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DVD-Besprechung - 12 Tangos - Adios Buenos Aires

Story:
Der Tango steht im Mittelpunkt vieler Menschen in Argentinien. Doch er ist nicht nur Vergnügen und Leidenschaft, sondern zugleich auch die Möglichkeit, dem Leben, der Geschichte und den Emotionen als Darstellungsmedium zu dienen. Und genau dies versucht Arne Birkenstock in seiner Dokumentation über die argentinische Mittelschicht zu erreichen.

Meinung zum Film:
Der Dokumentarfilm "12 Tangos" von Arne Birkenstock ist zum Einen eine Liebeerklärung an den beliebten Tanzsport der Argentinier, legt zum Anderen aber den Großteil seines Augenmerks auf das Schicksal der dort lebenden Menschen. Er erzählt, eingeleitet und unterstützt von Tangos, geschichtliche Fakten aus dem Land der Gauchos. Tangoklassiker wurden hierzu eigens von Luis Borda arrangiert und von bekannten Tango-Musikern Argentiniens eingespielt, die unterschiedlichen Künstlergenerationen entstammen. Liebhaber von Tangorhythmen dürften schon alleine wegen Namen wie Maria de la Fuente, Lidia Borda, José Libertella, Pablo Mainetti, Oscar Giunta oder Colón Mauricio Marcelli ein Interesse an der Dokumentation haben.

Doch "12 Tangos" ist weitaus mehr als nur eine Reise in die Welt lateinamerikanischer Musik. Arne Birkenstock hat sich im Land umgeschaut und nach Gesprächen mit einer Reihe Menschen den Weg einiger von ihnen mit der Kamera begleitet. Eine dieser Personen ist die 20-jährige Marcela Maiola, die als Tangotänzerin ihr Geld verdienen möchte, was in Argentinien so gut wie nicht möglich ist und sich von daher auf den Weg nach Frankreich befindet, wo sie sich ihren Traum erfüllen möchte. Sie selbst tanzt am liebsten mit dem charmanten 71-jährigen Roberto Tonet, der wie so viele während des "Corralito" die Kontrolle über seine gesamten Ersparnisse verlor und somit nun weitestgehend ohne das an die Seite gelegte Geld auskommen muss. Zu einem Großteil sind ihm neben der Tangoleidenschaft nur noch die Erinnerungen an eine Zeit geblieben, in der ihm das Leben wesentlich mehr zu bieten hatte.

Der "Corralitio" ist ein Ereignis, das fast alle Protagonisten gezeichnet hat, da hier die argentinische Regierung im Jahre 2001 die Konten im ganzen Land auf die wöchentliche Ausgabe von 250 Pesos beschränkte. Dies führte zu massiven Protesten in der Bevölkerung und beschäftigt bis in die heutige Zeit die Menschen. Mit dem 70-jährigen Alfredo Carlino fand Arne Birkenstock einen ehemaligen Boxchampion, der sich die Zeit unter anderem damit vertreibt, in einer wöchentlichen Radiosendung die Regierung zu kritisieren. Die Verzweiflung der Menschen in Argentinien wird vielleicht am deutlichsten, wenn von Yolanda Zubieta berichtet wird, die sich auf dem Sprung nach Spanien befindet, um dort Geld für ihre Familie zu verdienen, damit diese ihre Schulden bezahlen kann. Zurück bleibt ihre 24-jährige Tochter Marian, die sich fortan um die Familie kümmern soll. Finanziell sicherlich als vernünftig zu sehen besteht allerdings auch nie ein Zweifel daran, dass Yolanda viel lieber bei ihrer Familie bleiben würde, anstatt auf einem anderen Kontinent ohne sie leben zu müssen. Und auch hierzu gibt es den passenden Tango, der dieses Ereignis umschreibt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht für eine Dokumentation einen guten Eindruck und bietet keinen Grund zu Klagen. Der Ton bietet ein sehr breites und volles Stereoklangbild, das in den Musikszenen sehr gut zur Geltung kommt.

Als Extra gibt es zunächst zwei zusätzliche Tangos, gefolgt von einem sehr interessanten Interview mit Dokumentarfilmer Arne Birkenstock, in dem er sehr ausführlich darüber berichtet, wie er zu der Idee zu "12 Tangos" gekommen ist und wie er seine Protagonisten auswählte. Es folgen noch ein Interview mit Komponist und Gitarrist Luis Borda, sowie den kompletten, exklusiv für den Film eingespielten Soundtrack als separate Audio-CD.

Fazit:
"12 Tangos" bietet eine interessante Mischung aus Tango und Bildern aus dem Leben in Argentinien. Tangofreunde werden sich an Ensemble und Soundtrack erfreuen, Wissbegierige den Weg verschiedener Argentinier aus der Mittelschicht verfolgen können. Beide Interessensgruppen werden dabei sicherlich bestens unterhalten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
85:40 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch / Spanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • 2 zusätzliche Tangos
  • Interview mit Arne Birkenstock
  • Interview mit Luis Borda
  • Soundtrack-CD
12 Tangos - Adios Buenos Aires - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
12 Tangos - Adios Buenos Aires
12 Tangos - Adios Buenos Aires

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine Dokumentation, die zeigt, wie eng Tango und das Leben in Argentinien miteinander verbunden sind


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Argentinien / Deutschland, 2005
Regie:
Arne Birkenstock
Drehbuch:
Arne Birkenstock
Darsteller:
Roberto Tonet, Marcela Maiola, Yolanda Zubieta, Mariana Zubieta, Fabiana Zubieta, Néstor López, Alfredo Carlino

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
19.01.2007

Vertrieb Schweiz :
Rainbow Home Entertainment AG
Verkaufsstart Schweiz :
19.01.2007