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DVD-Besprechung - Tagebuch eines Skandals

Story:
Als die Kunstlehrerin Sheba Hart (Cate Blanchett) ihren neuen Job an einer Londoner Hauptschule antritt, freundet sie sich schon bald mit der kurz vor ihrer Pensionierung stehenden Geschichtslehrerin Barbara Covett (Judi Dench) an. Die beiden Frauen finden sich sympathisch und haben viele gleiche Interessen; einige Besuche bei Sheba, ihrem Mann Richard (Bill Nighy) und deren zwei Kindern folgen. Doch dann kommt Barbara zufällig hinter ein schockierendes Geheimnis: Sheba hat ein sexuelles Verhältnis mit einem 15jährigen Schüler (Andrew Simpson), dem sie Nachhilfe-Unterricht erteilt. Kurz drauf konfrontiert Barbara die junge Lehrerin mit ihrem Wissen um die Affäre und nimmt ihr das Versprechen ab, das Verhältnis sofort zu beenden. Im Gegenzug will sie der Schulleitung und den Behörden nichts davon verraten. In der nächsten Zeit versucht Barbara jedoch, Sheba durch das geteilte Geheimnis in ein noch engeres Verhältnis zu drängen, wobei ihr Drang nach Freundschaft immer aufdringlichere Formen annimmt.

Meinung zum Film:
Wenn man sich die Story ansieht, könnte man bei diesem Film ein schwer verdauliches und deprimierendes Drama erwarten. Verführung von Minderjährigen und obsessive Beziehungen sind ja auch wirklich keine leichten Themen. Überraschenderweise schafft es Regisseur Richard Eyre ("Stage Beauty") aber, aus dem Roman von Zoe Heller einen sehr unterhaltsamen und spannenden Film zu machen, der einen fesselt und über die ganze Laufzeit nicht loslässt.

Ganz wichtig dafür sind natürlich die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarstellerinnen Judi Dench ("Lady Henderson präsentiert") und Cate Blanchett ("Aviator"), die sich mit diesem Film ihre neuesten Oscar-Nominierungen absolut verdient haben. Gerade Judi Dench übertrifft sich beinahe selbst und spielt die Rolle der obsessiven alten Dame mit ungekannter Intensität. Ihre Erzählerstimme, die Partien aus Barbaras Tagebuch vorliest, trägt den Film über weite Strecken. In den Nebenrollen glänzen Bill Nighy ("Fluch der Karibik 2") und der junge Andrew Simpson ("Song for a Raggy Boy"), die ihre kleineren Parts ebenfalls sehr überzeugend spielen.

Mit einer Laufzeit von 87 Minuten ist der Film zwar eher kurz, was seiner Prägnanz aber nur hilft. Gezielt und konzentriert zieht der Film den Zuschauer mit ausgezeichnetem Timing in den titelgebenden Skandal hinein und versetzt einen auf gekonnte Weise abwechselnd in die Lage beider Hauptfiguren. Auch der Humor, wenngleich sehr subtil, kommt trotz des ernsthaften Themas im Drehbuch von Patrick Marber ("Hautnah") nicht zu kurz. Eine gelungene Unterstützung der Dramatik der Handlung ist der Soundtrack vom Minimal-Music-Komponisten Philip Glass (“Kundun"), der die Stimmung an vielen Momenten musikalisch perfekt auf den Punkt bringt, auch wenn er sich manchmal vielleicht etwas zu stark in den Vordergrund drängt.

Digitale Aufarbeitung:
An der Bildqualität lässt sich kaum was kritisches finden. Die Farben wirken kraftvoll und echt, die Schärfe ist ausgezeichnet und auch im Hintergrund des Bildes sind viele Details zu erkennen. Einziges Makel sind das gelegentliche Grieseln und Doppelkonturen. Ein Drama wie "Tagebuch eines Skandals" bietet genrebedingt kaum Arbeit für den Surroundlautsprecher, aber wo der Film die Geräuschkulisse benutzt, wird sie auch ausgeschöpft. Die Dialoge sind sets gut verständlich und Philip Glass' Soundtrack ist allzeit präsent, ohne störend zu wirken. Im Gegenteil, er ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte.

Highlights der Extras sind der deutsch untertitelte Audiokommentar von Regisseur Richard Eyre und die drei Making ofs. Detailliert erzählt der Regisseur von seiner Herangehensweise an den Roman und erkärt auch, wo er Szenen weggelassen und verändert hat. Dabei konnte er auf das Verständnis des Buchautors Zoe Heller zählen, der eine nicht vorlagengetreue Aufarbeitung seines Buches akzeptierte. Die drei Making of gewähren einen interessanten Blick hinter die Kulissen. Die acht Webisoden geben dagegen nicht all zu viel her und entpuppen sich als belanglos. Alles in allem darf man mit dem Extrapaket zufrieden sein.

Fazit:
Trotz seines sehr ernsten Inhalts ist "Tagebuch eines Skandals" ein höchst unterhaltsamer und spannender Film, der besonders vom grandiosen Spiel seiner beiden Hauptdarstellerinnen lebt und allein deshalb schon unbedingt sehenswert ist. Die Bild- und Tonqualität der DVD sind sehr gut und die Extras zwar nicht all zu umfangreich, aber bis auf die acht Webisodes interessant und informativ.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
87:56 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur Richard Eyre
  • Die Geschichte zweier Obsessionen
  • Hinter den Kulissen
  • Cate Blanchett über ihre Rolle
  • 8 Webisodes: Judi & Cate - Hinter den Kulissen des Skandals, Das Drehbuch, Judi Dench, Cate Blanchett, Ein Gespräch mit Cate Blanchett & Bill Nighy: Casting, Charaktere, Am Set, Die Liebeszenen
Tagebuch eines Skandals - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tagebuch eines Skandals
Notes on a Scandal

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Großartige Schauspielleistungen machen diese spannende Story zu einem echten Erlebnis


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2006
Regie:
Richard Eyre (nach dem Roman von Zoe Heller)
Drehbuch:
Patrick Marber
Darsteller:
Judi Dench, Cate Blanchett, Bill Nighy, Andrew Simpson

Label Deutschland :
20th Century Fox Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
10.09.2007