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MädelsabendSchneewittchen und die sieben Zwerge (Diamond Edition)Auf der Suche nach Heilern

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DVD-Besprechung - Das 10. Königreich

Story:
Die junge Kellnerin Virginia Lewis (Kimberly Williams-Paisley) lebt zusammen mit ihrem Vater Tony (John Larroquette), einem Hausmeister, mitten in New York. Eines Tages läuft ihr jedoch im Central Park der mittlerweile von der bösen Königin (Dianne Wiest) in einen Hund verzauberte Prinz Wendell (Daniel Lapaine), angehender Herrscher des 4. Königreichs, über den Weg. Dieser konnte sich nämlich gerade noch per Sprung durch das Zauberspiegel-Portal vor den drei Kindern des mit der Königin verbündeten Trollkönigs Relish (Ed O`Neill), Blabberwort (Dawnn Lewis), Burly (Hugh O`Gorman) und Blue Bell (Jeremiah Birklett), retten. Virginia muss bald erkennen, dass ihre Welt, das 10. Königreich, nur eine Ebene der Realität darstellt, und landet bald selbst in der märchenhaften Welt der anderen neun Königreiche, von denen fünf einst von Rapunzel, Gretel, Rotkäppchen, Aschenputtel und Schneewittchen beherrscht wurden. Und das Geschlecht der letzteren, inklusive Wendell, trachtet die böse Königin zu vernichten, bemächtigt sich zu diesem Zweck ihrer fünf magischen Spiegel und auch Virginia gerät schließlich auf ihre Abschussliste und soll von Wolf (Scott Cohen), halb Mensch, halb Raubtier, ausgeschaltet werden.

Meinung zum Film:
„Das 10. Königreich“ ist eine amerikanisch-britisch-deutsche TV-Produktion von „Hallmark Entertainment“, „Carnival Films“ und „Babelsberg Film und Fernsehen“ aus dem Jahr 2000. Die Produktion besteht aus fünf Teilen mit einer Laufzeit von jeweils 85-86 Minuten, was eine Gesamtlaufzeit von knapp über sieben Stunden ergibt, und ist im Fantasy-Genre, mit deutlichen Märchen-Anleihen, angesiedelt. „Hallmark Entertainment“ war in diesem Bereich längere Zeit sehr rege und verbriet für TV-Verhältnisse recht stolze Budgets, auch hier waren es rund 44 Millionen US-Dollar, in diversen, mehrteiligen Großproduktionen wie „Gullivers Reisen“, „Kampf der Kobolde“ oder „Die Unicorn und der Aufstand der Elfen“. Im Juni 2010 war die Firma allerdings finanziell am Ende, firmiert mittlerweile als „RHI Entertainment“ und agiert mit leicht veränderten Geschäftsstrategien und Schwerpunkten. Die vorliegende Reihe erschien im Dezember 2001, damals noch von Warner, erstmals als deutsche DVD-Veröffentlichung, war aber schon seit einiger Zeit vergriffen und dementsprechend nur noch zu horrenden Preisen verfügbar. Eine angedachte Fortsetzung unter dem Titel „House of Wolves“ wurde nie realisiert, allerdings existieren auch heute noch diverse Online-Petitionen, die ein solches Projekt unterstützen.

Das zugehörige Drehbuch von „Das 10. Königreich“ entpuppt sich leider schnell als alles, nur eben nicht phantasievoll. Vielmehr bedienten sich die Macher freigiebig bei Literatur-/Kinderbuchklassikern wie „Der Zauberer von Oz“, Märchen der Gebrüder Grimm, wie z.B. „Schneewittchen“, oder „Aschenputtel“, und typischen Fantasy-Charakteren, wie beispielsweise Trollen und Elfen. Das alles mischten sie in einen großen Topf, fügten noch eine ordentliche Portion Moderne bzw. Realitätsbezug in Form des 10. Königreichs hinzu und verfeinerten das Ganze schlussendlich mit einer ordentlichen Prise Humor zu einem mehr oder weniger familienfreundlichen Gesamtwerk für einige unbeschwerte TV-Abende. Was dabei leider auf der Strecke blieb waren die Originalität, liebenswerte Charaktere, eine durchgehend packende Handlung und eine handwerklich adäquate Umsetzung einer solch episch angelegten Fantasy-Welt, die hier lediglich in Klischees ertrinkt. Bereits mit den Hauptcharakteren bzw. deren Darstellern sammelt der Mehrteiler reichlich Minuspunkte. So ist die „Heldin“ Lewis für eine zweite „Alice im Wunderland“ bereits deutlich zu alt. Es mangelt Kimberly Williams-Paisley („Vater der Braut“) hier aber nicht nur an kindlichem Charme, sondern auch an schauspielerischer Ausdrucksfähigkeit. Der TV-Komiker John Larroquette („Harrys wundersames Strafgericht“), als Virginias Vater, dient hingegen offensichtlich vor allem als sprücheklopfender Sidekick und wirkt darstellerisch auch eher so, als würde er hier auf der Suche nach einem bequemen Sofa durch eine Sitcom stolpern. Ein absoluter Tiefpunkt der Produktion ist allerdings Wolf, alias Scott Cohen („Gilmore Girls“), der hier grauenhaftes Overacting betreibt und vor allem von der Frage angetrieben wird, ob er Virginia lieber fressen oder lieben soll, womit auch bereits der Weg für etwas Romantik, zugegebenermaßen in eher ungewöhnlicher Form, bereitet wird. Dianne Wiest („Footloose“) ist zudem nur eine äußerst mäßige Gegenspielerin, da sie ihre Kühle und Unnahbarkeit dermaßen kultiviert, dass sie eher spröde als bedrohlich wirkt. Kleinere Gastauftritte von Stars wie Ed O`Neill („Eine Schrecklich nette Familie“), unter einer beinahe unkenntlich machenden Maskerade, oder Rutger Hauer ("Blade Runner") bleiben lediglich Randnotizen.

Eher ungewöhnlich für einen Fantasyfilm ist auch der weitgehende Verzicht auf Actionszenen und jede Form von Mantel-und-Degen-Einlagen. Stattdessen gehen die Herrschaften hier lieber viel zu Fuß, denn diese geruhsame Erzählweise lässt sich natürlich auch viel besser auf rund 425 Minuten auswalzen. Klischeehaft sowie repetitiv sind auch die ständigen Verfolgungsjagden, Gefangennahmen und nachfolgenden Ausbrüche aus eben jener Zwangslage. Auch die weitgehend selbstzweckhafte Jagd nach einem McGuffin, hier in Form eines Zauberspiegels, darf natürlich nicht fehlen. Einfallsloser geht es kaum. Leider reißt aber auch die visuelle Umsetzung der fantastischen Welten niemanden vom Hocker. Das gilt heute in Zeiten von „Der Herr der Ringe“ und Co. natürlich besonders, aber auch bezüglich der Entstehungszeit, da hier 80er-Jahre-Fantasyfilme aus Hollywood wie „Der dunkle Kristall“, „Legende“ oder „Die Reise ins Labyrinth“ nicht einmal annähernd erreicht werden. Vielmehr positionieren sich die Masken der Fantasy-Kreaturen, wie z.B. die der ständig tollpatschig auftretenden Trollkönigszöglinge oder von „Schleimgesicht“, irgendwo zwischen Kinder-Karneval und alten russischen Märchenfilmen. Auch die Computertricks, künstlichen Hintergründe, Bluescreen-Aufnahmen oder Magie-Effekte wirken in ihrer Umsetzung bezüglich der Kreativität schlicht bis lieblos. Technisch wirken sie heute mehr denn je antiquiert. Jeglicher Anflug von Fantasy-Stimmung wird aber auch immer wieder durch den eher kindlichen bis pubertären Humor der Produktion zerstört. Beispielsweise werden diesbezüglich immer wieder „moderne“ Songs wie „Night Fever“ eingebaut, bei denen sich dann z.B. die Trolle durch peinliche Tanzeinlagen zum Affen machen müssen, oder singende Fliegenpilze bzw. sogar Ringe auftreten, die in ihrer visuellen Umsetzung und akustischen Quäkerei an aktuelle Werbespots für Handy-Klingeltöne erinnern. Es bleibt sowieso die Frage in welcher Form das immense Budget eigentlich verpulvert wurde, denn außer einem kurzen Abstecher ins 9. Königreich ist von den anderen Königreichen voller Riesen, Zwergen und Elfen eigentlich nichts zu sehen. Vielmehr dominieren bei fast allen Sets, die z.B. auch eine Art „Schlösser-Reise“ durch Europa beinhalten, größere Ansammlungen mittelalterlich kostümierter Statisten.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegenden DVDs sind definitiv kein einfaches Repack, ob diese Neuauflage allerdings bildtechnisch überarbeitet wurde, kann ohne den Besitz der alten DVDs wohl nicht hundertprozentig geklärt werden. Während nämlich auf der entsprechenden Homepage von Koch Media keine weiteren Details zu diesem Thema auszumachen sind, wird auf dieser direkt von Koch verlinkten Seite u.a. mit dem Prädikat „neu abgetastet“ geworben. Bei näherer Sichtung der DVDs wirkt allerdings Variante 1, ohne Neuabtastung, wahrscheinlicher. So oder so wirkt die technische Qualität der vorliegenden Veröffentlichung, im originalen Vollbildformat, für eine etwa 12 Jahre alte TV-Serie durchaus jedoch ordentlich, aber keineswegs herausragend. Das Bild erscheint insgesamt leider etwas weich und es mangelt ihm an einer feineren Detailzeichnung. Auch die Kompressionswerte (meistens in Bereichen von 5-7 Mbps) bewegen sich für heutige Verhältnisse nur noch auf durchschnittlichem Niveau und sorgen für ein etwas unruhiges, leicht waberndes Bild. Der etwas zu steil geratene Kontrast, mit einigen Überstrahlungen, und die etwas ausgeblichen anmutenden Farben, sorgen gerade bezüglich einer Fantasy-Produktion allerdings insgesamt für einen etwas kraftlos wirkenden Auftritt und erinnern eher an 80er-Jahre-Produktionen. Dafür wirkt die Vorlage allerdings weitgehend sauber und beinhaltet nur seltene, minimale Verschmutzungen. Bildrauschen ist in durchaus wahrnehmbaren Ausmaß vorhanden, wirkt aber nie wirklich störend. Beide Tonspuren, die deutsche Synchron- und die englische Originalfassung, liegen im DD-5.1-Format vor, hier hat sich also gegenüber älteren Auflagen, auch im Ausland, definitiv etwas geändert, da die Originaltonspur bisher abweichend immer nur im DD-2.0-Format vorlag. Insgesamt fallen allerdings beide Tonspuren eher frontlastig aus, großartige Actionsequenzen gibt es auch nicht, und räumliche Effekte werden eher dezent eingebaut. Die gute Verständlichkeit und harmonische Abmischung können jedoch insgesamt durchaus überzeugen.

Das Bonusmaterial ist ziemlich enttäuschend ausgefallen und befindet sich komplett auf der dritten DVD, bietet aber immerhin durchgehend deutsche Untertitel. Den Anfang macht ein wenig erhellendes und ziemlich werbelastiges Making Of (20:17), das auch viele Filmszenen enthält. Die Informationen zu den Locations, Spezialeffekten und Kostümen fallen hingegen eher spärlich aus. Es folgen die vier thematisch abgegrenzten Kurz-Features „Idee und Vision“ (3:59), „Ausstattung“ (2:04), „Production Design“ (4:56) und „Visual Effects“ (5:30), die allerdings aufgrund ihres beschränkten Umfangs und fehlenden Tiefgangs auch nicht gerade zu Jubelstürmen animieren. Den Abschluss bilden sechs absolut entbehrliche Kurz-Interviews, mit einer Gesamtlaufzeit von nur 16:29 Minuten, in denen die Hauptdarsteller, und die Trainerin des Filmhundes, lediglich kurze Statements zu ihren Rollen abgeben. Die Veröffentlichung wird in einem optisch recht unspektakulären Digipak im Schuber ausgeliefert. Das FSK-Logo befindet sich auf dem Schuber und scheint ablösbar zu sein.

Fazit:
„Das 10. Königreich“ ist eine inhaltlich ziemlich albern, einfallslos und schläfrig anmutende Kombination aus Märchen und Fantasy, die mit eher kindlichem Humor sowie seichten Inhalten auf Familientauglichkeit getrimmt wurde, und in der handwerklichen bzw. visuellen Umsetzung trotz des recht großzügigen Budgets eher billig anmutet. An liebenswerten Charakteren, intelligent-humorvollen Dialogen, starken schauspielerischen Leistungen und phantasievollen Einfällen mangelt es zudem an allen Ecken und Enden. Technisch macht die Veröffentlichung einen ordentlichen aber keinesfalls hervorstechenden Eindruck, während das Bonusmaterial auf ganzer Linie enttäuscht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
424:50 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Idee und Vision
  • Ausstattung
  • Production Design
  • Visual Effects
  • Statements zu den Rollen
Das 10. Königreich - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das 10. Königreich
The 10th Kingdom

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Erzählerische Einfalt und handwerkliche Unzulänglichkeiten - Fantasy- und Märchenwelt zum Abgewöhnen


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA / Großbritannien / Deutschland, 2000
Regie:
David Carson, Herbert Wise
Drehbuch:
Simon Moore
Darsteller:
Kimberly Williams-Paisley, Scott Cohen, John Larroquette, Dianne Wiest, Daniel Lapaine, Ed O'Neill, Dawnn Lewis, Hugh O'Gorman, Jeremiah Birkett, Rutger Hauer

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
17.02.2012