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DVD-Besprechung - Hölle der 1000 Martern

Story:
Am 9. April des Jahres 1865 – dem letzten Tag des amerikanischen Bürgerkriegs – verwundet Soldat O’Meara (Rod Steiger) im Dienste der Südstaaten den Yankee-Lieutenant Driscoll (Ralph Meeker). Nach der Kapitulation der Südstaaten kann sich O’Meara jedoch nicht mit der Niederlage abfinden. Er flieht in den von den Sioux beherrschten Westen des Landes und entsagt fortan dem Leben als Amerikaner. Nach einer Konfrontation mit dem abtrünnigen Indianer-Krieger Crazy Wolve bekommt O’Meara die Chance, sein Leben zu retten, indem er bei dem Ritual „Flug des Pfeils“ barfuss seinen Verfolgern entkommen muss. Während der Flucht wird der ohnmächtige O’Meara von Yellow Moccasin gerettet und heimlich in deren Dorf gebracht. Nach O’Mearas Genesung heiraten die beiden. Als Scout für die Sioux trifft O’Meara später erneut auf seinen alten Erzfeind Lieutenant Driscoll. Welches Herz schlägt nun aber wirklich in O’Mearas Brust, das eines Sioux-Kriegers oder das eines Amerikaners?

Meinung zum Film:
„Die Hölle der 1000 Martern“ erzählt von dem Schicksal des Soldaten O’Meara (Rod Steiger, „End of Days“), der nicht weiß, wo seine Heimat ist und nicht länger spürt, wo er hingehört. Mit dem Ende des Krieges ist auch das lebenslange Feindbild des Soldaten verschwunden. Zurück in seiner Heimatstadt kann O’Mearas aufgestauter Hass auf die konföderierten Staaten und dessen Präsidenten Lincoln aber selbst von der eigenen Mutter (Olive Carey, „Billy the Kid vs. Dracula“) nicht nachvollzogen werden, die dem Kriegsende viel aufgeschlossener gegenüber steht und sogar eine Chance darin sieht. Dies ist auch der Grund, warum O’Meara alle Brücken hinter sich abbricht und eine neue Heimat bei den Sioux sucht, die zumindest den Hass auf den Feind, also die siegreichen Nordstaaten, mit ihm teilen. Aber auch das Volk der Sioux kann sich dem Wandel nicht entziehen. Die Stammesältesten stehen in Verhandlungen mit den amerikanischen Anführern, um im Gegenzug für Unabhängigkeit und Freiheit Land für die Erbauung neuer Forts abzutreten. Spiegelbildlich zu O’Mearas Figur stellt Regisseur und Drehbuchautor Samuel Fuller hier den rebellischen Krieger Crazy Wolf (H.M. Wynant, „Footprints“) geschickt in Szene, der ebenfalls mit den Veränderungen der Zeit nicht klarkommt und lieber an dem Bild festhält, dass jeder weiße Mann der Feind sein muss.

Dem Film sieht man natürlich unweigerlich sein stolzes Alter von immerhin 55 Jahren an. Dabei ist gar nicht einmal in erster Linie das verschleißte Bild gemeint, das für eine DVD-Veröffentlichung zumindest eine digitale Aufarbeitung und Restaurierung vertragen hätte, sondern vielmehr die Art und Weise der Schauspieler, die Figuren des Films darzustellen. Aus heutiger Sicht wirken zum Beispiel die übertrieben theatralischen Todesszenen fast schon belustigend. Die Hauptrollen der Indianer sind zudem durchweg nicht mit echten Native Americans besetzt, sodass den Akteuren natürlich die dunkel geschminkte Haut deutlich anzusehen ist. Einzig dem seinerzeit noch sehr jungen Charles Bronson („Chatos Land“) nimmt man die Figur des Sioux-Häuptlings Blue Buffalo ab. Auch die auffällige Erzählweise und die eigenwilligen Schnittfolgen der Bilder, die beinahe wie losgelöste Einzel-Impressionen wirken, wären in einem Film heutiger Zeit in dieser Art und Weise nicht mehr denkbar. Aber vielleicht machen gerade diese Aspekte – auch im Zusammenspiel mit dem sehr themenlastigen Soundtrack von Victor Young („In 80 Tagen um die Welt“), der abhängig vom gezeigten Bild im Sekundentakt zwischen Yankee-Doodle und Indianer-Musik wechselt, den nostalgischen Reiz des Filmes aus.

Der groß hervorgehobene Charles Bronson spielt lediglich eine kleine Nebenrolle. Die zu Unrecht in zweiter Reihe genannten Rod Steiger und Brian Keith („Follow Your Heart“) liefern hingegen eine sehr gute Leistung ab. Das eigentliche Thema des Films wird von Regisseur Samuel Fuller immer wieder in den Fokus gerückt. Zu nennen ist hier die Szene als O‘Meara kurz davor steht ein echter Sioux zu werden. Dieser Ritus soll besiegelt werden, indem er sein Blut mit dem der Indianer vermischt. In dem hier angelegten Dialog zwischen dem Häuptling Blue Buffalo und O’Meara wird sehr schön skizziert, dass die Unterschiede – zum Beispiel im Glauben und dessen Bedeutung – objektiv betrachtet zwischen Amerikanern und Indianern gar nicht mal so groß ausfallen. Erst die eigene Einstellung im Herzen eines Menschen lässt Unterschiede entweder nichtig oder aber unüberwindbar erscheinen. Die eigentliche Auflösung dieser Frage geschieht im Film dann aber sehr abrupt und für den Geschmack mancher Zuschauer vielleicht etwas zu einseitig.


Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt oft sehr verwaschen und ist mit Bildfehlern überhäuft. Die Farben wirken häufig zu grell, unecht und überzogen, was aber wohl der damaligen Farbtechnik geschuldet ist. Der Schwarzwert und Kontrast kann aufgrund des alten Originalmaterials nicht wirklich beurteilt werden. Sowohl der deutschsprachige als auch englischsprachige Ton liegen abweichend von den Angaben auf dem Cover lediglich in Mono vor. Die deutsche Tonspur klingt dabei ziemlich blechern. Während in der deutschen Version aber überhaupt keine Bässe zu hören sind, wirkt die englische Tonspur um einige Hertz tiefer und lässt zumindest andeutungsweise einen Bass erkennen.

Die auf dem Cover angegebene Laufzeit von circa 85 Minuten bezieht sich auf die separat enthaltene englischsprachige Langversion des Films. Diese ist aufgrund fehlender Untertitel aber nur für Zuschauer mit guten Englischkenntnissen geeignet. Der deutschsprachige Hauptfilm hat hingegen lediglich eine Länge von rund 75 Minuten. Die DVD verfügt über ein Wendecover.

Fazit:
„Die Hölle der 1000 Martern“ ist ein nostalgisches Wild-West-Drama mit nachdenklich stimmender Botschaft, das durchaus sehenswert ist und später Vorbild für den Erfolgsfilm „Der mit dem Wolf tanzt“ gewesen sein könnte. Lediglich die schlechte technische Aufarbeitung und die, abgesehen von der englischen Langfassung, fehlenden Extras schmälern den Filmspaß für Sammler ungemein. Auch die Falschangaben auf der DVD-Hülle sind ziemlich ärgerlich und irreführend.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,33:1
1,33:1
75:10 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Englisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Englischsprachige Langversion des Films (ca. 85 Minuten)
Hölle der 1000 Martern - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hölle der 1000 Martern
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Bild unseres Mitarbeiters Michael Gick
Nostalgie-Kino mit tiefschürfender Botschaft


Autor der Besprechung:
Michael Gick

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1957
Regie:
Samuel Fuller
Drehbuch:
Samuel Fuller
Darsteller:
Rod Steiger, Sara Montiel, Brian Keith, Ralph Meeker, Jay. C. Flippen, Charles Bronson, Olive Carey, H.M. Wynant, Neyle Morrow, Frank DeKova, Tim McCoy, Stuart Randall, Frank Warner

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
19.01.2012