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DVD-Besprechung - Wicker Man

Story:
Bei einem tragischen Unfall musste Streifenpolizist Edward Malus (Nicolas Cage) mit ansehen, wie eine junge Frau und ihre kleine Tochter in ihrem Auto verbrannten. Während der daraus resultierenden Auszeit von seinem Job erhält er ein Schreiben von einer alten Freundin (Kate Beahan), die ihn bittet, auf die private Insel Summersisle zu kommen, um dort nach ihrer Tochter zu suchen. Edward macht sich auf den Weg und wird gleich bei seiner Ankunft mit der ablehnenden Haltung der überwiegend weiblichen Inselbewohner konfrontiert. Auch bei seinen Nachforschungen trifft er nur auf eine Wand des Schweigens, hinter der sich allerdings ein großes Geheimnis verbirgt.

Meinung zum Film:
"Wicker Man" von Neil LaBute ("Besessen") ist das Remake des eher unbekannten, gleichnamigen Filmes aus dem Jahre 1973 von Robin Hardy. Die Grundstimmung des Filmes baut zu einem großen Teil auf den mysteriösen, zurückgezogen lebenden Menschen der Insel und den immer wiederkehrenden Albträumen von Edward auf. Es wird ziemlich schnell klar, dass die wie die Amish lebenden Menschen auf der Insel ein Geheimnis verbergen und es kommt der Verdacht auf, dass die Visionen und Albträume, die Edward mit längerer Verweildauer auf der Insel hat, ebenfalls in Verbindung mit diesem Geheimnis zu stehen scheinen. Mit Angelo Badalamenti wurde David Lynchs Haus-und-Hof-Komponist verpflichtet, der unter anderem bei "Twin Peaks" dafür sorgte, dass die mysteriöse Stimmung der Bilder durch die Klänge in ihrer Wirkung verstärkt wurden.

Man sollte also meinen, dass der Film ausreichend gute Voraussetzungen mit sich bringt, um für spannende rund 97 Minuten zu sorgen. Zumal mit Nicolas Cage ("Lord of War") ein Hauptdarsteller im Film zu sehen ist, der über die notwendige Leinwandpräsenz verfügt, um einen Film tragen zu können. Doch so gut die Zeichen auch bei Drehbeginn gestanden haben mögen, so schlecht, langatmig und letzten Endes auch frustrierend präsentiert sich der Film dem Publikum. Anstatt sich ein wenig auf das Tempo und die Spannung zu konzentrieren, verlieren sich die Protagonisten immer wieder in äußerst langatmigen und streckenweise belanglosen Gesprächen. Spannungsmomente können selten über einen längeren Zeitrahmen aufrecht erhalten werden, da schon recht bald eine Ablösung durch die nächste, ruhige Sequenz folgt.

Mindestens genauso fatal auf die Wirkung des Filmes wie sein Tempo und die weitestgehend fehlende Spannung sind auch die überdeutlichen Schwächen und Fehler im Drehbuch. So scheint es Edward nicht weiter aufzufallen, dass die Insel fast nur von Frauen bewohnt wird. Dafür verhält er sich dann in einer Schulklasse mit kleinen Mädchen wie Dirty Harry und trotz bekannter Bienenallergie hält er es nicht für notwendig, das Mittel zur Behandlung von Bienenstichen stets bei sich zu tragen, obwohl der Haupterwerb auf der Insel die Bienenzucht ist. Das größte Problem ist aber eindeutig der Grundplot, der gegen Ende den mysteriösen Teil komplett fallen lässt, indem er die Visionen Edwards gar nicht mehr beachtet. Dabei waren es gerade diese, die einen großen Teil der mystischen Grundstimmung ausmachten. Der Ausgang ist dann das Sahnehäubchen und dürfte auch den letzten verzweifelt in die Tischkante beißen lassen. Ganz zum Schluss beweist LaBute, dass er selbst beim Epilog kein Gespür fürs richtige Tempo hat. Nach wenigen Sekunden ist klar, was passieren wird, doch anstatt es kurz, knapp und effektiv zu halten, gerät die Szene auch hier wieder in eine quälend lange Sequenz, bevor die Schlusspointe präsentiert wird, die schon Minuten vorher jedem klar gewesen sein durfte. Allerdings wird es so manchen geben, der diesen letzten misslungenen Kunstgriff gar nicht mehr mitbekommt, weil er bereits gelangweilt abgeschaltet hat.

Digitale Aufarbeitung:
Beim Bild fällt auf, dass dieses über die gesamte Spielzeit von feinem Rauschen begleitet wird und die Schärfe nicht immer ganz optimal zu sein scheint. Teilweise neigen helle Flächen auch zum Überstrahlen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist klar abgemischt und bietet auch den ein oder anderen Effekt im hinteren Bereich.

Als Extra gibt es lediglich einen Audiokommentar mit einigen Mitgliedern der Crew und den Trailer zum Film.

Fazit:
"Wicker Man" hat einige gute Ansätze, die über diesen Status allerdings nie hinaus kommen. Regisseur/Drehbuchautor Neil LaBute hat es nicht verstanden, ein angemessenes Verhältnis zwischen Dialog, Tempo und Spannung zu finden und lässt am Ende auch noch den mystischen Teil der Handlung fallen, der bis dahin zumindest teilweise zu fesseln wusste.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,40:1
2,40:1
97:51 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur Neil Labute, den Schauspielerinnen Leelee Sobieski und Kate Beahan, Cutter Joel Plotch und Kostümdesignerin Lynette Meyer
  • US-Trailer
Wicker Man - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Wicker Man
The Wicker Man

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein misslungenes Remake mit nur mäßiger Spannung und schlecht ausgearbeitetem Plot


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / USA, 2006
Regie:
Neil LaBute
Drehbuch:
Neil LaBute (basierend auf dem Drehbuch von Anthony Shaffer)
Darsteller:
Nicolas Cage, Ellen Burstyn, Kate Beahan, Frances Conroy, Molly Parker, Leelee Sobieski, Diane Delano, Michael Wiseman, Erika-Shaye Gair

Label Deutschland :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart Deutschland :
09.03.2007