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DVD-Besprechung - American Nightmare

Story:
Für viele sind die Horrorfilme aus der Zeit der späten 60er bis hin zu den frühen 80ern oftmals nicht mehr als bloße Gewaltarien, die mit effekthascherischen und abstoßenden Bildern über inhaltliche Schwächen hinwegtäuschen wollen. Doch was sagen die Regisseure selbst zu diesen Vorwürfen? Adam Simon sprach mit den wichtigen Horror-Regisseuren dieser Zeit und entlockte ihnen dabei allerhand informative Dinge. Des Weiteren kommen Universitäts-Professoren zu Wort, die ebenfalls so manches zu der Thematik beitragen können.

Meinung zum Film:
Filme wie "Zombie - Dawn of the Dead", "Kettensägen-Massaker" oder "Last House on the Left" sind anerkannte Klassiker des modernen Kinos, die in Deutschland allerdings von den zuständigen Behörden verkannt wurden und hierzulande auf der Liste der beschlagnahmten Medien landeten, wodurch der Handel mit diesen Filmen verboten ist. Gerade am Beispiel "Dawn of the dead" ist mehr als deutlich zu erkennen, wie weit staatliche Regulierung und Kunst auseinander gehen: Während der Film in Deutschland als gewaltverherrlichend verboten wurde, ist er im New Yorker "Museum of Modern Art" Bestandteil der ständigen Sammlung. Vielleicht hätten sich die deutschen Staatsanwälte den Film im gesamten Kontext ansehen müssen, um ihn verstehen zu können. Evtl. hätte es aber schon gereicht, sich "American Nightmare" anzusehen, wo Romero selbst über seinen Film berichtet.

Doch die Dokumentation versucht nicht unbedingt, die Gewalt in den Filmen zu rechtfertigen, oder gar zu verharmlosen. Sie zeigt vielmehr die Intentionen der Regisseure, die sie zu ihren Filmen bewegte. So war es z.B. bei Romero die immer größer werdende Konsumsucht der Menschen und das Abstumpfen der Gesellschaft, das ihn zum Teil zu seinem Skript inspirierte. Tom Savini, der neben den blutigen Effekten bei "Zombie" auch zu Filmen wie "Maniac" die Make-Up-Effekte beisteuerte, berichtet darüber, wie seine Arbeiten ein Ventil für die Gewalt waren, die er selbst im Vietnam-Krieg tagtäglich zu sehen bekam. Tobe Hooper erinnert sich, wie er, geprägt von den Horrorgeschichten, die ihm in seiner Kindheit erzählt wurden, die Idee zu "Kettensägen-Massker" bekam, als er in einem überfüllten Baumarkt eine Kettensäge sah. Hinzu kommt seine sicherlich nicht ganz ernst gemeinte Abneigung gegenüber Familienfeiern. Regisseur David Cronenberg erzählt an Hand seines "Shivers - Parasitenmörder" von der Aufgabe gesellschaftlicher Zwänge zu Gunsten von freier Triebauslebung, der man mit zwiespältiger Meinung begegnen kann. Das Hippie-Tum lässt in diesen Momenten grüßen. Last but not least gibt sich John Carpenter ein wenig erstaunt darüber, dass er durch seinen "Halloween" zur Sitthaftigkeit der Jugend aufrief, da Teenager mit außerehelichen Gelüsten dem Killer zum Opfer fielen.

Neben den Regisseuren erzählen aber auch drei Professoren anerkannter Universitäten über die Stärken der Filme und dass die Gewalt zwar ohne jeden Zweifel da und teilweise auch recht hart ist, aber dennoch einen Sinn im Kontext ergibt und teilweise sogar notwendig ist, um Wirkung zu erzielen. Filmemacher Adam Simon nutzt in seiner Dokumentation Szenen aus den genannten Filmen, die an sich stellenweise recht hart und brutal wirken, in Verbindung mit den Worten der Filmemacher und der Gelehrten aber teilweise eine ganz andere Sichtweise zulassen. Ein Wunder, dass "American Nightmare" eine Freigabe durch die FSK erlangen konnte, da es u.a. auch diese Szenen waren, die zur Beschlagnahmung der einzelnen Filme durch Staatsanwälte reichten. Die Diskussion zwischen den gegensätzlichen Parteien, welche die einzelnen Werke als gewaltverherrlichend und gewaltanregend betrachtend, sowie den Liebhabern der Filme, die in ihnen einen durchaus tieferen Sinn oder auch nur filmische Unterhaltung erkennen und die Gewalt als Stilmittel im Kontext betrachten, wird die Dokumentation sicherlich nicht beenden. Dafür bietet sie aber einen sehr guten und äußerst interessanten Blick aus den Augen der Regisseure, der jeden Freund der Horrorfilme aus der damaligen Zeit allerbeste Unterhaltung bietet.

Digitale Aufarbeitung:
Bild und Ton sind für eine Dokumentation absolut ausreichend und bieten keinen Grund zum Klagen.

Die Extras können bei der Qualität der Dokumentation nicht ganz mithalten. Es gibt einige Texttafeln mit Biografien, englische Texttafeln zum modernen Horrorfilm und ein Splatter-Gedicht. Am interessantesten ist ein rund 10-minütiger Bericht über eine öffentliche Aufführung von dem "Deutschen Kettensägen-Massker", bei dem auch einige Ausschnitte aus dem Film zu sehen sind.

Fazit:
"American Nightmare" ist ein sehr interessanter und äußerst informativer Blick auf die Blütezeit des Horrorkinos rund um die 70er-Jahre. Regisseure und Professoren erzählen über die Hintergründe von Filmen, unterstützt von reichlich Ausschnitten. Wer die entsprechenden Filme mag, sollte sich diese Dokumentation nicht entgehen lassen!

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
71:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Biografien der Regisseure
  • Stellenlektüre Kulturtechnik Splatterfilm
  • Bodies that Splatter: Das deutsche Kettensägenmassaker
  • Bodies that Splatter: Symposium
  • Trailer zum Film
American Nightmare - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
American Nightmare
The American Nightmare

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Der schmale Grat zwischen Gewaltverherrlichung und Kunst


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Kanada, 2000
Regie:
Adam Simon
Drehbuch:
Adam Simon
Darsteller:
John Carpenter, Wes Craven, David Cronenberg, Tobe Hooper, John Landis, George A. Romero, Tom Savini

Label Deutschland :
Epix
Verkaufsstart Deutschland :
12.05.2007