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DVD-Besprechung - Das Massaker von Lidice

Story:
František Šíma (Karel Roden), aus dem tschechoslowakischen Dorf Lidice, tötet im Streit unbeabsichtigter Weise seinen ältesten Sohn Eduard und wird deshalb kurz darauf zu fünf Jahren Zwangsarbeit wegen Totschlags verurteilt. Während seiner Haft marschieren die Deutschen in der Tschechoslowakei ein und am 27. September 1941 wird Reinhard Heydrich neuer stellvertretender Reichsprotektor von Böhmen und Mähren. Er erwirbt sich durch seine Härte bald den Beinamen „Schlächter von Prag“ und wird somit zur Zielscheibe des Widerstands, dem es am 27. Mai 1942 gelingt Heydrich mit Hilfe eines Attentats zu liquidieren. Es folgen jedoch brutale Vergeltungsschläge der Deutschen, bei denen im Juni 1942 die beiden Dörfer Lidice und Ležáky komplett dem Erdboden gleichgemacht und beinahe alle Einwohner getötet wurden. Als František Šíma aus der Haft entlassen wird, ahnt er nichts von dem Schicksal seiner Familie und dass sein Dorf mittlerweile verschwunden ist.

Meinung zum Film:
„Das Massaker von Lidice“ ist eine tschechische Produktion aus dem Jahr 2011, bei der Petr Nikolaev („Knights of Blood“) nach einem Drehbuch von Zdenek Mahler („Strauss Dynasty“) Regie führte, wobei letzterer dabei seinen eigenen Roman adaptierte. Der Film wurde mit einem Budget von nur rund vier Millionen US-Dollar vornehmlich mit einheimischen Darstellern realisiert, lief aber selbst in seinem Heimatland nur rund einen Monat in den Kinos und konnte dabei nur etwa die Hälfte seines Budgets wieder einspielen. Der Film basiert zwar auf realen Geschehnissen, mit den Fixpunkten in Form des letztendlich tödlichen Attentats auf Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942 und dem daraus resultierenden Massaker von Lidice (9./10. Juni 1942), bebildert die eigentliche Handlung des Films aber mit fiktiven Persönlichkeiten.

„Das Massaker von Lidice“ schildert ein tatsächliches Kriegsverbrechen der deutschen Besatzer aus der Zweiten Weltkrieg und bebildert diese furchtbaren Ereignisse aus der Sicht fiktiver Einwohner von Lidice. Die Erzählung beginnt mit einem tragischen, tödlichen Unfall sowie der Verurteilung von František Šíma und endet mit seiner Freilassung nach Kriegsende. Dazwischen konzentriert sich der Film auf das Leben in dem kleinen, tschechoslowakischen Dorf Lidice, aus dem auch Šíma stammt und das schließlich aufgrund des Massakers der deutschen Besatzer am 9. bzw. 10. Juni 1942 traurige Berühmtheit erlangte und dabei komplett ausradiert wurde. Natürlich wird auch dieses Massaker ausführlich dargestellt. Bis dahin leidet der Film aber bereits unter zahlreichen Schwächen. So wird beispielsweise das grausame Wirken von Reinhard Heydrich und der Widerstandskampf der Einheimischen kaum gewürdigt. Bereits der eigentliche Einmarsch der Deutschen ist im Film nur eine Randnotiz. Geschichtlich interessierte, deutsche Zuschauer bringen entweder Vorwissen mit und können diesen Film dann auch genauso gut auslassen, oder es fehlt ihnen und sie werden es hier bedauerlicherweise auch nicht erweitern können. Auch die Vermischung von Realität und Fiktion macht diese Produktion nicht gerade empfehlenswerter. So greift der Film auch gerne zu Vereinfachungen und degradiert die Deutschen zu gesichts- und gefühllosen Bürokraten, Massenvernichtung als Akt der Verwaltung, während einheimische Helfer zwar Schuld auf sich laden, aber eigentlich mehr oder weniger unausweichlich in die Ereignisse verstrickt werden und von ihrem eigenen Gewissen gequält werden.

Die Versuche dieses mit rund zwei Stunden überlangen und recht sperrig wirkenden Werkes die Ereignisse bzw. deren Folgen zu personalisieren und den Zuschauer somit emotional stärker einzubinden scheitern jedoch, da die Charaktere im Film weitgehend austauschbar und eindimensional wirken und auch keiner der Darsteller wirkliche Glanzpunkte setzen kann. Zwar wirkt der Film optisch und handwerklich alles anderes als kostengünstig inszeniert und durchaus zeitgenössisch, die Erzählung selbst findet aber keine wirklichen Schwerpunkte oder dramaturgisch eindringliche Momente. So müht sich der Film beispielsweise rund 50 Minuten lang eine Verbindung zwischen Heydrichs Ermordung und dem Massaker aufzuzeigen, obwohl diese wahnwitzige Vergeltungsaktion der Deutschen ja selbst nur aufgrund konstruierter Beweise und Verdächtigungen erfolgte. Das Massaker, die folgenden Deportationen und ähnliches nehmen dann rund 30 Minuten in Anspruch, bis schließlich František Šíma nach etwa 95 Minuten entlassen wird und ein überlanger Epilog beginnt. Die Inszenierung entfaltet sich dabei höhepunktsarm, träge und auch der aufdringlich-melodramatischen Musikuntermalung gelingt es nicht den Zuschauer wirklich emotional einzufangen, was angesichts der schockierenden Ereignisse, die hier allerdings in Bild und Ton auch verhältnismäßig handzahm umgesetzt wurden, umso erschreckender das Scheitern des Films dokumentiert. Auch die Schilderung der Ereignisse lässt immer wieder Zweifel an der Authentizität der Produktion aufkommen, wenn z.B. bereits bei dem gut dokumentierten Attentat auf Heydrich einige Abweichungen zur Realität auszumachen sind.

Digitale Aufarbeitung:
Die Produktion entfaltet mit Hilfe von Filtern einen sepialastigen, erdigen Look, bei dem stets kalte Farbtöne dominieren und eine durchaus gewollte zeitgenössische Optik hervorgerufen wird. Die Bildschärfe der DVD bewegt sich dabei auf einem guten Niveau, mit ausdrucksstarker, dem Stimmungsbild des Films angemessener Farbgebung und einer hochwertigen Kompression. Bildrauschen ist nur in geringem Ausmaß vorhanden und auch die Kontrastwerte bewegen sich auf einem ausgewogenen Niveau. Die deutsche Tonspur in Dolby Digital 2.0 klingt unspektakulär aber zweckmäßig und bietet eine gute Verständlichkeit. Die tschechische Originaltonspur liegt sogar in Dolby Digital 5.1 vor, aufgrund komplett fehlender Untertitel ist diese aber für einheimische Käufer leider absolut keine Alternative.

Auf der DVD befindet sich lediglich der Originaltrailer in tschechischer Sprache mit englischen Untertiteln. Ansonsten verfügt die Veröffentlichung aber immerhin über ein Wendecover.

Fazit:
„Das Massaker von Lidice“ ist eines von vielen Historiendramen das sich mit einem eigentlich sehr bewegenden sowie wichtigen Thema auseinandersetzt, und dafür auch Lob verdient, jedoch bei der konkreten Umsetzung sowohl tiefergehende Emotionen als auch einen gewissen Unterhaltungswert vermissen lässt. Handwerklich wirkt der Film zwar durchaus solide, dramaturgisch fehlen aber wirklich eindringliche Szenen und auch die handelnden Personen wirken weitgehend austauschbar. Technisch hinterlässt die DVD einen überzeugenden Eindruck, fehlende Untertitel und mehr als spärliches Bonusmaterial sind allerdings die Kehrseite der Medaille.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
120:48 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Tschechisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer
Das Massaker von Lidice - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Massaker von Lidice
Lidice

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Gut gemeint, aber leider wenig überzeugend umgesetzt!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Tschechische Republik, 2011
Regie:
Petr Nikolaev
Drehbuch:
Zdenek Mahler
Darsteller:
Karel Roden, Zuzana Fialová, Zuzana Bydzovská, Roman Luknár, Ondrej Novák, Veronika Kubarová, Norbert Lichý, Jan Budar, Václav Jirácek

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
17.01.2013