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DVD-Besprechung - Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?
Story:
Giacomo Solaris (Franco Nero) sorgt mit seinem neuesten Film für reichlich Unmut in der Politik, da er relativ offen Oberstaatsanwalt Traini (Marco Guglielmi) der Korruptheit und Tatenlosigkeit bezichtigt. Trainis Frau Antonia (Françoise Fabian) nimmt Kontakt zu Giacomo auf, um ihn davon zu überzeugen, dass ihr Mann nicht der korrupte Politiker ist, als der er hingestellt wird und dass der Film negative Auswirkungen auf das Leben ihrer Familie hat. Doch der Regisseur ist sich seiner Sache sicher und führt Antonia zu Zeugen, welche die Schuld Trainis belegen können. Als der Staatsanwalt eines Morgens bei einem Attentat ums Leben kommt, verändert sich die Situation allerdings schlagartig und Solaris beginnt eigene Nachforschungen nach dem Hintergrund zu dem Mord anzustellen.
Meinung zum Film:
Regisseur Damiano Damiani ("Nobody ist der Größte") war in den 70er- und 80er-Jahren einer der großen, öffentlichen Kritiker der Verstrickungen zwischen Teilen der italienischen Regierung und dem organisierten Verbrechen in Italien. 1968 legte er mit "Der Tag der Eule" den Grundstein für eine ganze Reihe Politthriller, die mit Filmen wie "Das Verfahren ist eingestellt: Vergessen Sie's!", "Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert" und nicht zuletzt mit der erfolgreichen TV-Serie "Allein gegen die Mafia" die Korruptheit der Politik thematisierten. Die Aussagen der Filme waren stets darauf ausgelegt, die Hilflosigkeit im Kampf gegen Bestechung und kriminellen Verstrickungen bei hohen Beamten zu präsentieren, in deren Zug sich aber auch die scheinbar ehrbaren Helden ab einer gewissen Stufe selbst mit dem maroden System arrangierten. Der Ausgang seiner Film lies selten Platz für Optimismus, da meist ein düsterer Schatten über den vermeintlichen Helden lag, die am Ende oftmals selbst nicht mehr wussten, ob sie wirklich besser als die Täter sind, die sie verfolgten.
Die Hauptrolle in "Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?" hat wie oft bei Damiani-Filmen Franco Nero inne, der spätestens seit seiner Rolle als Sargträger "Django" zu den Kultfiguren des italienischen Kinos zählt. Die Rolle des aufrechten Filmemachers, der voller Überzeugung den Finger in die Wunden der Nation legt und schonungslos seine Anschauung über die Korruption der Mächtigen legt, ist ihm wie auf den Leib geschnitten. Doch mit der Zeit muss auch er erkennen, dass er selbst immer mehr in ein Geflecht gerät, wo er nicht mehr nur ein außenstehender Betrachter ist, sondern selbst Teil dieser Verstrickungen. Spätestens dadurch, dass er durch den Erfolg des Filmes selbst den Durchbruch schafft und mit dem Tod des Staatsanwaltes diesen Erfolg noch einmal steigern kann, wird er selbst zu einem Rädchen in dem System, das er eigentlich anzuprangern dachte. Besonders tragisch gerät dabei die Tatsache, dass Traini den im Film gezeigten gewaltsamen Tod stirbt, was von vielen, wenn nicht als Aufforderung, dann doch zumindest als Legitimierung der Tat angesehen wird. Die Auflösung der Hintergründe ist allerdings weitaus weniger tief schürfend als zu Beginn vielleicht erwartet, hinterlässt Solaris aber mit der Gewissheit, am Tod eines Menschen beteiligt gewesen zu sein, wenn auch nur als hilflose Marionette in einem teuflischen Plan.
Wer die herausragenden Filme Damians kennt und liebt, wird von "Der Terror führt Regie", wie "Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?" bei seiner Videoauswertung hieß, sicherlich ein wenig enttäuscht sein. Es scheint, als hätte der Systemkritiker mit angezogener Handbremse gearbeitet, was am fehlenden Biss im Film zu erkennen ist. In der Mitte hat der Spannungsbogen zudem auch einen deutlichen Durchhänger, die Story scheint in diesem Moment nicht recht voranzukommen und tritt auf der Stelle. Es fehlt teilweise an neuen Erkenntnissen oder weiteren Motiven, die für zusätzliche Brisanz im angedeuteten Komplott sorgen könnten. Doch wenn dieses kurze Tal durchschritten ist, geht es zum Ende hin wieder temporeich weiter. Aber auch wenn nicht alles perfekt ist, die Bissigkeit der Kritik am System eher zahnlos ausfällt und der Film nur zu den eher durchschnittlichen Damiano-Damiani-Werken zählt, sollten Italo-Fans nicht zögern und zugreifen. Denn selbst ein durchschnittlicher Damiani ist dem Großteil der Italo-Politthriller immer noch überlegen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist vom einem stärkeren Rauschen geprägt und die Schärfe ist maximal durchschnittlich und wird in einigen Szenen von überstrahlenden Flächen noch weiter im Eindruck gesenkt. Verschmutzungen und Defekte sind allerdings keine zu erkennen, weswegen das Gesamturteil für einen eher kleineren Film, der wahrscheinlich kein allzu großes Publikum finden wird, durchaus gut ausfällt. Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 2.0 in Mono vor und abgesehen von leichten Zischlauten bei hohen Tönen gibt es nichts daran auszusetzen.
Als Extra gibt es lediglich den Trailer zum Film.
Mit dem Covermotiv der DVD tut man sich bei Ascot Elite keinen großen Gefallen, da dieses einen Wühltischcharakter aufweist und dadurch eher abschreckt als zum Spontankauf verleitet. Warum hier nicht auf eines der verschiedenen, sehr schön gezeichneten Covermotive zum Film zurückgegriffen wurde, ist unverständlich.
Fazit:
"Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?" hat zwar nicht ganz den Biss der großen Damiani-Filme, ist aber bei weitem nicht so billig wie es das Covermotiv vermuten lässt und sorgt für gute Italo-Politthriller-Unterhaltung, die sich Freunde dieser Art Film auf gar keinen Fall entgehen lassen sollten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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106:11 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?
Perché si uccide un Magistrato?
Ein relativ zahmer Damiani, der aber dennoch gut zu unterhalten weiß
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1974 Regie: Damiano Damiani Drehbuch: Damiano Damiani,Enrico Ribulsi Darsteller: Franco Nero, Françoise Fabian, Renzo Palmer, Mico Cundari, Marco Guglielmi, Giorgio Cerioni
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 28.02.2007
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