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DVD-Besprechung - Sugarhouse

Story:
Der Kauf einer Waffe zwingt den Buchhalter Tom (Steven Mackintosh) in eine verlassene Fabrik zum aufgedrehten Junkie D (Ashley Walters). Tom weiß aber nicht, dass D den gewünschten Revolver am Tag vorher beim Drogenboss Hoodwink (Andy Serkis) hat mitgehen lassen, und Hoodwink setzt alles daran, seine Waffe wiederzukriegen. Spätestens als Hoodwink beginnt, seine Kunden auf D zu hetzen, wird es auch für Tom zu heiß.

Meinung zum Film:
"Sugarhouse" lässt sich schnell zusammenfassen, was normalerweise kein gutes Zeichen ist. Hier jedoch ist das Katz-und-Maus-Spiel ein Segen, da so weniger von den gut ausgearbeiteten Charakteren abgelenkt wird. Obwohl sich also die zentrale Handlung um Waffenhandel, Mord und Drogen dreht, geht es eigentlich darum, sein Leben in den Griff zu kriegen, egal, wie es einem zugesetzt hat. Die Handlung selbst klingt eigentlich kaum nach einem Film, der eine FSK 18 verdient, doch dafür haben die sehr guten und realistischen Make-Up-Effekte gesorgt, wenn jemand vermöbelt wird. So sehen zwei Nasenbeinbrüche auch wirklich aus wie Nasenbeinbrüche und werden nicht durch ein Pflaster und etwas Schorf zensiert wie in vielen anderen Filmen. Eine Reduzierung auf die Gewalt im Film wird diesem aber nicht gerecht: Zwar geht es natürlich um die gewalttätige Suche nach Hoodwinks Waffe, doch gleichzeitig erklären sich die Figuren und werden menschlicher, anstatt nur kaltblütige Mörder zu verkörpern. Hoodwink hat eine schwangere Frau, die von sich sagt, sich nicht in seine Geschäfte einmischen zu wollen, aber so aufgedreht wie nach dem Verlust seiner Waffe lasse sie ihm nicht aus dem Haus. Was in einem anderen Zusammenhang wie die Komödie "Die Wutprobe" klingen würde, ist hier der persönliche Umgang einer schwangeren Frau mit ihrem gewalttätigen Mann unter dem ständigen Risiko, häusliche Gewalt zu provozieren. Zwar bekommt seine Tür eine Frust-Beule von Hoodwink verpasst, seine Frau aber nur ein Abschiedsküsschen.

Sein niedriges Budget wirkt sich nicht auf die Qualität des Filmes aus, die großen Kulissen scheinen schon vorhanden gewesen zu sein. Ein Großteil der Handlung spielt in einer verlassenen Fabrik, abseits der belebten Straßen Londons, wo sich der Zuschauer dank einer ruhigen, durchdachten Kameraführung nicht komplett verliert. Hoodwink jedoch lebt als Kontrast in einer Mietskaserne, wo jedes Fenster wie das nächste aussieht. Die Darsteller sind auch besser als das Budget erwarten lässt. Der zurückhaltende, aber ehrlich wirkende Buchhalter Horatio, der sich Tom nennen lässt, wird von Steven Mackintosh ("Bube, Dame, König, grAs") gespielt, dessen Charakter wahrscheinlich den größten Wandel durchlebt. Ihm zur Seite steht Ashley Walters ("Get Rich or Die Tryin'") als Junkie D, der zwar als müde Eddie-Murphy-Kopie beginnt, aber schließlich der bedeutendste Lehrer für Tom wird. Es ist beinahe erschreckend, wenn man in der Sonderausstattung herausfindet, dass Walters eigentlich ein sehr nüchterner Mensch ist. Weitaus bekannter ist da der Schauspieler des Drogenbosses Hoodwink, Andy Serkis ("Die Abenteuer von Tim und Struppi"), der in dieser aggressiven Rolle wirklich aufblüht. Hier versteckt er sich nicht hinter einem CGI-Anzug und spielt auch keinen Anti-Helden, sondern zeigt in einer hinsichtlich seines Repertoires vollkommen untypischen Rolle, was wirklich in ihm steckt.

Es heißt, der beste Soundtrack wäre der, der am wenigsten auffällt. Hier fällt die Musik eigentlich erst beim zweiten Anschauen wirklich auf. Sie betont Hoodwinks Zorn oder untermalt wie seine drei Kunden D über das ganze Fabrikgelände verfolgen. Dafür hat der Film auch seine stillen Momente, die für dialogstarke Szenen auch notwendig sind. Die witzigen Szenen, die zum Beispiel im Trailer akzentuiert werden, betont das fertige Stück nicht, was dem Handlungsfluss und dem Realismus nur hilft. Der Zuschauer wird ernst genommen, er weiß schon, wann er lachen muss und braucht keine Musik- und Kameraspielereien, um mit der Nase auf den Gag gestoßen zu werden. Die Motivation der einzelnen Charaktere, gerade weshalb Hoodwink seine Waffe unbedingt wiederhaben möchte, kommt erst gegen Ende heraus, wenn die Figuren sich schon durch ihre Handlungen etabliert haben. "Sugarhouse" bietet keine blutige Actionkomödie, sondern ist eine Geschichte mit Herz, die zufällig auch noch eine Hetzjagd mit Gewalt und Witz darstellt.


Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist durchgehend gut, gelegentlich werden die Kontraste reduziert, um das wolkige Wetter Londons zu betonen. Der Ton und die Dialoge sind verständlich, die englische Tonspur ist auch überraschend gut für eine solche Menge von Außenaufnahmen.

Als Extras bietet die DVD den deutschen und den Originaltrailer, außerdem Interviews mit dem Regisseur Gary Love und den Schauspielern Ashley Walters, Steven Mackintosh und Andy Serkis. Als weiterer Blick hinter die Kulissen dient eine Tour über das Set mit "D"-Darsteller Ashley Walters.

Fazit:
"Sugarhouse" zeigt dass, egal wie gut die Karriere auch lief, es immer schlimmer kommen kann, um dann gegen Ende andererseits auch zu motivieren. Natürlich widerspricht das den Filmkritiken, die auf dem DVD-Cover gedruckt wurden und die intensive Gewalt betonen, die zwar im Film vorhanden ist, aber nicht im Mittelpunkt steht. Dort befinden sich nämlich vielmehr die drei Hauptfiguren mit ihren Karriere- und Familienproblemen, deren einziger Ausweg Drogen und Gewalt zu sein scheint.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
90:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Originaltrailer
  • Interviews mit Regisseur Gary Love und den Schauspielern Ashley Walters, Steven Mackintosh und Andy Serkis
  • Tour über das Set mit "D"
Sugarhouse - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Sugarhouse
Sugarhouse

Bild unseres Mitarbeiters David Bühring
Manchmal braucht es Drogenjunkies und einen Killer, um wieder die wichtigen Dinge im Leben zu Tage zu fördern


Autor der Besprechung:
David Bühring

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
England, 2007
Regie:
Gary Love
Drehbuch:
Dominic Leyton
Darsteller:
Steven Mackintosh, Ashley Walters, Andy Serkis, Adam Deacon, Ted Nygh, Tolga Safer, Ade, Tracy Whitwell, Stephen Gressieux, Sharnie Hobbs, Steven Robertson, Sharon D. Clarke, Nicole Kent, Nathan Kent, Flor Kent

Label Deutschland :
Moviehouse Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
02.12.2011

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt