Partner von Entertain Web Splashmovies auf Facebook
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
Suits - Staffel 1Im weißen Rössl - Wehe du singst!Das kleine Gespenst

In der Datenbank befinden sich derzeit 4.673 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Blu-ray-Besprechung - Ekel

Story:
Carol (Catherine Deneuve) arbeitet als Maniküre in einem Schönheitssalon. Sie bewohnt zusammen mit ihrer älteren Schwester Helen (Yvonne Furneaux), beide stammen eigentlich aus Brüssel, ein geräumiges Apartment in London. Während Helen fest mit Michael (Ian Hendry) liiert ist, der auch häufig in der Wohnung übernachtet, wird Carol von Colin (John Fraser) umschwärmt. Carols Psyche ist jedoch erheblich aus dem Gleichgewicht, sie hat große Angst vor Männern und verliert sich zunehmend geistesabwesend in ihren Tagträumen. Als Helen und Michael verreisen bleibt Carol allein zurück und die Dinge laufen immer stärker aus dem Ruder. Als Colin liebestrunken beginnt Carol immer stärker zu bedrängen gerät diese in Panik, mit katastrophalen Folgen für alle Betroffenen.

Meinung zum Film:
„Ekel“ erschien erstmals im August des Jahres 2004 als deutsche DVD, damals noch bei MC One und zwar mit einer Altersfreigabe erst ab 18 Jahren. Es folgte im Januar 2010 eine Veröffentlichung innerhalb der SZ Cinemathek mit der gleichen Freigabe. Beide Veröffentlichungen enthielten fast gar kein Bonusmaterial. Mittlerweile wurde der Film auf eine FSK 16 heruntergestuft und erscheint jetzt, Ende April 2012, als 3-Disc-Special-Edition des Labels Pierrot Le Fou. Diese Veröffentlichung enthält eine Blu-ray-Fassung des Films, eine DVD-Fassung des Films und eine gesonderte DVD mit weiterem Bonusmaterial. Der Schwarz-Weiss-Film „Ekel“ war das erste komplett englischsprachige Werk des polnisch-französischen Starregisseurs Roman Polanski („Chinatown“), der kurz zuvor mit „Das Messer im Wasser“, der parallel von Pierrot Le Fou als DVD wiederveröffentlicht wird, erstmals auf sich aufmerksam machte. Polanski, der auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, hatte dabei fortwährend mit einem sehr knappen Budget zu kämpfen, das nach heutigen Maßstäben von anfänglich veranschlagten 22000 Euro schließlich bis auf immer noch vergleichsweise bescheidene über 130000 Euro anschwoll. Die französische Hauptdarstellerin Catherine Deneuve („Die Frau mit den roten Stiefeln“), eine der bedeutendsten europäischen Schauspielerinnen überhaupt, war zu dieser Zeit noch kein wirklicher Star und erlebte mit dieser Rolle vielleicht ihren entscheidenden Durchbruch. Das kann wohl in Bezug auf ein internationales Publikum auch für Polanski gesagt werden, der mit diesem Titel auf der Berlinale 1965 auch den Silbernen Bären errang.

„Ekel“ ist der erste Teil von Polanskis „Mieter“-Trilogie, es folgten „Rosemaries Baby“ (1968) und „Der Mieter“ (1976). Es handelt sich bei dem Titel im London der Swinging Sixties um einen schwer zu kategorisierenden Mix aus Psycho-Thriller, Charakterstudie, Außenseiterdrama und bebildertem Krankheitsverlauf, der mit Stilmitteln des Horrorfilms angereichert wurde. Dabei trifft der Originaltitel „Repulsion“, im Sinne von Abstoßung oder Abneigung, den Nagel deutlich besser auf den Kopf als der deutsche Titel „Ekel“. Die Hauptfigur Carol aus deren Perspektive die gesamte Geschichte erzählt wird, ist nämlich psychisch schwer angeschlagen und wandelt im weiteren Filmverlauf zunehmend am Rande der Schizophrenie, was allerdings scheinbar niemand wirklich wahrnimmt. Ihr Alltag besteht neben der Arbeit im Schönheitssalon vor allem aus Tagträumereien und der Zeit, die sie in der äußerst weitläufigen Wohnung mit ihrer Schwester verbringt. Carols Lebenswelt wird dabei ausführlich thematisiert, was zu einem eher gemächlichen Einstieg in die filmische Materie mit langen Kameraeinstellungen führt. Mit fortlaufender Spielzeit spitzt sich Carols Situation jedoch immer weiter zu und endet in einem dramatischen Finale. Von enormer Konsequenz für Carols Wahrnehmung sind dabei zwei zentrale Handlungselemente. Da ist zum einen die bevorstehende Urlaubsreise ihrer Schwester Helen mit ihrem Freund Michael, den sie überhaupt nicht leiden kann und nicht in ihrer Nähe haben möchte. Zum anderen besitzt Carol mit Colin einen eigenen Verehrer, dessen sportlicher Ehrgeiz und jugendlich anmutende Ungeduld bei seinen Eroberungsversuchen Carol zunehmend unter Druck setzen. Hinzu kommt, dass sie durch ihre mit Tratsch älterer, teils verbitterter Frauen durchsetzte, tägliche Arbeit im Salon sowie die Erfahrungen mit Michael, der ihr ihre Schwester streitig macht, insgesamt einen ziemlich großen Widerwillen gegenüber Männern entwickelt hat.

Als Helen schließlich abgereist ist kommt es somit zu einer „Abstoßung in die Isolation“. Der in Carols Wahrnehmung immer bedrohlicher erscheinende Alltag, und ihr zunehmendes Abgleiten in ferne Traumwelten, führt zu einem fortschreitenden Rückzug in ihre weitläufige Wohnung und dem Ignorieren von Umweltreizen. Catherine Deneuve liefert dabei ein Meisterstück ab und verortet ihren Charakter irgendwo zwischen krankhafter Entrücktheit, sinnlicher Unschuld, innerer Unruhe und der Abkehr von rationalen Entscheidungsmustern. Die Wohnung engt sie dabei, trotz ihrer Größe, zunehmend ein und Carol wird von Halluzinationen z.B. in Form angedeuteter Vergewaltigungsfantasien gequält, während sich die Risse in ihrer eigenen Realität auch in den Wänden der Wohnung materiell manifestieren. Hier arbeitet Polanski auch immer wieder mit klassischen Elementen des Psycho-Thrillers und Schock-Momenten aus dem Horror-Genre, die innerhalb mehrerer Eskalationsstufen verlaufen und auch surrealistische Züge beinhalten. Aufgrund der sehr subtilen akustischen Untermalung des Films, der präzisen Kameraführung und der effektiv visualisierten Albträume werden selbst einfachste Umweltreize, wie z.B. ein klingelndes Telefon, für Carol, und somit aufgrund der Perspektive des Films auch für den Zuschauer, zu einer nervenzerfetzenden Erfahrung. Gegen Ende des Films mündet Carols überbordende Schizophrenie, die sich vor allem aus den Nachstellversuchen von Colin speist, schließlich in panische Abwehrreaktionen und eine große Tragödie.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende Blu-ray basiert auf dem von Roman Polanski abgenickten Master der amerikanischen BD aus der Criterion Collection, die im Juli 2009 erschien und einen aufwendig digital restaurierten nativen Full-HD-Transfer des Schwarz-Weiss-Films enthielt. Besonders im direkten Vergleich zur ebenfalls beiliegenden DVD-Fassung des Hauptfilms (100:23) ergeben sich hier deutliche Qualitätsunterschiede, zumal die DVD offensichtlich auf einem älteren Transfer basiert. Während nämlich die BD-Vorlage einen erstaunlich sauberen Eindruck hinterlässt, weist die DVD-Fassung zahlreiche Verschmutzungen, kleinere Defekte wie z.B. Kratzer und Laufstreifen auf. Während die BD zwar über eine relativ starke Körnung verfügt, aber auch mit einer entsprechend angenehmen Bildschärfe und guten Durchzeichnung im Detail überzeugen kann, ist die DVD-Fassung längst nicht so rauschintensiv, wirkt aber auch in nachbehandelter Manier glattgebügelt und dementsprechend deutlich detailärmer. Weiterhin weist der Bildstand der DVD leichte Unruhen auf, was bei der Blu-ray offensichtlich ebenfalls weitgehend behoben wurde. Die Kontrast- bzw. Schwarzwerte beider Versionen hinterlassen einen relativ guten Eindruck, die BD-Fassung wirkt hier aber insgesamt doch etwas intensiver auch wenn es beim Kontrast zu leichten Überstrahlungen kommt. Die Blu-ray enthält gleich vier Tonspuren, je eine deutsche und englische im PCM-2.0-Format und im DD-2.0-Format. Auf der DVD befinden sich hingegen eine deutsche und englische Tonspur im Format DD 2.0. Optionale deutsche Untertitel finden sich auf beiden Datenträgern. Besonders die PCM-Tonspuren klingen erstaunlich klar, ausgewogen sowie harmonisch abgemischt und wurden offensichtlich ebenfalls einer erfolgreichen Frischzellenkur unterzogen, was sich gerade bei einem Film wie „Ekel“, der auch stark von seiner Akustik lebt, äußerst Atmosphäre fördernd auswirkt.

Die Veröffentlichung wird als Digipak in einem stabilen Schuber ausgeliefert, beide ohne FSK-Kennzeichnung. Enthalten sind insgesamt drei Datenträger, die Film-Blu-ray, die Film-DVD und eine Bonus-DVD, die sowohl BD- als auch DVD-Anhänger gleichermaßen zufriedenstellen sollen. Auf der Film-BD befinden sich zwei englische Kinotrailer, einer davon deutsch untertitelt, und ein Audiokommentar von Regisseur Roman Polanski und Hauptdarstellerin Catherine Deneuve. Dieser befindet sich natürlich auch auf der Film-DVD. Der Audiokommentar beinhaltet leider keine zuschaltbaren Untertitel. Er ist zwar grundsätzlich auch ohne überragende Englisch-Kenntnisse relativ gut zu verstehen, aufgrund von Polanskis etwas spröder und lebloser Vortragsweise sowie Deneuves französischem Akzent, allerdings teilweise auch etwas anstrengend zu verfolgen. Es gibt auch keinerlei Überschneidungen der beiden Sprecher oder Reaktionen auf die Äußerungen des anderen, auch wenn diese natürlich thematische Bezüge aufweisen. Es scheint so als wären beide Sprecher getrennt aufgenommen und erst später auf einer Kommentarspur vereint worden, was einen etwas künstlichen Eindruck erweckt, obwohl die Anordnung der Äußerungen grundsätzlich handwerklich homogen wirkt. Inhaltlich ist dieser Audiokommentar aber über jeden Zweifel erhaben und besonders Polanski gewährt viele interessante Einblicke in die Entstehung und Komposition des Films, was z.B. Bereiche wie die Filmmusik, Soundeffekte, die Kameraführung, die Locations, oder (budget-)technische Einschränkungen abdeckt. Zudem wirkt der Kommentar zu jeder Zeit sehr szenenbezogen und keineswegs unspezifisch. Auf der Bonus-DVD findet sich zunächst das deutsch untertitelte Feature „A British Horror Film“ (23:46), das aus dem Jahr 2003 stammt und eine Art Making Of darstellt. Auch hier gibt es wieder einige interessante Hintergrundinformationen zum Film, wie z.B. bezüglich der ständigen Probleme mit dem viel zu knappen Budget, und neben Polanski kommen auch noch der Produzent Gene Gutowski und der Kameramann Gilbert Taylor („Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“) zu Wort. Es folgt ein kurzes Interview aus dem Jahr 2010 mit dem Ersatz-Kameramann Stanley Long (8:23), ebenfalls deutsch untertitelt, der Gilbert Taylor in den letzten drei Wochen des Drehs aus Kostengründen ersetzte und nach eigener Aussage etwa 15% der Kameraarbeit zum Film bestritt. Außer ein paar kleinen Anekdoten von den Dreharbeiten gibt es hier allerdings nicht viel zu entdecken. Der bereits erwähnte untertitelte Kinotrailer der Film-BD findet sich ebenfalls auf der Bonus-DVD.

Fazit:
„Ekel“ ist ein frühes Werk von Roman Polanski das sich mit der vorliegenden Edition für eine neuerliche Sichtung empfiehlt. Der dramatisch verlaufende Psycho-Thriller mit horrorähnlichen Schockmomenten ist gleichzeitig auch eine effektive Charakterstudie, die das Abgleiten der Hauptfigur in den Wahnsinn thematisiert und Catherine Deneuve somit die Plattform für eine herausragende schauspielerische Darbietung bietet. Technisch sah der Film in der Blu-ray-Variante niemals besser aus und enthält nun endlich auch adäquates Bonusmaterial zum Film, das deutschen Käufern bisher nicht zugänglich war.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
Blu-ray-Fassung:
105:18 Minuten

DVD-Fassung:
100:23 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
Linear PCM 2.0
Linear PCM 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Linear PCM 2.0
Linear PCM 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Roman Polanski und Catherine Deneuve
  • Kinotrailer
  • "A British Horror Film"
  • Interview mit Kameramann Stanley Long
Ekel - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ekel
Repulsion

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Wenn Tagträumereien in albtraumhaften Wahnsinn münden


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1965
Regie:
Roman Polanski
Drehbuch:
Roman Polanski, Gérard Brach, David Stone
Darsteller:
Catherine Deneuve, Yvonne Furneaux, John Fraser, Ian Hendry, Patrick Wymark, Renee Houston, Valerie Taylor, Helen Fraser, James Villiers

Label Deutschland :
Pierrot Le Fou
Verkaufsstart Deutschland :
27.04.2012