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Kino-Besprechung - Fluch der Karibik 2 - Dead Man's Chest

Story:
Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) hat seine Seele an den Teufel der Sieben Weltmeere, den sagenumwobenen Geisterpiraten Davy Jones (Bill Nighy) verkauft. Doch Jack wäre nicht das Schlitzohr, das er ist, hätter er vor, seinen Teil der Abmachung auf ehrliche Weise zu begleichen. Während er verzweifelt nach einem Weg sucht, dem Schicksal abermals ein Schnippchen zu schlagen und der drohenden Verdammung zu entgehen, finden sich seine einstigen Gefährten Will (Orlando Bloom) und Elisabeth (Keira Knightley) in einem ganz anderen Dilemma wieder: Von Lord Beckett (Tom Hollander), einem machthungrigen Emporkömmling in den Ränken der East India Trading Company, zuerst verhaftet und dann erpresst, haben sie keine andere Wahl, als sich an Jack's Fersen zu heften, um dessen einzigartigen Kompass zu erbeuten. Es soll der Auftakt zu einer haarsträubenden Hatz quer durch die Karibik werden - komplett mit Kannibalen, verwunschenen Sümpfen, verbuddelten Truhen und einem gewaltigen Monsterkraken!

Meinung zum Film:
Ums gleich vorweg zu nehmen: "Dead Man's Chest", wie der Untertitel im englischen Original lautet, ist insoweit ein typischer Vertreter der Gattung "Zweiter Teil", als daß alles noch ein wenig größer und spektakulärer ausfallen muß. Folglich spotten einige der abgedrehteren Actionsequenzen, durch die Regisseur Gore Verbinski ("Ring", "Mexican") seine Darsteller scheucht, geradezu jedweder physikalischer Gesetzmäßgkeit. Allein die Dinge, die Jack, Will und Co. während der ersten halben Stunde auf der Flucht vor einer Meute hungriger Kannibalen unversehrt überstehen, würden noch einem Wile E. Coyote die Schamesröte ins Gesicht treiben. Wer also schon beim Vorgänger bodenständigere Abenteuerkost vermisst hat oder mit den Kapriolen eines Captain Sparrow nur wenig anfangen konnte (solche Leute soll es ja geben... sagt man), wird mit "Fluch der Karibik 2" gewiss nicht warm werden. Zumal sich der Film mit seiner großzügigen Laufzeit von 150 Minuten nicht unbedingt auf einer Pobacke absitzen läßt.

Damit erschöpfen sich allerdings auch schon die Kritikpunkte. Und der Fairness halber sei erwähnt, daß selbst die unglaubwürdigsten Szenen mit einer tricktechnischen Perfektion und Raffinesse umgesetzt wurden, die ihresgleichen sucht. ILM, die für die Effekte verantwortlich zeichnen, haben die Meßlatte hierbei ohne Zweifel ein Stückchen höher gehoben, denn noch nie zuvor sahen am Computer kreierte Figuren, wie etwa Davy Jones' Crew von Fisch/Mensch-Mutanten, so realistisch aus und konnten auf derart natürlich wirkende Weise mit menschlischen Darstellern interagieren. Eine neue Methode des Motion Capturing-Verfahrens, bei dem die Schauspieler nicht mehr gesondert vor einem Bluescreen, sondern direkt während des normalen Drehs mit ihren Kollegen aufgenommen werden können, macht's möglich. Ein weiteres Highlight sind der monströse Riesenkraken und die atemberaubenden Schlachtszenen auf hoher See, währenddessen dieser mit seinen haushohen Tentakeln Schiffe zerpflückt und deren Mannschaft dezimiert. Aber nicht nur bei den Effekten, auch sonst sieht man der Produktion die unglaubliche Liebe zum Detail an: Von den Kostümen, über die Requisiten bis hin zu den eindrucksvollen Sets und den tatsächlich seetüchtigen Schiffen, wie der Black Pearl, sowie der malerischen Karibik-Kulisse stimmt einfach alles.

Dass bei all dem auch Story, Charaktere und - ganz wichtig! - das Zwerchfell der Zuschauer nicht zu kurz kommen, dürfte dem hochkarätigen Ensemble mit zu verdanken sein. Fans dürfen sich auf ein Wiedersehen mit beinahe allen Schauspielern des ersten Teils freuen, an erster Stelle natürlich Johnny Depp ("Sleepy Hollow", "Dead Man"), dessen unvergleichliche Darbietung des Jack Sparrow den Film erst zu etwas Besonderem macht. Auch Keira Knightley ("Tatsächlich... Liebe"), Orlando Bloom ("Troja"), Jack Davenport ("Coupling"), Jonathan Pryce ("Brazil") und die Crew der Black Pearl finden sich erwartungsgemäß gut in ihren alten Rollen zurecht. Bei den Neuzugängen sind Tom Hollander ("Gosford Park"), Stellan Skarsgard ("Good Will Hunting") als Stiefelriemen-Bill, Naomi Harris ("28 Tage später") als lasziv-schaurige Voodoo-Priesterin und Bill Nighy ("Shaun of the Dead") hervorzuheben. Insbesondere letztgenannter liefert mit seiner teils eklig-gruseligen, teils augenzwinkernden Interpretation des Geisterpiraten Davy Jones einen ebenbürtigen Gegenspieler für Jack Sparrow.

Fazit:
Wenn sich "Fluch der Karibik 2" etwas vorwerfen lassen muß, dann lediglich, daß bei dem Versuch, für die Fortsetzung wieder mal alles größer, besser und eindrucksvoller zu machen, ein ums andere Mal übers Ziel hinausgeschossen wurde. Und obwohl dem Zuschauer kaum eine Verschnaufpause zugestanden wird, da buchstäblich laufend irgendwas passiert, merkt man dem Film seine 150 Minuten Laufzeit nur zu deutlich an. Dennoch: Ausreichend Sitzfleisch vorausgesetzt, kann man gar nicht anders, als sich von den aberwitzigen Abenteuern und natürlich Johnny Depp's grenzgenialer Performance begeistern zu lassen. Wer sich dieses Spektakel auf der großen Leinwand entgehen läßt, gehört kielgeholt!

Fluch der Karibik 2 - Dead Man's Chest - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Fluch der Karibik 2 - Dead Man's Chest
Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Greger
Everbody's favorite Piraten-Schlitzohr meldet sich zurück in einem wilden Achterbahnritt von einem Film


Autor der Besprechung:
Marcus Greger

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Gore Verbinski
Drehbuch:
Ted Elliott, Terry Rossio
Darsteller:
Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Jack Davenport, Jonathan Pryce, Stellan Skarsgard, Tom Hollander, Naomi Harris, Kevin McNally

Verleiher:
Buena Vista International
Kinostart Deutschland :
27.07.2006

Das Special zu Fluch der Karibik 2 - Dead Man's Chest