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DVD-Besprechung - Sunshine

Story:
Fünfzig Jahre in unserer Zukunft droht die Sonne zu erlöschen und somit alles Leben auf der Erde unmöglich zu machen. Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Astronauten wird auf dem Raumschiff "Icarus II" losgeschickt, um sie mithilfe einer speziellen Bombe zu reaktivieren. Als sie sich der Sonne nähern, entdecken sie das leblos treibende Schiff "Icarus I", das schon einige Zeit vorher mit der gleichen Mission aufgebrochen war, sein Ziel aber nie erreichte. Man entschließt sich, einen Umweg zu machen, um die Bombe des scheinbar verlassenen Schiffs verwenden zu können und somit die Erfolgschancen der Mission zu erhöhen.

Meinung zum Film:
Obwohl die Grundidee zunächst an Filme wie "Armageddon" oder "The Core" erinnert, ist die Umsetzung von Danny Boyles ("Trainspotting") "Sunshine" eher in der Tradition anspruchsvoller Science-Fiction-Klassiker wie "2001 - Odyssee im Weltall" oder "Solaris" gehalten, die stellenweise auch mehr oder weniger direkt zitiert werden. Die (sehr gelungenen) Effekte und die Action stehen nicht im Vordergrund, der Film konzentriert sich über weite Strecken völlig auf die psychische Verfassung der Raumschiff-Crew und die Wirkung, die die Leere des Weltalls und vor allem die Nähe zur Sonne auf diese hat. Die Atmosphäre auf dem Raumschiff ist spannungsgeladen und das Zusammenspiel der Charaktere ist sehr gelungen. Wie schon bei Boyles "28 Days Later" spielt Cilian Murphy ("Batman Begins") auch in "Sunshine" eine wichtige Rolle und profiliert sich weiter als eines der interessantesten jungen Schauspieltalente. Aber auch Chris Evans, der in “Fantastic Four” noch eher negativ aufgefallen war, kann in diesem Film mit seiner Darstellung überzeugen. Die kleineren Rollen sind mit unter anderem Michelle Yeoh ("Tiger & Dragon"), Rose Byrne ("Troja") und Cliff Curtis ("Whale Rider") exzellent besetzt. Schade ist nur, dass manche der Figuren nicht genug Zeit bekommen, sich wirklich zu entfalten und somit ziemlich blass bleiben, bevor der Film im letzten Drittel deutlich an Action gewinnt, dabei aber stellenweise auch etwas wirr wird.

Die eigentliche Hauptrolle spielt in "Sunshine" allerdings ohnehin die Sonne. Dient sie uns bei unserem Leben auf der Erde vor allem als Spender von Wärme, Licht und Energie, wird sie aus nächster Nähe zum zerstörerischen Ungetüm, das alles verschlingt, was ihm zu nahe kommt. Die Präsenz des gigantischen Himmelskörpers ist in jeder Szene des Film spürbar, was Regisseur Boyle auch mithilfe interessanter Schnitttricks wie dem plötzlichen Einfügen von Einzelframes und der sehr experimentellen, jedoch gut funktionierenden Kameraarbeit erreicht. Unterstützt wird diese Stimmung durch die atmosphärisch dichte Soundkulisse und den düster donnernden Soundtrack der Band "Underground".

Auf langwierige Erklärungen und "Technobabble" verzichtet "Sunshine" fast völlig: die wissenschaftlichen und technischen Hintergründe werden (ähnlich wie zum Beispiel bei "Children of Men") nur grob angeschnitten, Technik-Erbsenzähler könnten demnach das eine oder andere am Set-Up des Films auszusetzen haben. Dennoch wirkt alles sehr durchdacht, wovon man sich auf der offiziellen Homepage ein Bild machen kann, indem man eine virtuelle Tour durch das Raumschiff mit dem zynischen Namen "Icarus" unternimmt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist nicht so ganz perfekt, wie man es von einer solch großen und aktuellen Produktion eigentlich erwartet. Die Schärfe zeigt Schwächen und bei den zahlreichen dunklen Szenen reicht der Schwarzwert nicht immer aus. Viele Details gehen darin verloren. Dafür überzeugen die Farben, Rauschen fällt kaum auf und das Bild ist ruhig und ohne Verschmutzungen. Der Ton hingegen weiß in den richtigen Moment zu Punkten und insbesondere der Subwoofer wird entsprechend gut eingesetzt. Zahlreiche kleine Effekte sorgen für eine gute Atmosphäre im Heimkino und die Stimmen kommen gut verständlich aus dem Center-Lautsprecher.

Zwei untertitelte Kommentare warten auf interessierte Filmfans. Danny Boyle plaudert munter drauf los und geht ausführlich auf die Entstehung der Story und des Films ein. Im zweiten Kommentar kommt der Solar-Experte Dr. Brian Cox zum Zuge und erläutert die wissenschaftlichen Fakten rund um das Thema des Films. Die verwendeten Szenen sind interessant, einzig das großartig auf dem Backcover angekündigte “sensationelle, alternative Ende“ ist nicht gerade eine Offenbarung – erst recht nicht wenn man seinen Hintergrund aus Danny Boyles Kommentar erfährt. Das Internet-Produktionstagebuch aus 23 Clips ist wirklich sehr gelungen und wirft einen interessanten und unterhaltsamen Blick auf die Produktion. Alle wichtigen Aspekte werden gestreift. Als Kurzfilm-Fan ist es Danny Boyle gelungen zwei Kurzfilme mit auf die DVD zu kriegen, die er dann auch begeistert vorstellt – und die dann auch wirklich eine zusätzliche Bereicherung dieses sonst schon gut gelungenen Bonusmaterials sind. Abgerundet wird das Extrapaket mit den zwei Kinotrailern von „Sunshine“.

Fazit:
„Sunshine“ ist ein wirklich gelungener, intelligenter SciFi-Thriller, wie es ihn in ähnlicher Form schon lange nicht mehr gab. Für Fans anspruchsvoller Science-Fiction-Kost ist er trotz kleinerer Schwächen im letzten Drittel ein Muss. Wer nur auf Action aus ist, könnte sich aber langweilen. Die DVD zeigt beim Bild ein paar Schwächen, macht dies aber mit dem Ton wieder wett. Das Bonusmaterial ist mehr als nur einen flüchtigen Blick wert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
102:55 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • 6 nicht verwendete Szenen mit optionalem Kommentar von Danny Boyle
  • Alternatives Ende mit optionalem Kommentar
  • 2 Kommentare von Regisseur Danny Boyle und Dr. Brian Cox, The University of Manchester
  • 23 Internet-Produktions-Tagebücher
  • 2 Kurzfilme: "Dad's Head" und "Mole Hills"
  • 2 Kinotrailer
Sunshine - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Sunshine
Sunshine

Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Endlich mal wieder ein anspruchsvoller Weltraumfilm


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2007
Regie:
Danny Boyle
Drehbuch:
Alex Garland
Darsteller:
Cilian Murphy, Chris Evans, Michelle Yeoh, Rose Byrne, Cliff Curtis, Hiroyuki Sanada

Label Deutschland :
20th Century Fox Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
08.10.2007