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DVD-Besprechung - Fallen Angels

Story:
Manchmal ist es eben doch Liebe auf den ersten Blick: Als der 21-jährige Spike (Chad Lindberg) von daheim ausgebrochen ist, um sich auf seine Musik-Karriere konzentrieren zu können, trifft er Sarah (Emma Bing), ein 15-jähriges Mädchen, das regelmäßig von ihrem Stiefvater vergewaltigt wird. Beide kommen sehr schnell zusammen und fangen an, sich gemeinsam Drogen zu spritzen. Als er sich als Bassist einer Band anschließt, um eine gemeinsame Wohnung zu finanzieren, wird Sarah von einem Taxifahrer attackiert und muss ins Krankenhaus gebracht werden. Dort glaubt man, dass Spike hinter den Wunden und Vergewaltigungen steckt, weshalb er für ein Jahr ins Gefängnis muss. Doch ein Jahr ist nichts im Leben eines jungen Paares und so planen die beiden schließlich, den Stiefvater mit seinen Taten zu konfrontieren. 

Meinung zum Film:
"Fallen Angels" bespricht als Independent-Film viele Themen, an die sich Hollywood nicht so schnell herantraut. Schon alleine die Liebe zwischen einem volljährigen Mann und einem minderjährigen Mädchen spricht dafür, aber auch die leider sehr realistische Aussicht, dass mehr pädophile Vergewaltigungen innerhalb von Familie und Bekanntschaften passieren als draußen in dunklen Gassen. Diese düsteren Themen werden mit einer guten Handlung verknüpft, sodass sich Spike und Sarah immer auf der Flucht sehen, anstatt ihre gemeinsame Zeit genießen zu können. Leider fehlt dem Film das Talent, diese interessante Story in einen spannenden oder romantischen Film umzusetzen. Er schafft es nicht einmal, den Hauptcharakter Spike als sympathischen Menschen darzustellen. Als beide Geld brauchen, betreibt er nicht "kleine Gaunereien", wie der Rückentext behauptet, sondern raubt Freiern ihr ganzes Bar- und Konto-Vermögen. Außerdem versucht er, Sarah wildfremden Menschen eine Vergewaltigung vorspielen zu lassen, um sie dann um ihr Geld zu erpressen. Dass dies keine so gute Idee war, erkennt er erst, wenn Vergewaltigungsopfer Sarah vor dem unbekannten Mann zusammenbricht.

Dafür nutzt Spike als Off-Stimme jede ruhige Minute, uns daran zu erinnern, wie er Sarah das erste Mal traf und sie wegen seinem Drogenrausch für einen Engel hielt. Bald darauf verlangte er dem armen Mädchen den Schwur ab, dass sie sich immer lieben werden, was auch passieren mag. Der traurige Augenblick, als Spike vor Gericht beteuert, er hätte Sarah nie angefasst, wird nachträglich durch einige Szenen der beiden im Bett genauso zerstört wie die Glaubwürdigkeit des Hauptdarstellers. Irgendwann entscheidet sich der Film um und fokussiert Sarahs Mutter, die aufgrund ihrer wenigen Auftritte bisher noch den besten Eindruck hinterließ, doch diese Änderung ist nur kurzfristig. Warum sollte man sich auch für eine Mutter interessieren, die von ihrem ersten Mann geschlagen wurde und nun bei einem weiteren Kriminellen Schutz sucht? Sie besucht auch nur Spikes Mutter und schnappt sich ihren Schwager, um sich auf die Suche nach den beiden zu machen, und will endlich ihre Tochter und ihren anscheinend doch vernünftigen Freund in Sicherheit wissen. Doch selbst diese Gelegenheit schlägt der Film aus und sorgt dafür nach dem Auftritt der Mutter für einen unrealistischen Schluss, bei dem unklar bleibt, ob seine Doppeldeutigkeit Absicht ist oder doch nur aus fehlender Erfahrung entstand.

Leider konnte Chad Lindberg ("Stadt der Engel") die Rolle von Spike nicht so ausspielen, wie es ein guter Schauspieler vielleicht geschafft hätte. Mit einem leichten Augenzwinkern bei den Verbrechen zum Beispiel hätte er mehr Mitgefühl erregt, mit einem Weltschmerz-Blick hätte er die Tragik seiner Situation akzentuiert, aber leider war es wohl nicht das, worauf Lindberg hinauswollte. Obwohl Sarahs Mutter Jane nur wenig Zeit vor der Kamera verbringt, ändert sich Sherilyn Lawsons ("Was ich Dir noch nie erzählt habe") Trauer-Mimik nicht, egal wie tragisch ihr Schicksal auch wird. Als einzige Schauspielerin mit einer größeren Rolle weiß Emma Bing als Sarah zu überzeugen. Sie spielt einen Teenager mit allen Launen, aber auch einer gewissen Unschuld. Sie ist leicht zu begeistern und zu beeindrucken, hält Spike für die Liebe ihres Lebens und rebelliert gegen jede Regel, die sie kennt. Es wird zwar nie klar, was genau Spike an Sarah begeistert und was er an ihr liebt, aber dafür spiegelt sie genau das wider, was jeder Zuschauer einmal war. Dabei war sie beim Dreh schon lange kein Teenager mehr, sondern bereits 23 Jahre alt. 

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist weitgehend scharf und während des Films auch mit zahlreichen Farbeffekten ausgestattet. Der deutsche Dialog ist klar verständlich, die einzigen Verständlichkeitsprobleme bereitet am Anfang Sarah, als sie anfängt zu lallen. In der englischen Tonspur aber ertrinkt der Text in der Musik- und Geräuschspur.

Die DVD-Publikation hat ein Wendecover.

Fazit:
"Fallen Angels" hat eine interessante Geschichte, besitzt aber eine miserable Umsetzung. Der Film ist quasi "Romeo und Julia", nur statt Romantik und schöner Worte entführt er in eine Welt voller Drogen, Gewalt und klischeehafter Szenen. Das zusätzliche Fehlen von Extras sorgt dafür, dass nicht einmal herauszufinden ist, warum der Film eigentlich genau scheitert. 

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
78:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
-
Fallen Angels - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Fallen Angels
Punk Love

Bild unseres Mitarbeiters David Bühring
Hinter dem viel benutzten Titel versteckt sich eine wenig benutzte Handlung in abgenutzter Umsetzung


Autor der Besprechung:
David Bühring

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / USA, 2006
Regie:
Nick Lyon
Drehbuch:
Nick Lyon
Darsteller:
Chad Lindberg, Emma Bing, Max Perlich, Robert Blanche, Craig Richards, Ayanna Berkshire, Christopher Blake, Don Burns, Jim Caputo, J.W. Crawford, Sherilyn Lawson, Mad Martian, Victor Morris, Susan Spencer, Richard Topping

Label Deutschland :
Infopictures
Verkaufsstart Deutschland :
13.01.2012

Vertrieb Schweiz :
Kein Verleih bekannt
Verkaufsstart Schweiz :
Noch kein Termin bekannt