Kino-Besprechung - Departed - Unter Feinden
Story:
In Boston hat die State Police dem organisierten Verbrechen den Krieg
erklärt. Der junge Undercover-Cop Billy Costigan (Leonardo DiCaprio)
bekommt den Auftrag, sich in das Verbrechersyndikat des Unterweltbosses
Frank Costello (Jack Nicholson) einzuschleusen. Während Costigan
schnell das Vertrauen des brutalen Gangsters gewinnt, weiß er nicht,
dass auch bei der Polizei mit dem kaltblütigen Colin Sullivan (Matt
Damon) ein Maulwurf die Karriereleiter hinaufklettert und dafür sorgt,
dass Costellos Verbrechersyndikat der Polizei trotz Costigans
Informationen stets einen Schritt voraus ist. Als sich beide Männer
immer tiefer in ihre Scheinidentität hineinsteigern und in Gefahr
laufen, enttarnt zu werden, versuchen sie alles, um den jeweils anderen
zu identifizieren und aus dem Weg zu räumen.
Meinung zum Film:
Mit seinem neuesten Werk betritt Gangsterfilm-erprobte Meisterregisseur
Martin Scorsese ("Taxi Driver") ein Terrain, das er zuletzt mit seinem
Hit "Kap der Angst" im Jahr 1991 erkundet hat: Remakes. Als Vorlage
dienen ihm diesmal der Hong-Kong-Erfolgsfilm "Infernal Affairs" und
dessen Prequels aus den Jahren 2002 und 2003. Anders als die meisten
Remakes, die lediglich schnelles Geld aus einem bekannten Namen oder
einem viel versprechenden Konzept schlagen wollen, geht "Departed –
Unter Feinden" aber ganz eigene Wege und überzeugt mit einem ganz
eigenen Stil und einer packenden Story, die geschickt die Handlung der
beiden Originalfilme verknüpft, ohne dabei wichtige Handlungsstränge
wegzulassen. Drehbuchautor William Monahan ("Königreich der Himmel"),
der "Infernal Affairs" nach eigenen Angaben vor dem Schreiben gar nicht
angesehen hat sondern nur das Script kannte, hat den Handlungsort durch
seine Heimatstadt Boston und die Triaden durch den irischen Mob ersetzt
und schafft so von vornherein eine ganz andere und sehr glaubwürdige
Atmosphäre. Bei seiner Dramaturgie lässt "Departed" sich trotz der
Reduzierung auf einen Film mehr Zeit für die Charakterentwicklung als
die Vorlage und ermöglicht es dem Zuschauer somit, noch stärker
mitzuerleben, wie die beiden Hauptfiguren von ihrem Doppelleben immer
mehr in den Abgrund gezogen werden. Dies gipfelt in einem absolut
schockierenden Ende, das dem Original noch eins drauf setzt und jedem
garantiert lange im Gedächtnis bleiben wird.
Das eigentliche Highlight des Films sind aber die Höchstleistungen, zu
denen Scorsese sein Darstellerensemble treibt. In erster Linie gilt
dies für den ohnehin großartigen Jack Nicholson ("Besser geht’s
nicht"), der als Gangsterboss Frank Costello mit einer der besten
Leistungen seiner Schauspielerlaufbahn brilliert. Auch Leonardo
DiCaprio ("Aviator"), der Robert DeNiros Nachfolge als Scorseses
Standard-Hauptdarsteller anzutreten scheint, bietet erneut eine
oscarwürdige Darstellung und sichert sich langsam aber sicher einen
Platz unter besten Schauspielern seiner Generation. Und sogar Mimen wie
Matt Damon ("Die Bourne-Identität") und Mark Wahlberg ("Der Sturm"),
die in ihren früheren Filmen Performances von eher gemischter Qualität
ablieferten, zeigen hier allerfeinste Schauspielkunst. In kleineren
Rollen fallen noch Stars wie Martin Sheen ("Apocalypse Now") und Alec
Baldwin ("Jagd auf 'Roter Oktober'") sowie die unbekanntere Vera
Farmiga ("Running Scared – Renn oder stirb") auf, ebenfalls alle sehr
überzeugend.
Der Soundtrack, der mit tollen Liedern großer Bands wie den Rolling
Stones und den Beach Boys gespickt ist, kann sich auch hören lassen und
trägt nicht unwesentlich zur intensiven Atmosphäre des Films bei. Diese
wird auch durch die überzeugende Kameraarbeit von Michael Ballhaus
("Bram Stokers Dracula"), der gekonnt mit dem Licht spielt,
unterstützt. Durch viele feine Unterschiede zur "Infernal
Affairs"-Trilogie ist "Departed" vielleicht nicht unbedingt ein
besserer, aber zumindest ein eigenständiger Film, der eine
unanfechtbare Daseinsberechtigung hat, obwohl er "nur" ein Remake ist.
Fazit:
Auch wenn es sich hier "nur" um ein Remake eines Hong-Kong-Filmes
handelt, stellt dieser hochspannende und kompromisslose Thriller einen
Höhepunkt des Cop- und Gansterfilms dar, der an Scorseses frühere
Glanzleistungen wie "GoodFellas" erinnert. Auch wenn "Departed – Unter
Feinden" vielleicht nicht ganz an die besten Filme des Regisseurs
heranreicht, sollten sich Thrillerfans diese exzellent gespielte Tour
de Force nicht entgehen lassen.
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