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Blu-ray-Besprechung - Removal - Einfach aufgewischt!

Story:
Cole Hindin (Mark Kelly) ist seit er Zeuge des Selbstmordes seines Freundes Eric Kershe (Billy Burke) wurde, der zuvor seine Familie ermordet hatte, traumatisiert und leidet unter Halluzinationen. Fortan ging es mit seinem Leben mächtig bergab und seine eigene Familie verließ ihn. Cole verdingt sich nun, etwa ein Jahr danach, als Reinigungskraft. Und obwohl er eigentlich eine dringend benötigte Pause nach etlichen Doppelschichten einlegen will, zitiert ihn sein Chef noch zu dem noblen Anwesen des zwielichtigen Henry Sharpe (Oz Perkins). Dieser bietet ihm 5000 Dollar in bar, wenn das Haus bis zum nächsten Morgen komplett gereinigt wird, angeblich wegen einer am nächsten Tag anstehenden Besichtigung potentieller Käufer. Cole nimmt schließlich an, ist aber völlig übermüdet und halluziniert auch schon wieder. Und was ist eigentlich mit Henrys Frau, über die er ständig seltsame Andeutungen macht? Befindet er sich hier etwa an einem Tatort und soll die Spuren eines Verbrechens beseitigen?

Meinung zum Film:
„Removal – Einfach aufgewischt!“ ist das Langfilmdebüt von Nick Simon („The 7th Claus“), der hier aber nicht nur Regie führte, sondern außerdem auch gemeinsam mit Oz Perkins („Secretary - Womit kann ich dienen?“), dem Sohn von Anthony Perkins („Psycho“), und Daniel Meersand („The 7th Claus“) das Drehbuch zum Film schrieb. Oz Perkins spielt auch eine der Hauptrollen genau wie der eher als Theaterschauspieler bekannte Mark Kelly („I Hate My 30's“) und zu geringeren Teilen, bzw. vor allem gegen Ende des Films, Billy Burke („Drive Angry – Fahr zur Hölle“). Die groß angeführten Kelly Brook („House of 9“), Emma Caulfield (Anya aus „Buffy – Im Bann der Dämonen“) und Elliott Gould („Der Mann aus Metall“), der hier auch noch fälschlich als Elliot Gould vermerkt wird, haben hingegen nur Mini-Auftritte oder bessere Nebenrollen, was angesichts des eher geringen Filmbudgets auch niemanden wirklich verwundern dürfte.

„Removal – Einfach aufgewischt!“ lässt sich genretechnisch dem Psycho- oder Mystery-Thriller zuordnen. Die Mystery-Komponente besteht eigentlich vor allem daraus, was in Coles Kopf vor sich geht, bzw. darin, was eigentlich tatsächlich nur dort seinen Ausgangspunkt besitzt und was vielleicht doch real ist. Es handelt sich um ein Spiel mit den Wahrnehmungsebenen und wer den gesamten Film gesehen hat, der denkt wahrscheinlich sofort an „Fight Club“ und Konsorten. Die Psycho-Thriller-Komponente konzentriert sich hingegen vor allem auf das merkwürdige Verhalten von Henry Sharpe, der mit seinen zweideutigen Äußerungen bei Cole einen schlimmen Verdacht auslöst. Beide Komponenten greifen allerdings ineinander, da sie zusammen die Frage fokussieren, ob Cole aufgrund seines gegenwärtigen Gemütszustandes einfach nur total erschöpft und überreizt ist, oder ob sein Verdacht gegenüber Henry tatsächlich begründet ist. Immerhin erscheint ja auch der finanzielle Anreiz beinahe zu schön, um wahr zu sein.

Diese Konstellation klingt erst mal sehr spannend, der Film präsentiert sich aber leider alles andere als nervenaufreibend. Denn bis Cole überhaupt nur den Job akzeptiert, sind schon mal eben 30 Minuten, also ein Drittel des Films, vergangen. Auch seine Halluzinationen entpuppen sich als völlig unspektakulär und es fällt auch nicht wirklich schwer, sie korrekt einzuordnen. Überhaupt sind laute, plötzliche Geräusche, die Cole regelmäßig aus seinen Tagträumen herausreißen, und die penetrante Musikuntermalung aus seinen Kopfhörern, während er seine Arbeit verrichtet, das Einzige, was den Zuschauer immer wieder abrupt aus dem Halbschlaf der Ereignislosigkeit weckt. Die unbefriedigende Auflösung des Films deutet sich dabei alleine schon aufgrund der zunehmenden Zahl von die Geschichte weiter ausbremsenden Rückblenden bereits mit dem Holzhammer an und dürfte somit Genrefreunde alles andere als überraschen. Leider wird aber diesem Twist am Ende formal und inhaltlich alles untergeordnet, was den Film selbst zu einem misslungenen, weitgehend inhaltlslosen Mindfuck, eben nur um des Mindfucks wegen, degradiert. Zudem hätten das überzogen herablassende Verhalten Henrys gegenüber Cole und dessen stoisch-sklavische Passivität demgegenüber eher das Potential für eine schwarze Komödie besessen.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende Blu-ray hinterlässt technisch einen ordentlichen Eindruck, kann sich aber nicht wirklich auszeichnen. Abgesehen von der eher unspektakulären Machart des Films sticht auch die Detailzeichnung nicht besonders hervor und das Bild erscheint eher etwas glattgebügelt, lediglich Nahaufnahmen von Gesichtern liefern auch mal etwas mehr Bildinformationen. Gerade weiter hinten liegende Ebenen des Bildes wirken aber eher weich und der „Entdeckergeist“ des Zuschauers wird auch nicht gerade gefördert, wenn nicht einmal die Etiketten von Weinflaschen auf einem Tisch ablesbar sind (48:42). Die Farbgebung wirkt hingegen kräftig und natürlich. Auch die Kontrastwerte hinterlassen einen ausgewogenen Eindruck, obwohl weite Teile des Herrenhauses als Hauptspielort eher im Dunkeln liegen. Bildrauschen ist nur in geringem, nicht störendem Ausmaß vorhanden. Die Kompression schwankt bezüglich ihrer Werte zwar teilweise deutlich, wirklich störend macht sie sich allerdings nie bemerkbar. Die vorliegende Blu-ray enthält gleich drei Tonspuren, gerade die deutsche Variante im Format DTS-HD Master Audio 5.1 enttäuscht aber ziemlich. Zwar ist „Removal“ auch nicht gerade ein Film, der mit Soundeffekten und Räumlichkeit protzt, die Abmischung kann jedoch bei dieser Variante nicht wirklich überzeugen. Die Musikuntermalung und teilweise auch die Effekte wurden hier viel zu dominant in den Mix integriert, was die Dialoge nur umso schwächlicher klingen lässt. Weiterhin erscheinen diese teilweise sehr gekünstelt und klingen stark nach Studio, was eben auch in der mangelhaften Abstimmung mit den Soundeffekten begründet liegt. Überhaupt hören sich die Dialoge ziemlich blechern und leicht verzerrt an, so als wäre das entsprechende Mikrofon nicht richtig eingestellt gewesen. Die englische Originaltonspur, ebenfalls im Format DTS-HD Master Audio 5.1, klingt da schon deutlich kräftiger, harmonischer abgemischt und auch natürlicher im Klang.

Auf der Blu-ray befinden sich lediglich ein Trailer zum Film, eine alternative, ziemlich entbehrliche Szene (1:52) und ein vollkommen unkomisches Gag-Reel (4:38) mit verpatzten Szenen. Alle Extras liegen nur in englischer Sprache vor. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Removal – Einfach aufgewischt!“ wirkt eher wie die Fingerübung eines Regiedebütanten, der dabei große Vorbilder zitiert, ohne diese aber auch nur annähernd zu erreichen oder gar in der Lage wäre, eigene Akzente zu setzen. So plätschert die Mischung aus Psycho- und Mysterythriller dann auch weitgehend ereignislos vor sich hin und die ach so clevere Auflösung am Filmende zeichnet sich für halbwegs aufmerksame Zuschauer auch schon recht früh ab. Bezüglich der Bildqualität ist die Blu-ray zufriedenstellend ausgefallen, liefert aber keinerlei Schauwerte und zudem enttäuscht die BD in den Bereichen Ton und Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
90:21 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Englischsprachiger Trailer
  • Alternative Szene
  • Gag Reel
Removal - Einfach aufgewischt! - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Removal - Einfach aufgewischt!
Removal

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Spannungsarmer und ereignisloser Mindfuck ohne Innovationen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Nick Simon
Drehbuch:
Daniel Meersand, Oz Perkins, Nick Simon
Darsteller:
Marc Kelly, Billy Burke, Oz Perkins, Emma Caulfield, Kelly Brook, Elliott Gould, Sharon Omi, Joanna Sanchez

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
19.01.2012