guerilla-Gruppierungen - gänzlich außer Acht. Genau hier setzt der sehr gelungene Film „Greetings to the Devil“ von Regisseur Juan Felipe Orozco („Sin retorno“) thematisch an. Der Kolumbianer Leder, überzeugend gespielt von Ricardo Vélez („Yo not e pido la Luna“), ist seit der Folter durch eine Gruppe von Guerillas unter Führung von Ángel, ebenfalls hervorragend gespielt von Édgar Ramirez („Carlos – Der Schakal“), an den Rollstuhl gefesselt. Er kann es seelisch nicht ertragen, dass die Verbrechen jener Männer, die ihm all das Leid und seine Behinderung zugefügt haben, niemals gesühnt werden sollen. Geschickt konfrontiert Drehbuchautor Carlos Esteban Orozco („Sin retorno“) den Zuschauer mit der Frage, inwieweit der Wunsch nach Vergeltung und Rache ein anderes Verbrechen rechtfertigen kann. Gleichzeitig zeigt er aber auch kritisch auf, dass die Begnadigung auf Erlass einer Regierung nicht zwangsläufig auch dementsprechende Akzeptanz auf Seiten der Gesellschaft bedeuten muss.
Regisseur Juan Felipe Orozco präsentiert in seinem Film eine komplett auf den Kopf gestellte Welt. Obwohl Ángel als Guerilla-Kämpfer getötet, gefoltert und grausamste Verbrechen begangen hat, liegt die Sympathie des Zuschauers eindeutig bei seiner Person. Das liegt nicht zuletzt an den geschickt eingeflochtenen, langen und eher stillen Szenen, welche die emotionale Seite von Ángel und dessen Fürsorglichkeit seiner Tochter gegenüber betonen. Als seine Tochter, die kleine Ángela, entführt wird, nimmt seine Figur sogar die Rolle des Opfers ein. Im Gegenzug übernimmt Leder – das ursprüngliche und eigentliche Opfer, welches dafür Mitleid und Sympathie verdiente – die Funktion des unbarmherzigen Täters, der sogar vor einem kaltblütigem Mord an Ángelas Mutter nicht zurückschreckt, um seine Rachepläne zu verwirklichen. In ähnlich verdrehter Weise erscheint auch Leders Schwester Helena, gespielt von Carolina Gómez („The Choosen One“), die sich aus Liebe zu ihrem Bruder auf das Verbrechen einer Kindesentführung einlässt. Sie genießt aber trotzdem die Sympathie des Zuschauers, da sie sich als Täterin des begangenen Unrechts sehr bewusst ist und darunter auch sichtbar leidet. Zu guter Letzt passt auch der Polizeichef Moris (Salvador des Solar / „Amar y Temer“) in Orozcos Konzept. Als Hüter des Gesetzes – im Allgemeinen ein positiv ausgelegter Charakter – mimt er das Böse in Person und wird zum direkten Gegenspieler von Ángels Figur.
Handwerklich ist „Greetings to the Devil“ über jede Kritik erhaben. Angefangen mit tollen Kameraeinstellungen, über glaubhafte Protagonisten, einem wirklich ausgeklügelten Plot, bis hin zu einem sehr atmosphärischen Soundtrack wirkt Orozcos Film wirklich durchgehend stimmig. Die schauspielerische Leistung aller Darsteller ist überdurchschnittlich gut und stellt so manches Machwerk aus Hollywood in den Schatten. Die Figuren sind durchdacht und gründlich herausgearbeitet. Sie verfügen über ausreichend Tiefe, um glaubwürdig zu erscheinen und heben sich damit im positiven Sinne deutlich von Figuren herkömmlicher Thriller ab. Neben einem gesunden Maß an Action geizt der Film aber auch nicht mit künstlerisch anmutenden Kameraeinstellungen und Kamerafahrten. So bleibt insbesondere die Szene beim großartigen Showdown zwischen Ángel und Moris in Erinnerung. Hier erscheint Ángels Profil in Zeitlupe vor den Flammen eines Feuers und erinnert unweigerlich an religiöse Motive der Kunstgeschichte erinnert. Und Ángel wurde auch innerhalb seiner Guerilla-Truppe Diablo genannt, was wiederum das verdrehte Konzept Engel / Teufel widerspiegelt. Obwohl „Greetings to the Devil“ eigentlich als Action-Thriller durchgeht, spart Regisseur Orozco trotzdem nicht mit vielen stillen Szenen, welche die emotionalen Facetten der Charaktere unterstreichen. Glücklicherweise wartet der Film auch nicht mit einem klischeebehafteten Ende auf, was dem nachdenklich stimmenden Thema sicherlich nicht gutgetan hätte. Stattdessen wird in der schwarz-weiß gehaltenen Rahmenhandlung noch einmal die Moral des Films auf den Punkt gebracht.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der Blu-ray hat eine gute Qualität und wartet mit sattem Schwarz und vielen Details auf. Die im Halbdunkel spielenden Szenen bleiben stets übersichtlich, sodass Personen auch bei dunklem Hintergrund noch gut sichtbar sind. Der Ton in DTS-HD-Master 5.1, in Deutsch und Spanisch, ist sehr ausgewogen abgemischt. Effekte sind nicht überproportional laut im Vergleich zu den stets gut zu verstehenden Dialogen. Die Surroundboxen werden insbesondere durch die atmosphärische Musik, die an Herzschläge erinnert, und gelegentliche Effekte beansprucht.
Im Bonus-Bereich bietet die Blu-ray sowohl ein Making-of (5:35) als auch den offiziellen Trailer zum Film. Untertitel sucht man hingegen vergebens. Der BD-Live Menüpunkt stellt sich als einfacher Link zur Senator-Homepage heraus.
Fazit:
„Greetings to the Devil“ ist ein sehr gelungener Action-Thriller mit tollen Schauspielern und einem spannenden Plot. Aufgrund der hier zunehmend verwischenden Grenzen zwischen Gut und Böse lädt er außerdem zu angeregten Diskussionen ein, und hebt sich damit deutlich von gleichartigen Filmen dieses Genres ab.Technisch kann die Blu-ray überzeugen, das Bonsumaterial ist hingegen ziemlich knapp ausgefallen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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90:50 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Spanisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Trailer
- BD-Live
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Greetings to the Devil
Saluda al diablo de mi parte
Überzeugender und gelungener Action-Thriller um Rache und Vergebung
Autor der Besprechung:
Michael Gick
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kolumbien / Mexiko / USA, 2011 Regie: Juan Felipe Orozco Drehbuch: Carlos Esteban Orozco Darsteller: Edgar Ramirez, Ricardo Velez, Carolina Gomez, Salvador del Solar, Patrick Delmas, Maria Luna Beltran, Albi De Abreu, Laura Perico, Santiago Quintero, Simon Rivera, Andreas Sandoval, Maria Utrilla, Juan Carlos Vargas, Angela Vergara
Label :
Senator Home Entertainment
Verkaufsstart : 24.02.2012
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