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Blu-ray-Besprechung - Der Kindermörder

Story:
Albert Fish (Patrick Bauchau) versteckt hinter der Fassade des netten grauhaarigen Herrn ein grausames Doppelleben. Von religiösen Wahnvorstellungen und gewalttätigen Kindheits-Erinnerungen an ein Waisenhaus getrieben, in dem brutale Züchtigungen quasi zur Tagesordnung gehörten, entwickelt Fish ein morbides Verlangen nach kindlichem Menschenfleisch. Als der Serienkiller auf der Suche nach einem neuen Opfer unverhofft auf die kleine Grace Budd stößt, setzt er alles daran, das minderjährige Mädchen in seine Gewalt zu bringen. Zur gleichen Zeit wird Detective Will King (Jack Conley) auf eine Serie ungeklärter Mordfälle angesetzt. King hat sich auf dem noch in den Kinderschuhen befindlichen Gebiet der Fingerabdruckanalyse spezialisiert. Wird es ihm gelingen, Albert Fish dingfest zu machen, bevor es noch mehr unschuldige Opfer gibt?

Meinung zum Film:
Regisseur Scott L. Flynn will mit seinem Erstlingswerk “Der Kindermörder” nach dem Drehbuch von den Autorenneulingen Lee Fontanella und Colleen Cochran die Geschichte des wahren Hannibal Lecters erzählen – so bewirbt es jedenfalls das Cover der BD. Leider gelingt ihm das nur sehr oberflächlich, da er sich allzu häufig in tristen Nebenhandlungen und Unwichtigkeiten verliert, anstatt den Schwerpunkt seines Films wirklich auf Albert Fishs psychische Störung und deren Ursache zu legen. In „Der Kindermörder“ wird nicht ansatzweise angeführt, dass Albert Fish aus einer Familie stammte, in der bereits sieben Fälle schwerer geistiger Störung bekannt waren. So starben zwei seiner Onkel in psychiatrischen Einrichtungen, die Mutter litt an schweren Halluzinationen, eine Schwester verfiel dem Wahnsinn und ein Bruder dem Alkohol. Obwohl Fish vor seiner Hinrichtung selbst aussagte, dass ihn die gewalttätigen Übergriffe der Pfleger in dem Kinderheim, in dem er seine früheste Jungend verbracht hatte, sexuell erregt hätten (und somit ein Indiz für seine sadomasochistischen und sadistischen Neigungen waren), unterstellt Flynn in seinem Film dem Serienmörder eher religiöse Motivationen und christlich fundamentalistischen Größenwahn in Form von Eigenpersonifizierungen als Jesus Christus, die historisch jedoch nicht belegt sind. Auch Fishs homosexuelle Ambitionen und seine Präferenz für junge männliche Opfer werden nicht näher von Flynn in seinem Film beleuchtet. Stattdessen widmet sich das Werk im Schwerpunkt der Entführung der kleinen Grace Budd (Lexi Ainsworth, „Nice Guys Finish Last“).

Mit dem sehr gelungenen Auftakt des Films in Form einer virtuos inszenierten Parallelmontage zwischen Albert Fishs Selbstgeißelungen und den Erinnerungen an die gewalttätigen Übergriffe im Kinderheim seiner Jugendzeit werden beim Zuschauer sehr hohe Erwartungen geweckt. Leider wird dieses Niveau nicht gehalten, weil das Drehbuch eine gewisse Stringenz vermissen lässt. So beginnt der Film mit einem Monolog von Albert Fish aus dem Off, als würde das Geschehen aus dessen Sicht erzählt, zumal die eingeblendeten handschriftlichen Einträge eine Erzählung aus dessen Tagebuch nahelegen. Als brutalen Stilbruch nimmt der Zuschauer es dann wahr, wenn plötzlich – ohne Vorwarnung – die Ereignisse aus Sicht des Polizisten Will King (Jack Conley, „From the Head“) weitererzählt werden. Dessen Stimme ertönt ebenfalls aus dem Off und erinnert dabei unpassender Weise auch noch an einen Philip Marlowe. Zeitliche Lücken im Handlungsstrang sind vom Drehbuch ebenfalls nicht sauber genug herausgearbeitet, sodass es dem Zuschauer an manchen Stellen entgeht, dass das Gezeigte mittlerweile sechs Jahre später spielt. Unglücklicherweise beißt sich Regisseur Flynn zudem unangemessen lange an Nebensächlichkeiten fest, bevor er auf den Punkt kommt. So wird zum Beispiel in einer umständlichen Szene mit viel Dialog enthüllt, wie sich Fish eine Knochensäge kauft. In einer anderen scheinbar endlosen Sequenz wird gezeigt, wie Albert Fish mit der kleinen Grace Budd zum Bahnhof geht, durch die Vorhalle schreitet, Fahrkarten kauft, über eine Brücke geht, einen weiteren Weg entlang läuft, bis es letztendlich zu dem Mord an dem Kind kommt.

Das Drehbuch bietet den Schauspielern nur wenig Raum, den gespielten Figuren ausreichend Tiefe zu verleihen. Die Darstellung bleibt daher oft nur skizzenhaft und oberflächlich. Patrick Bauchaus („Get the Gringo“) Leistung in seiner Titelrolle als Albert Fish reduziert seine Figur lediglich auf die durchlebten religiösen Fantasien und die schmerzhaften Selbstgeißelungen, die im Übrigen von Regisseur Flynn im Verhältnis viel zu häufig visualisiert werden. Es gelingt Bauchau nicht, die vielen Stimmungsumschwünge, denen der Protagonist in seinem realen Leben erlegen war, glaubwürdig und plausibel darzustellen. So bleibt es für den Zuschauer zum Beispiel undurchsichtig, warum das Verhalten des Serienmörders gegenüber seiner Vermieterin (Laurel Whitsett, „Elevator Ride“) plötzlich umschlägt, zumal er eben noch von ihr für seine Arbeit als Hausmeister gelobt wurde, in einer der nächsten Szenen aber schon dieselbe Frau obszön in einem Brief beleidigt. Die Ausdruckslosigkeit der Schauspieler wird unglücklicherweise auch noch durch die sehr mangelhafte deutsche Synchronisation mit gelangweilt klingenden Sprechern unterstrichen. Manche Betonungen in den Dialogen klingen vollkommen deplatziert und der Situation überhaupt nicht angemessen. Besonders negativ fällt die Synchronisationsstimme bei John Aylward („House of Lies“) als Captain Ayers auf. Der Synchronisationssprecher verstellt hier seine Stimme derart unnatürlich, dass man sich nicht des Eindrucks erwehren kann, als wolle er zum Beispiel einen Marlon Brando als Mafiaboss imitieren. Allein die Ausstattung des Films mit zu der Epoche passenden stilechten Kostümen und Requisiten kann wirklich überzeugen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der BD ist zufriedenstellend, mit hohem Detailgrad und überzeugender Schärfe, die zum Beispiel selbst kleinste Muster in Tapeten bei Innenaufnahmen oder aber auch winzige Äste beim Spaziergang durch den Park erkennen lassen. Selbst dunkle Szenen sind nur selten verrauscht. Die Dialoge bleiben sowohl in der deutschen als auch der englischen Tonspur im Format DTS-HD-Master 5.1 stets über die Filmmusik und die Soundeffekte gut hörbar und verständlich. Effekte werden nur sehr sparsam verwendet und sind hauptsächlich aus den vorderen Boxen zu vernehmen. Zusätzlich zu den DTS-Tonspuren ist noch eine deutsche Tonspur in Dolby Digital 2.0 wählbar. Untertitel sind ausschließlich in Deutsch verfügbar.

Auf der Blu-ray befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung verfügt über ein Wendecover.


Fazit:
„Der Kindermörder“ behandelt ein Thema mit viel Potential, kann aber leider nicht überzeugen, da den Figuren die nötige Tiefe fehlt und stattdessen Nebensächlichkeiten in den Vordergrund gestellt werden. Schwächen im Drehbuch und spielmüde Darsteller in Verbindung mit einer sehr schlechten deutschen Synchronisation mindern den Spaß am Film enorm. Das Fehlen jeglicher Extras wertet die BD zudem noch zusätzlich ab.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
96:47 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Der Kindermörder - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Kindermörder
The Gray Man

Bild unseres Mitarbeiters Michael Gick
Spannendes Thema unspektakulär, langatmig und alles andere als spannend erzählt


Autor der Besprechung:
Michael Gick

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
Scott L. Flynn
Drehbuch:
Lee Fontanella, Colleen Cochran
Darsteller:
Patrick Bauchau, Jack Conley, John Aylward, Jillian Armenante, Silas Weir Mitchell, Vyto Ruginis, Lexi Ainsworth, Shaun Senter, Ben Hall, Mollie Milligan

Label Deutschland :
WGF
Verkaufsstart Deutschland :
10.05.2012