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Kino-Besprechung - 28 Weeks Later

Story:
Einige Monate nachdem ein entsetzlicher Virus nahezu alles Leben auf den Britischen Inseln ausgelöscht hat, beginnt unter Administration der US-Armee eine vorsichtige Neubesiedlung Londons. Tammy (Imogen Poots) und ihr jüngerer Bruder Andy (Mackintosh Muggleton), die sich während der Tragödie im Ausland aufhielten, werden mit ihrem Vater Don (Robert Carlyle), einem der ganz wenigen Überlebenden, wiedervereint. Nachdem die Kinder heimlich ausreissen, um ihr altes Haus in einem Londoner Vorort nach Erinnerungsstücken an die tot geglaubte Mutter zu durchsuchen, lesen die ausgesandten Soldaten nicht nur die Beiden, sondern unwissentlich auch einen Träger des Viruses auf - und das Unglück nimmt seinen Lauf.


Meinung zum Film:
Für den Nachfolger des 2002er Überraschungshits "28 Days Later", der mit seinem frischen Konzept die Grenzen zwischen Endzeit-Thriller und Zombie-Schocker sprengte, überließ Danny Boyle ("Trainspotting", "Sunshine") den Regiestuhl seinem Kollegen Juan Carlos Fresnadillo. Der Spanier konnte bereits mit dem Thriller "Intacto" einen ersten Achtungserfolg feiern, Boyle hingegen stand dem Projekt als Executive Producer zur Seite. Auch vom ursprünglichen Cast ist niemand übrig geblieben: In den Hauptrollen spielen Imogen Poots und Mackintosh Muggleton das junge Geschwisterpaar Tammy und Andy; die beiden Newcomer erreichen nicht das darstellerische Kaliber eines Cillian Murphy oder einer Naomi Harris, die dem Vorgänger seine emotionale Tiefe verliehen, machen ihre Sache allerdings nicht schlecht. Weitere bedeutende Rollen wurden mit dem gewohnt gut spielenden Robert Carlyle ("Ganz oder gar nicht") als Vater der Geschwister, Rose Byrne ("Sehnsüchtig"), Jeremy Renner ("S.W.A.T."), Harold Perrineau ("Lost") und Catherine McCormack ("Braveheart") besetzt.

Auf die Herkunft des so genannten "Rage"-Virus, der seine Opfer in einen Zustand permanenter, blutrünstiger Raserei versetzt, wird nicht weiter eingegangen. Für die passende Einstimmung sorgt eine beklemmend inszenierte Rückblende über den verzweifelten Kampf ums nackte Überleben zur Zeit der Epidemie. Deren weiterer Verlauf ist ebenso nüchtern wie einleuchtend: Nachdem sie die Britischen Inseln buchstäblich überrannt hatten, starben die Infizierten eines schnöden Hungertodes. 28 Wochen nach dem Ausbruch scheint die Lage so weit unter Kontrolle, daß den ersten Menschen die Umsiedlung vom Festland ins schwer befestigte London erlaubt wird. Und darin äußert sich die größte Schwäche des Films: Wenn auch das Bild der Stadt mit zwischen den Hochhäusern kreisenden Militärhelikoptern und auf Dächern kauernden Scharfschützen den Ausnahmezustand suggeriert, entsteht dennoch der Eindruck eines sehr unbekümmerten, geradezu naiven Szenarios - angesichts der Bedrohung durch einen Virus, der in kürzester Zeit die Bevölkerung einer ganzen Nation ausradierte. Auch die Umstände, die schlußendlich zum erneuten Ausbruch führen, wirken einfach zu bemüht. Das kompromißlose, systematische Vorgehen der Armee in ihrem Bestreben, die Ausbreitung zu verhindern, stimmt in Teilen zwar durchaus versöhnlich. Doch der fahle Beigeschmack einer zu konstruiert wirkenden Handlung bleibt.

Das meisterhafte Spiel mit den unterschiedlichsten Urängsten ist es, was den Zuschauer dennoch gefesselt hält und die schwächelnde Story fast vergessen macht. "28 Weeks Later" brilliert durch eine straffe Präsentation, die das Publikum auf routinierte Weise mit einem breiten Spektrum verschiedener Phobien und nicht gerade zimperlicher Gewaltszenen konfrontiert. Freunde derber Splattereffekte werden dabei ebenso bedient, wie auch Fans subtileren Grusels. Den letzten Schliff besorgt eine sehr effektiv eingesetzte Musikuntermalung, welche die stets präsente, bedrohliche Grundstimmung gekonnt betont.

Fazit:
Was an Originalität und Authentizität eingebüßt wurde, können die kurzweilige Inszenierung, die unheilvolle Atmosphäre und der gepflegte Horror immerhin zu großen Teilen wieder gutmachen. Ohne die Klasse seines Vorgängers zu erreichen, überzeugt "28 Weeks Later" dank Gänsehaut-Faktor.

28 Weeks Later - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension

28 Weeks Later

Bild unseres Mitarbeiters Marcus Greger
Trotz Schwächen im Skript, eine größtenteils gelungene Fortsetzung


Autor der Besprechung:
Marcus Greger

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 2007
Regie:
Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch:
Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo
Darsteller:
Robert, Carlyle, Rose Byrne, Mackintosh Muggleton, Imogen Poots, Jeremy Renner, Catherine McCormack, Harold Perrineau, Idris Elba

Verleiher:
20th Century Fox
Kinostart Deutschland :
30.08.2007