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DVD-Besprechung - The Search for John Gissing

Story:
Der amerikanischen Geschäftsmann Matthew Barnes (Mike Binder) trifft mit seiner Frau Linda (Janeane Garofalo) in London ein, um dort eine Geschäftsfusion seiner Firma mit einem niederländischen Unternehmen abzuwickeln. Die zahlreichen Pannen und Missverständnisse, in die die beiden gleich von Anfang an verwickelt werden, stellen sich recht schnell als die boshaften Intrigen des Geschäftspartners John Gissing heraus, der seinen eigenen Job durch Matthews gefährdet sieht. Beide Männer bieten sich in einem Gefecht aus Gemeinheiten die Stirn. Wer wird die Oberhand behalten?

Meinung zum Film:
„The Search For John Gissing“ ist eher ein Vertreter des subtilen Humors, fernab heutiger fäkaler und pubertärer Entgleisungen der Marke „Hangover“ und „Co.“. Schon der Großmeister des Humors – der unvergessene und im letzten Jahr verstorbene Loriot – hat gezeigt, dass Humor auch im Persiflieren der Mitmenschen und in genial pointierten Dialogen begründet liegen kann. Genau hier punktet der Film von Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Mike Binder („Pippa Lee“). Wunderbar arbeitet er Situationen heraus, in denen die Figuren zwar das Richtige sagen möchten, aber das, was herauskommt, herrlich doppeldeutig anmutet. So wird zum Beispiel im Verlauf der Handlung Binder in der Rolle als Matthew Barnes von einer vermeintlichen Nonne (Sonya Walger / „Lost“) verführt und dabei von seiner Frau Linda, gespielt von Schauspielerkollegin und TV-Serienstar Janeane Garofalo („24“,) in flagranti erwischt. Barnes verzweifelte Beschwichtigungsversuche Linda gegenüber, dass alles gar nicht so sei, wie es aussehe und er – hätte er es denn überhaupt gewollt – wohl nicht gleich mit einer Nonne, sondern stattdessen erst mit einer Prostituierten begonnen hätte, spiegeln allein durch Verwendung der drei unbedacht ausgesprochenen, aber ungemein sinnverkehrenden Wörter, gekonnt die Unbeholfenheit wider, manchmal die richtigen Worte zu finden. Die Protagonisten wirken dadurch nicht nur urkomisch, sondern fühlen sich daher auch sehr authentisch an.

Binder fokussiert sich in seinem Film aber nicht nur auf wohlkonstruierte Dialoge, sondern auch auf Begebenheiten des alltäglichen Wahnsinns. Einige der unglücklichen Situationen, in die Matthew Barnes mit seiner Ehefrau Linda gerät, könnten jedem Kaufmann, der schon mal geschäftlich unterwegs war, in ähnlicher Form (Hotelfehlbuchungen oder vergessene Transfers vom Flughafen zur Firma) durchaus sehr vertraut vorkommen. Erst die gezielte Übertreibung und Ballung dieser Ereignisse machen hier den charmanten Witz aus und es zeigt, sich ganz im Sinne des schon eingangs erwähnten Loriot, dass auch der Alltag – aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet – viel Stoff für Komödien liefern kann. Durchweg überzeugen alle Schauspieler in ihren Rollen, natürlich auch Alan Rickman („Harry Potter“) als intriganter Gegenspieler und Filmtitelgeber John Gissing. Selbst die etwas ungewöhnlicheren Charaktere des Plots, wie zum Beispiel die schon zuvor erwähnte falsche Nonne, der seltsame Hausmeister Donny (James Lance / „Men in Fear“) oder die verrückt anmutende und holländisch sprechende Johanna Frielduct (Angela Pleasence / „Godsend“) wirken erfrischend und sorgen für den einen oder anderen Lacher. Nur ganz selten sackt das Niveau des Films ab und dringt dabei in die Gefilde des Slapsticks vor.

Manche Situationen des Films sind im positiven Sinne an Absurdität kaum zu überbieten. So wird sicherlich jedem Zuschauer die Szene im Gedächtnis bleiben, als Schwester Mary den beiden ohne Unterkunft gestrandeten Amerikanern Matthew und Linda für die Nacht ein Quartier anbietet und dort – mit der Gitarre begleitet – ein Schlaflied vorträgt. Spätestens wenn die erste Brustwarze der falschen Nonne aus dem Mieder schlüpft, bleibt kein Auge mehr trocken. Trotz der vielen Lobeshymnen werden der Gesamteindruck und der Filmspaß aber durch die sehr schlechte technische Aufarbeitung der DVD enorm geschmälert. Nicht zuletzt auch durch die misslungene deutsche Synchronisation der im Plot vorkommenden niederländischen Geschäftsleute. Hier wurde mehr schlecht als recht von den Synchronsprechern versucht, einen flämischen Dialekt zu imitieren. Die von Binder zuweilen gewählte brutale Schnitttechnik wirkt in einigen Szenen auch unangemessen und vermittelt eher den Eindruck eines Bildfehlers, da die brachialen Cuts in keinem Zusammenhang mit der gerade gezeigten Szene zu stehen scheinen und sich dem Betrachter somit die Intention des Regisseurs für diese Wahl nicht erschließt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild bleibt für eine DVD weit hinter den Erwartungen zurück. Die Darstellung wirkt verwaschen und blass. Die komplette Aufarbeitung wirkt sehr nachlässig. Vergessene Cut-Zeichen blitzen nahezu alle zehn Minuten in der rechten oberen Ecke des Bildschirms auf. Selbst optische Fehler, die beim Kopiervorgang des Diapositivs entstehen können, aber eigentlich eher Filmen der Super8-Ära zugeschrieben würden, finden sich zuhauf auf der Disk. Wer so etwas heutzutage nicht mehr für möglich hält, sollte sich ruhig mal den Timecode (26:13) exemplarisch herausgreifen. Des Weiteren flimmern Nadelstreifenanzüge und feinmaschige Jalousien wie verrückt im Hintergrund. Im Großen und Ganzen gleicht das Bild qualitativ also eher einer Produktion auf VHS-Videokassette aus den frühen Achtzigern. Der Ton bietet in Deutsch einen Surroundsound in Dolby-Digital 5.1, nutzt diese Möglichkeiten aber so gut wie nie aus. Somit unterscheidet sich die englische Tonspur in Dolby-Digital 2.0 kaum von der deutschen. Es sind zudem nur deutsche Untertitel im Menü wählbar.

Die DVD beinhaltet keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung verfügt aber über ein Wendecover.

Fazit:
„The Search For John Gissing“ ist eine gelungene Komödie, die entgegen dem Mainstream nicht im Keller des Geschmacks herumdümpelt, sondern ihren Witz aus der Spielfreude der Figuren, den Dialogen und den überzogen dargestellten Gegebenheiten des Alltags zieht. Lediglich die technische Aufbereitung und das völlig fehlende Bonusmaterial schmälern den Filmspaß ungemein.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
91:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
The Search for John Gissing - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Search For John Gissing
The Search For John Gissing

Bild unseres Mitarbeiters Michael Gick
Komödie über geschäftliche Gemeinheiten mit argen technischen Mängeln


Autor der Besprechung:
Michael Gick

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK / USA, 2001
Regie:
Mike Binder
Drehbuch:
Mike Binder
Darsteller:
Mike Binder, Janeane Garofalo, Allan Corduner, Alan Rickman, Angela Pleasence, Frank Harper, Sonya Walger, Owen Teale

Label Deutschland :
ApollonFilms
Verkaufsstart Deutschland :
13.10.2011

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt