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DVD-Besprechung - A Scanner Darkly
Story:
Die neue Droge Substanz T startet im Amerika der Zukunft ihren unaufhaltsamen Siegeszug. Die Droge macht extrem süchtig, beeinträchtigt stark die Wahrnehmungsfähigkeit und führt zu Schizophrenie und Paranoia. Der Polizist Fred (Keanu Reeves) soll undercover ermitteln und den ungeklärten Herkunftsort der Droge ausfindig machen. Im Rahmen seiner Ermittlungen gerät er jedoch selbst zunehmend in die Fänge der Droge, leidet unter Wahrnehmungsstörungen und verliert das Gefühl für die eigene Identität.
Meinung zum Film:
"A Scanner Darkly" basiert auf dem Roman "Der dunkle Schirm" von Philip K. Dick aus dem Jahre 1977. Der Roman arbeitet eigene Drogen-Erfahrungen des Autors in der Zeit von Richard Nixon auf. Philip K. Dick gilt als einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren weltweit und auf Basis seiner Vorlagen entstand bereits eine Vielzahl von Blockbustern für das Kino. Zwei der bekanntesten Beispiele dafür sind "Total Recall - Die totale Erinnerung" von Paul Verhoeven und "Blade Runner" von Ridley Scott. Regisseur Richard Linklater ("School of Rock") wendete bei "A Scanner Darkly" das sogenannte Rotoscope-Verfahren an. Bei diesem Verfahren werden die Realfilmaufnahmen als Basis für den späteren Animationsfilm genutzt und quasi Bild für Bild übermalt. Richard Linklater nutzte diese Technik, wenn auch in bescheidenerem Ausmaß, bereits für seinen Film "Waking Life" aus dem Jahre 2001. Einer der bekanntesten Vertreter des Rotoscope-Verfahrens ist wohl Ralph Bakshis Verfilmung von "Der Herr der Ringe" aus dem Jahre 1978. "A Scanner Darkly" lief trotz seiner prominenten Besetzung und der extravaganten Optik in Deutschland nicht in den Kinos. Der Film erscheint direkt auf DVD und war ansonsten lediglich beim Fantasy Filmfest 2006 zu sehen.
"A Scanner Darkly" ist ein Science-Fiction-Film in einem Amerika der näheren Zukunft, das sich zu einem völligen Überwachungsstaat gewandelt hat. Jeder Bürger wird gescannt und damit soweit möglich, oder notwendig, rund um die Uhr überwacht. Neben dieser orwellschen Fiktion weist der Film auch noch den Charakter einer abgedrehten Drogenkomödie Marke "Fear and Loathing in Las Vegas" auf, was sich z.B. in einigen ziemlich durchgeknallten Dialogen äußert. Die Suche nach der eigenen Identität, und die Überlagerung von Realität und Fiktion schließlich erinnern ein wenig an "Naked Lunch" von David Cronenberg. Der humorvolle Charakter des Films, aber auch die surreale Wahrnehmung des drogenabhängigen Fred, wird durch die Rotoscope-Optik unterstützt und verstärkt. Die comichaft überzogenen Gesten der Schauspieler, vor allem von Rory Cochrane und Robert Downey Jr., tun ihr übriges in dieser Hinsicht. Der Film enthält aber mit den geäußerten Verschwörungstheorien und Undercovereinsätzen auch Thrillerelemente, die Thematisierung der Drogensucht, vor allem gegen Ende, trägt zusätzlich die Züge eines Dramas. Der Mittelpunkt der Handlung ist aber eindeutig der Polizist Fred, der sich undercover mit anderen Drogensüchtigen und einer kleinen Dealerin einlässt, um von dort langsam die Spitze des Verteilerrings zu erklimmen.
In gutem Glauben an seine Vorgesetzten, die die Abhängigkeit von der Droge heruntergespielt haben, begibt er sich selbst in die Abhängigkeit der Substanz T und geht in seiner gespielten Rolle beinahe völlig auf. Er verliert zunehmend das Gefühl für seine eigene Identität und wird von seiner eigenen Dienststelle diversen Tests und Untersuchungen unterzogen. Er leidet unter dem sogenannten "Konkurrenzphänomen", seine beiden Hirnhälften wetteifern, durch den Einfluss der Droge, um die Deutungshoheit, was zu widersprüchlichen und sich überlagernden Sinneseindrücken führt. Während seiner Zeit in der Dienststelle trägt Fred einen "Jedermann-Anzug", genau wie sein Vorgesetzter. Dieser Anzug verändert den Träger in einer Art und Weise, der ihn nicht mehr identifizierbar macht. Im Film wird das durch einen ständigen Wechsel der Gesichtspartien und der Kleidungsstücke aufwendig dargestellt. Fred weiß somit ebenso wenig, bei wem es sich um seinen Vorgesetzten handelt wie andersherum. Im Verlauf des Films ist nichts, wie es scheint, Freds Mission geht weit über das hinaus, was ihm mitgeteilt wurde. Die Drogenabhängigkeit von Fred wurde bewusst eingeplant, Fred selbst hingegen weiß bald nicht mehr, wer er außerhalb seines Einsatzes war und muss sich zunehmend die Frage stellen, ob er nicht sogar gegen sich selbst ermittelt.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr scharf, die Farben sind kräftig, es gibt keinen Grund zur Beanstandung. Auch die beiden Tonspuren bieten keinen Anlass zur Kritik und wirken sehr räumlich.
Auf der DVD befindet sich ein ausführlicher und interessanter Audiokommentar von Regisseur Richard Linklater, Keanu Reeves, Isa Dick Hacket, der Tochter von Philip K. Dick, dem Produzenten Tommy Pallotta und dem Historikers Jonathan Lethem, leider jedoch ohne Untertitel. "One Summer in Austin: Die Entstehung von A Scanner Darkly" ist eine Art Making Of, angereichert mit Kommentaren aus einem älteren Interview mit Philip K. Dick und dauert etwa 27 Minuten. "The Weight of the Line: Die Animation" schildert in rund 21 Minuten die aufwendige Bearbeitung der Realaufnahmen im Rotoscope-Verfahren. Beide Dokumentationen sind interessant und unterhaltsam ausgefallen, hätten aber durchaus auch länger sein können. Weiterhin befindet sich auf der DVD noch der US-Kinotrailer.
Fazit:
"A Scanner Darkly" ist ein sehr dialoglastiger Film, mit exzellenten Darstellern, die sich durch ihre Mimik und Gestik der faszinierenden, comichaften Rotoscope-Optik perfekt anpassen. Der Plot erfordert höchste Aufmerksamkeit vom Zuschauer und bietet zahlreiche überraschende Wendungen, die, verbunden mit der surrealen Optik und den unsicheren Identitäten der meisten auftretenden Charaktere, den Zuschauer beinahe hautnah in die schizophrene Situation von Fred hineinversetzen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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96:19 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur Richard Linklater, Keanu Reeves, Isa Dick Hacket (Tochter von Philip K. Dick), dem Produzenten Tommy Pallotta und dem Historiker Jonathan Lethem
- "One Summer in Austin: Die Entstehung von A Scanner Darkly"
- "The Weight of the Line: Die Animation"
- US-Kinotrailer
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A Scanner Darkly - Der dunkle Schirm
A Scanner Darkly
Äußerst tiefgründiger, dialoglastiger, Science-Fiction Film mit zahlreichen Wendungen und faszinierender Optik
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Richard Linklater Drehbuch: Richard Linklater (basierend auf dem Roman von Philip K. Dick) Darsteller: Keanu Reeves, Woody Harrelson, Robert Downey Jr., Rory Cochrane, Winona Ryder, Mitch Baker
Label :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart : 11.05.2007
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