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DVD-Besprechung - Pulse - Du bist tot bevor du stirbst

Story:
Erst hat Josh (Jonathan Tucker) sich von seinen Freunden abgekapselt, dann begeht er quasi vor den Augen seiner Freundin Mattie (Kristen Bell) Selbstmord. Doch mit dem Freitod steht er bei weitem nicht alleine da, wie es scheint, grassiert der Wunsch, sich selbst zu töten flächendeckend, wodurch die Lehrsäle an der Uni unheimlich menschenleer erscheinen. Mattie macht sich gemeinsam mit Dexter (Ian Somerhalder) auf die Suche nach dem Hintergrund der Vorfälle und stößt dabei auf einen unheimlichen Computervirus.

Meinung zum Film:
"Pulse" ist das Remake des international gleichnamigen Japanhorrors von Kiyoshi Kurosawa, der im Original "Kairo" heißt. Das Original war schwer verständlich aufgebaut und versuchte die Botschaft zu vermitteln, dass technische Errungenschaften wie Computer und das Internet immer mehr vereinsamen. In dieser Hinsicht haben es die Drehbuchautoren Wes Craven ("Nightmare on Elm Street") und Ray Wright ("Case 39"), sowie Regieneuling Jim Sonzero geschafft, einen wesentlich zugänglicheren Film zu schaffen. Und während das Original noch weitestgehend spannungsarm daherkam, schaffen es vor allem die geisterhaften Angreifer im US-Remake, immer wieder für Gänsehaut zu sorgen. Doch insgesamt betrachtet reicht das nicht aus.

Einer der Hauptgründe für das Versagen des Films ist das desaströse Drehbuch. Erzählfluss wird hier vergebens gesucht, oft wirken einzelne Momente wie aneinander geklatscht, was zum Teil aber auch an der fehlenden Ausarbeitung der Charaktere liegt. Es wird kaum Zeit darauf verwendet, mehr als oberflächliche Klischees der Protagonisten zu zeigen. Selbst die Hauptfigur im Film, Mattie ist beliebig austauschbar, da man so gut wie nichts über sie erfährt. Noch nebensächlicher fällt die Figur des Nebenhelden Dexter aus, der in die Handlung geschubst wird und von da an als profilloser Retter an der Seite Matties agiert. Die Dämlichkeiten in der Story sind stets allgegenwärtig. Als sich Mattie und Dexter gerade in Sicherheit gebracht haben und im Radio eine Warnung ertönt, dass sich die Wesen über die Funkfrequenzen von Mobiltelefonen ausbreiten, hat Mattie natürlich nichts besseres zu tun als erst mal ihr Handy einzuschalten und gebannt darauf zu achten, wie toll sich die Empfangsbalken im Display aufbauen und der Weg für die Angreifer geebnet wird. Anstatt dass die Regierung nicht auf die Idee kommt, einfach mal zu versuchen, den Strom abzuschalten, um die Bedrohung zu stoppen, immerhin ist es ja bekannt, dass Netzwerke und Frequenzen die Lebensgrundlage der Geisterwesen sind, lässt man lieber Militärhubschrauber gegen die geisterhaften Angreifer Patrouille zu fliegen. Die Frage, warum Mattie und Dexter von den Wesen nicht getötet werden, gerät bei dem ganzen Nonsense genauso in den Hintergrund wie der berechtigte Erklärungsnotstand hinsichtlich des roten Klebebands, das anfangs intuitiv als Gegenmaßnahme gegen die Geister angesehen wird und später recht hanebüchen erklärt wird.

Es wird allerdings nicht alles falsch gemacht im Film. Vor allem die Angriffe der Geister haben einiges an Gruselpotential und hätten in einer zumindest ansatzweise funktionierenden Story eingebettet richtig gut funktioniert. Doch der fehlende Erzählfluss und die miserable Charakterisierung lassen es einfach nicht zu, dass man dem Geschehen auch nur ansatzweise gebannt folgen kann. Auch das mit laufender Spielzeit immer trister erscheinende Bild, dem immer mehr durch Farbfilter und dem Drehen an der Kontrastschraube die Farben verloren geht, ist nicht ausreichend, um die Untergangsstimmung einer postapokalyptischen Welt einzufangen. So bleibt es bei einem quälend langweiligen Durchhangeln von einem Geisterauftritt zum nächsten, was für einen abendfüllenden Horrorfilm ganz sicher viel zu wenig ist.

Digitale Aufarbeitung:
Durch den starken Einsatz von gezielten Stilmitteln ist das Bild nur schwer zu beurteilen. Vor allem der sehr tief gewählte Kontrast sorgt immer wieder dafür, dass Details im Schwarz verloren gehen, was aber wahrscheinlich vom Regisseur gewollt war. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 und dts ist sehr sauber abgemischt und sorgt auch durch den gezielten Einsatz der Effektlautsprecher immer wieder für zusätzlich Atmosphäre.

Extras gibt es reichlich auf der DVD zu finden. Hierzu gehören unter anderem zwei Audiokommentare mit einer Vielzahl Verantwortlicher hinter der Kamera. Es folgen 7 nicht verwendete Szenen mit einer Laufzeit von rund 12 Minuten. Es folgen 2 recht oberflächliche Interviews mit den Darstellerinnen Kristen Bell und Christina Milian und ein vergleichbar seichtes Making Of, das nur wenig über die Entstehung des Films Preis gibt. Wesentlich interessanter gestaltet sich da schon "Die visuellen Effekte in Pulse", wo in knapp 6 Minuten einzelne Effekte aufgeschlüsselt werden. Bei "Reale paranormale Phänomene" ist der Titel Programm, hier wird aber nur ein sehr flüchtiger Blick auf das Thema geworfen. Es folgen noch 4 Texttafeln mit Produktionsnotizen, ein Musikvideo zum Film, eine Fotogalerie sowie TV-Spots und Trailer.

Fazit:
"Pulse" kann bei den Auftritten der Geister punkten, versagt aber jämmerlich in Punkto Erzählfluss und Charakterisierung. Zusammen mit den wirklich haarsträubend dummen Einfällen im Skript bietet sich der Film nicht dafür an, für gute Gruselstimmung zu sorgen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
84:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Jim Sonzero und Special Effects Designer Gary Tunnicliffe
  • Audiokommentar mit den Produzenten Mike Leahy und Joel Soisson, Visual Effects Supervisor Kevin O'Neal, Cutter Kirk Morri, Line Producer Rom Vecchiarelli und Schauspieler Samm Levine
  • Deleted Scenes
  • Musicvideo "Denied" von Sonic Syndicate
  • Interviews
  • Making Of
  • Die visuellen Effekte in Pulse
  • Reale paranormale Phänomene
  • Produktionsnotizen
  • Fotogalerie
  • TV-Spots und Trailer
Pulse - Du bist tot bevor du stirbst - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Pulse - Du bist tot bevor du stirbst
Pulse

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Was nutzt der beste Geisterauftritt, wenn die Geschichte drum herum so dämlich ausgearbeitet ist


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006
Regie:
Jim Sonzero
Drehbuch:
Wes Craven, Ray Wright (basierend auf dem Drehbuch von Kiyoshi Kurosawa)
Darsteller:
Kristen Bell, Ian Somerhalder, Christina Milian, Rick Gonzalez, Samm Levine, Jonathan Tucker, Ron Rifkin, Zach Grenier

Label Deutschland :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
06.07.2007