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DVD-Besprechung - Boogeyman - Der schwarze Mann

Story:
Seit frühester Kindheit hat Tim (Barry Watson) Angst vor dem Dunkeln, denn sein Vater wurde von einer unbekannten Macht vor seinen Augen in den Wandschrank gezogen und tauchte nie wieder auf. Während Tim sich sicher ist, dass der Boogeyman seinen Vater geholt hat, geht der Rest der Welt davon aus, dass dieser sich einfach aus dem Staub machte. Als viele Jahre später seine Mutter (Lucy Lawless) stirbt, geht der mittlerweile zum jungen Mann herangewachsene zum ersten Mal wieder zurück in das alte Familienhaus, um sich den Ängsten der Vergangenheit zu stellen. Doch nicht nur Tim ist zurückgekehrt.

Meinung zum Film:
1980 drehte der deutsche Ulli Lommel nach seinem eigenen Drehbuch einen Film über den bösen, schwarzen Mann, der in den dunklen Ecken von Schränken und sonstigen schaurigen Winkeln auf seine Opfer wartet. Da er den Film in den USA drehte, benannte er diesen auch gleich nach dem amerikanischen Pendant des schwarzen Mannes - Boogeyman. Ein Vierteljahrhundert später nahm sich der durch sein Remake zu "Get Carter" bereits als Wiederverwerter in Erscheinung getretene Stephen T. Kay dem Thema an und schuf seine eigene Variante des unbekannten Grauens, das im Dunkeln lauert. Sein Ansatz ist dabei ein wenig anders als der von Lommel, das Ergebnis aber genauso zwiespältig wie das seines deutschstämmigen Kollegen.

Auf der Habenseite steht eindeutig die teilweise recht atmosphärisch dichte Stimmung in den Momenten, in denen ein Angriff aus den Schatten droht. Sehr schön zögert der Regisseur die Momente heraus und spielt auch recht gut mit der Erwartungshaltung des Publikums, das gespannt auf den Schockmoment wartet. Was die richtige Perspektive und das richtige Tempo für den Schock betrifft, versteht Kay durchaus sein Handwerk. Kaum wiederzuerkennen und absolut furchteinflößend setzt er z.B. Lucy "Xena" Lawless in Aktion, die in einem Alptraum Tims erscheint und durchaus das Potential hat, für schlaflose Nächte beim Zuschauer zu sorgen. Aber das war es dann auch schon mit den positiven Aspekten. An negativen Eindrücken gibt es eine Menge mehr, die nach dem Film noch auf das Publikum wirken. Vor allem die sehr dünne Story mit einem der albernsten Enden der Filmgeschichte ist ein ganz großes Problem. Gerade die Endlösung im Kampf gegen den schwarzen Mann ist so hirnrissig, dass man noch nicht einmal mehr darüber lachen kann.

Auch Hauptdarsteller Barry Watson ("Tötet Mrs. Tingle!") ist mit seinem steifen und blassen Spiel eher kontraproduktiv für die Stimmung und schafft es zu keiner Sekunde, eine Bindung zum Publikum herzustellen. Im Grunde ist es einem egal, ob der Boogeyman ihn nun in sein Reich holt oder nicht. Und wurde gerade noch das gute und durchdachte Kameraspiel erwähnt, muss man dem Cutter gleich das Prädikat "Hip, aber unbrauchbar" verpassen. Seine Schnitte sind teilweise derart schnell gesetzt, dass man den Szenen nur schwer folgen kann. Hinzu kommt der Einsatz eines leichten Zeitraffers in den actionlastigen Sequenzen, was endgültig zum leichten Verlust des Durchblicks und des Sehvergnügens führt. Unterm Strich bleibt zu vermelden, dass "Boogeyman" einige sehr gute Ansätze hat, es daraus aber nicht mal ansatzweise schafft, einen guten und unterhaltenden Film zu machen. Durch die teilweise gut eingefangenen Schockmomente ist die Zeit zwar nicht ganz vertrödelt, aber noch schneller als der Film zu Ende ist, hat man ihn auch schon wieder vergessen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen sehr guten Eindruck und hinterlässt zu keiner Sekunde das Gefühl, dass man Details auf Grund der Dunkelheit verpasst. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist sehr klar zu vernehmen und auch für den hinteren Bereich sind genügend Soundelemente verfügbar.

Die zweiteiligen Interviews gehen über reine Aussagen hinaus und tendieren schon recht stark in Richtung eines Making Ofs. Es folgen sechs nicht verwendete Szenen und ein alternatives Ende, das allerdings nur leicht von der verwendeten Version abweicht. Es gibt die Möglichkeit, sich drei Szenen in animierten Storyboards anzusehen, genauso wie vier Szenen in unterschiedlichen Spezialeffekt-Phasen. Abgerundet werden die Extras durch den Trailer zum Film.

Fazit:
"Boogeyman" ist schneller vergessen als ein Fast-Food-Burger verschlungen. Trotz einiger wirklich spannender Momente ist die Story so dünn, das Ende so lächerlich, die Schnittfolge und der Einsatz von Zeitraffern so nervend und Hauptdarsteller Barry Watson so blass, dass keine echte Gruselstimmung aufkommen möchte. Für den kurzen Gruselspaß zwischendurch ganz okay, mehr aber auch nicht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
85:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Stab und Besetzung
  • Geschnittene Szenen
  • Alternatives Ende
  • Storyboards
  • Spezialeffekte
  • Trailer
Boogeyman - Der schwarze Mann - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Boogeyman - Der schwarze Mann
Boogeyman

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Vor diesem schwarzen Mann braucht niemand ernsthaft Angst zu haben


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Neuseeland / USA, 2005
Regie:
Stephen T. Kay
Drehbuch:
Eric Kripke, Juliet Snowden, Stiles White
Darsteller:
Barry Watson, Emily Deschanel, Skye McCole Bartusiak, Tory Mussett, Andrew Glover, Lucy Lawless, Robyn Malcolm

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
08.09.2005