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DVD-Besprechung - Angst
Story:
Ein Gewalttäter (Erwin Leder) ist nach einer 10-jährigen Haftstrafe wegen Mordes gerade erst aus dem Gefängnis entlassen worden. Doch anstatt ein besseres Leben zu beginnen, gibt er sich gleich ohne jede Gegenwehr dem inneren Zwang hin, wieder Töten zu müssen. Eher zufällig entscheidet er sich für seine Tat für ein abgelegenes Haus, in dem er eine Familie für seine sadistischen Fantasien in seine Gewalt bringt.
Meinung zum Film:
Es gibt immer wieder Filme, die mit ihrer realistischen Darstellung von Gewaltverbrechen erreichen, dass man mit der üblichen Denkweise "..ist ja alles bloß ein Film..." erhebliche Probleme bekommt. John McNaughtons "Henry - Portrait of a serial killer" ist einer dieser Vertreter, da dieser den Serienkiller zum eigentlich Sympathieträger aufbaut. Michael Hanekes "Funny Games" ist in dieser Hinsicht aus einem anderen Grund erwähnenswert, da dieser menschenverachtende Terror-Spiele mit Hilflosen in einer derart abstoßenden Weise präsentiert, dass man das Leid und den psychischen Druck fast schon selbst miterlebt. Was die Film zu etwas besonderem macht ist die Tatsache, dass sie beide zwar Gewaltthemen darstellen, diese aber nicht mit selbstverherrlichenden Bildern, sondern mit einer für das Geschehen notwendigen Dosierung versehen. Der 1983 in Österreich entstandene "Angst" reiht sich nahtlos in die Reihe der verstörenden und beklemmenden Filme ein und verbreitet ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
Erreicht wird dies vor allem durch die Tatsache, dass man jeden einzelnen Gedanken des Killers verfolgen kann, da diese klar und deutlich aus dem Off ertönen. Der Regisseur lässt zu keiner Sekunde die Frage offen, ob man Sympathien für den Mörder verschwenden soll. Denn es ist immer zu hören, wie er sich dem Zwang zu töten hingibt und anstatt Zweifel an seinem Handeln anzubringen, sucht er nur nach weiteren Möglichkeiten, einem Menschen Leid anzutun. Stellenweise erinnern die Gedanken ein wenig an die mitreißende Rede des Kinderschänders aus Fritz Langs "M - Eine Stadt sucht einen Mörder", der von einem inneren Zwang redet, der ihn zum töten treibt. Doch wo Peter Lorre mit den Worten "Ich will nicht - ich muss" durchaus Mitleid beim Zuschauer wecken kann, denkt der Killer in "Angst" nach den Worten "Ich muss es einfach" ruhig und gelassen weiter, dass er es natürlich tun wird, sich diesmal aber nicht erwischen lassen würde.
In dem Moment, wo der Täter in das Leben der Familie eindringt und seinem gewalttätigen Trieb freien Lauf lässt, ist man als Zuschauer geschockt. Das zielstrebige Zuschlagen, das brutale Handeln, die geweiteten Pupillen wie in einem Drogenrausch, führen einem vor Augen, wie schnell aus einem durchschnittlichen Leben ein terrorvolles und quälendes Ende werden kann. Man fühlt sich stellenweise paralysiert durch die emotionslose Art des Täters bei seinen Taten und es ist sensiblen Charakteren auf gar keinen Fall zu empfehlen, sich den Film anzusehen, da dieser sie wahrscheinlich noch nächtelang in den Träumen verfolgen wird. Es ist dabei nicht einmal die grafische Gewalt, die ohnehin relativ gering ausfällt, als vielmehr die Art, wie die Aktionen kommentiert werden. Bemerkenswert sind die Bilder, die Regisseur Gerald Kargl mit seiner Kamera einfängt. Ähnlich ruhelos wie aus den Filmen Dario Argentos bekannt, schwebt die Kamera durch die Lüfte und fängt Handlung und Kulissen gehäuft aus der Vogelperspektive ein. Die Klasse Argentos erreicht er dabei ganz sicherlich nicht, doch die verspielte und ansprechende Art mit der Kamera umzugehen ist schön anzusehen. Wer den psychischen Terror aushalten kann, sollte sich "Angst" auf keinen Fall entgehen lassen.
Digitale Aufarbeitung:
Da es sich bei "Angst" um eine kleine Produktion handelt, sollte man vom Bild keine Wunder erwarten. Doch abgesehen von einer deutlichen Grobkörnung gibt es keinen wirklich störenden Kritikpunkte. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 Mono ist die meiste Zeit über klar verständlich, gerät aber ab und an schon mal sehr dumpf.
Als Extras gibt es einen netten Kurzfilm mit dem Titel "Zielgerade", Texttafeln mit einer Biografie zu Hauptdarsteller Erwin Leder, ein Text-Interview mit Regisseur Gerald Kargl und einem Text-Artikel über "Angst". Es folgen Bildergalerien zu Erwin Leder, Werbematerialien und Presseartikeln und abschließend gibt es noch zwei Trailer zum Film. Mit Jörg Buttgereit ("Nekromantik", "Der Todes-King") spricht der wohl bekannteste Amateur-Untergrund-Filmer Deutschlands ein Vorwort zum Film, von dem aus man auf Wunsch auch gleich seine Biografie abrufen kann.
Fazit:
"Angst" ist ein recht verstörender Film, der durch seine Art, einen Gewaltverbrecher zu portraitieren ein flaues Gefühl im Magen erzeugt und von dem man sensiblen Menschen nur abraten kann. Wenn man mit dem Thema umgehen kann, sollte man sich das Werk jedoch auf keinen Fall entgehen lassen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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75:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Kurzfilm "Zielgerade!"
- Trailer
- Erwin Leder Biografie und Bilder
- Interview mit dem Regisseur
- Angst-Artikel
- Galerie und Presse
- Vorwort von Jörg Buttgereit
- Biografie von Jörg Buttgereit
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Angst
Angst
Die schockierende und abstoßende Faszination des Grauens
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Österreich, 1983 Regie: Gerald Kargl Drehbuch: Gerald Kargl, Zbigniew Rybczynski Darsteller: Erwin Leder, Rudolf Götz, Silvia Rabenreither, Edith Rosset
Label :
Epix
Verkaufsstart : 16.01.2006
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