 |
DVD-Besprechung - Razorback - Kampfkoloss der Hölle (Uncut Special Edition)
Story:
Ein wild gewordener Razorback, ein riesiges Wildschwein, terrorisiert die australischen Outbacks. Eines seiner Opfer ist der Enkel von Jake Cullen (Bill Kerr), der sich anschließend für den Tod des Kindes vor Gericht verantworten muss, am Ende allerdings freigesprochen wird. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, den Razorback zu jagen und diesen für seine Tat zur Strecke zu bringen. Unterstützung findet er bald in Carl Winters (Gregory Harrison), dessen Frau während einer Reportage für das Fernsehen spurlos verschwunden ist.
Meinung zum Film:
"Razorback" ist der erste Film von Regisseur Russel Mulcahy, der später mit Filmen wie "Highlander" und "Ricochet - Der Aufprall" Erfolge verzeichnen konnte. Entstanden ist "Razorback" in Australien, dessen wilde Schönheit Mulcahy perfekt eingefangen hat. Mit stimmungsvoll ausgeleuchtetem Nachtnebel, malerisch eingefangenen Sonnenuntergängen und der unendlich erscheinenden Weite der Outbacks, die nur von vereinzelten Hügelformationen unterbrochen werden, bietet die wunderschöne Landschaft Australiens einen herrlichen Kontrast zu den weniger schönen Ereignissen im Film.
Dabei ist es aber weniger der Razorback, der für den allgemeinen Schrecken sorgt, als vielmehr die freakigen Personen im Film. Allen voran die verrückten Leute von der Schweineschlachterei, die wie eine wild gewordene Horde Freaks aus den "Mad Max"-Filmen erscheint und deren Behausung den gleichen Charme versprüht wie die heimischen vier Wände von "Leatherface" im texanischen Kettensägenmassaker. Und dies ist dann auch ein wenig das Problem im Film, da man zwei Stilrichtungen präsentiert bekommt. Auf der einen Seite gibt es den Tierhorror, in dem Wildschweine die Bedrohung darstellen. Auf der anderen Seite trifft eine durchgeknallte Horde Endzeitfreaks auf das Publikum, die eine ganz andere Art Unterhaltung darstellen und im Genre des Tierhorrors vollkommen fehl am Platze sind. Es ist nicht sonderlich stimmungsfördernd, sich auf beide Handlungsstränge einlassen zu müssen und ständig zwischen Endzeitstimmung und Tierhorror wechseln zu müssen.
Der Kern der Geschichte ist aber ohne jeden Zweifel die Jagd nach dem Riesenkeiler. Auch wenn die Suche von Carl nach seiner Freundin als Leitmotiv präsentiert wird, ist es der verbitterte Kampf von Jake gegen den Erzfeind, der sein Leben zerstörte, um den es im Film geht. Dabei handelt es sich um eine Variation der aus dem Ernest-Hemingway-Roman "Der alte Mann und dem Meer" bekannten Story, in der ein Mensch um jeden Preis und mit selbstzerstörerischer Antriebskraft versucht, die aus der Tierwelt stammenden Dämonen zu erledigen, damit er endlich seinen inneren Frieden finden kann. Wäre nicht die ganze Endzeitstimmung mit hineingekommen, der Film wäre sicherlich ein sehr guter geworden. So wie er ist, lenken die teils sehr albernen Momente mit den Freaks vom Schweineschlachthof doch zu sehr ab, um sich auf den guten Teil der Geschichte vollends einlassen zu können. Die teils recht billigen Effekte, vor allem mit den Großaufnahmen des Razorbacks und die stellenweise sehr billig wirkende deutsche Synchro hätten noch verziehen werden können, die Ausfälle mit dem Storymix leider nicht.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wurde im Vergleich zur ersten Auflage aufgebessert. Von dem in der alten Auflage deutlichen Rauschen ist nicht mehr viel zu sehen. Lediglich die Farben wirken manchmal ein klein wenig übertrieben stark. Der deutsche Ton wurde in seinem ursprünglichen Dolby Digital 2.0 in Mono belassen, der auch schon bei der der ersten Auflage ganz ordentlich war.
Als Bonus gibt es auf der ersten DVD wie bei der Auflage aus 2005 den Trailer zum Film sowie eine Filmo- und Biografie zu Russel Mulcahy. Mehr Extras gibt es auf der separaten Bonus-DVD zu finden. Neben 4 nicht verwendeten Szenen mit einer Spieldauer von etwas über 2 Minuten findet sich hier ein rund 70-minütiges Making Of zum Film, in dem Besetzung und Stab noch einmal sehr ausführlich auf die Dreharbeiten und die Entstehung des Films zurückblicken. Diese sehr interessante Retrospektive liegt allerdings nur in englischer Sprache ohne deutsche Untertitel vor, wodurch diese nur dann einen Mehrwert ergibt, wenn man der englischen Sprache mächtig ist. Abschließend befindet sich auf der DVD noch eine Trailershow zu weiteren Tierhorrorfilmen von e-m-s. Das beiliegende Booklet beschäftigt sich ausführlich mit dem Filmen und den Künstlern und bietet außerdem noch einige alternative Postermotive zum Film. Das Doppel-DVD-Set wird im Amaray mit Schuber ausgeliefert.
Mit der Special Edition wird der Film zum ersten Mal in seiner ungekürzten Version präsentiert. Die Kürzungen waren allerdings nicht sonderlich schwerwiegend. So gibt es unter anderem einen kurzen Dialog gleich zu Beginn zwischen der Reporterin und ihrem Freund und ein paar Blutspritzer mehr beim finalen Kampf gegen den Keiler. Die längste Kürzung betraf eine versuchte Vergewaltigung der Reporterin, die nun vollständig zu begutachten ist. Die in der ursprünglich gekürzten Version fehlenden Szenen sind im englischen Original mit optionalen deutschen Untertiteln eingefügt worden.
Fazit:
Man nehme Ernest Hemmingways "Der alte Mann und das Meer", tausche den Ozean gegen die australischen Outbacks und den Schwertfisch gegen einen riesigen Keiler und mische eine große Portion "Mad Max" bei, ein klein wenig "Texas Chainsaw Massacre"-Stimmung - fertig ist "Razorback" nebst der Erkenntnis, dass zu viel Zutaten schnell zu leichten Geschmacksverirrungen führen können. Wer das Ergebnis mag und zusätzlich der englischen Sprache mächtig ist, sollte sich unbedingt die Special Edition zulegen, da diese durch das interessante Bonusmaterial im Vergleich zur alten Auflage deutliche Vorteile hat.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,40:1
|
90:50 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Bio-/Filmografie zu Russel Mulcahy
- Originaltrailer
- Jaws on Trotters: The Making of Razorback
- Deleted Scenes
- Tierhorror-Trailer-Special
- Booklet mit Hintergrundinformationen
|
|  |
Razorback - Kampfkoloss der Hölle
Razorback
Der alte Mann und die Outbacks
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Australien, 1984 Regie: Russel Mulcahy Drehbuch: Everett De Roche (nach dem Roman von Peter Brennan) Darsteller: Gregory Harrison, Arkie Whiteley, Bill Kerr, Chris Haywood, David Argue, Judy Morris, John Howard
Label :
e-m-s
Verleihstart : 15.02.2007 Verkaufsstart : 15.02.2007
Vertrieb :
Impuls Home Entertainment
Verleihstart : 15.02.2007 Verkaufsstart : 15.02.2007
|