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DVD-Besprechung - Calvaire - Tortur des Wahnsinns
Story:
Der Alleinunterhalter Marc Stevens (Laurent Lucas), der sich seinen Lebensunterhalt in erster Linie durch Aufführungen in Altersheimen verdient, bleibt während einer Fahrt durch eine weit abgelegene Gegend mit dem Auto liegen. Durch den etwas mysteriös erscheinenden Boris (Jean-Luc Couchard) findet Marc eine nicht mehr betriebene Herberge, in welcher er übernachten kann. Doch die Gastfreundschaft von Besitzer Bartel (Jackie Berroyer) kommt nicht von ungefähr, da dieser seine ganz eigene Vision von dem Miteinander mit dem Reisenden hat.
Meinung zum Film:
Wer bislang dachte, dass verrückte Familien mit schrägen Lebensweisen ausschließlich in den tiefen Backwoods Nordamerikas beheimatet sind, wird sich durch "Calvaire" eines besseren belehren lassen müssen. Denn was der belgische Regisseur Fabrice Du Welz an Verhaltensmuster in seinem Film zeigt, lässt die schnellen Tode in Filmen wie "Texas Chainsaw Massacre" oder "Wrong Turn" fast schon wie eine Erlösung erscheinen. Die Protagonisten in seiner Belgisch-Französisch-Luxemburgischen Co-Produktion haben ihre ganz eigene Vorstellung vom Miteinander und das Martyrium, das Marc Stevens über sich ergehen lassen muss, ist ganz starker Tobak. Dabei ist es nicht unbedingt grafische Gewalt, welche den Zuschauer zu einem Unwohlsein in der Magengegend verhilft, sondern es sind vielmehr Demütigungen und seelische Qualen, die der Gepeinigte über sich ergehen lassen muss. In der Tradition von Filmen wie "Mann beißt Hund" oder "Funny Games" ändert das Zusammentreffen mit einem Fremden den liebgewonnenen Alltag des Protagonisten.
Trotz einer bizarren Überdrehtheit in vielen Aktionen ist es nicht möglich, die Geschehnisse auf Distanz zu halten. Sie packen den Zuschauer und halten ihn fest wie ein verstörender Albtraum, aus dem es kein Aufwachen gibt. Und immer wenn es den Anschein hat, als sei die Spitze des Zumutbaren erreicht, setzt der Regisseur durch einen neuen Twist in der Geschichte eine weitere, noch mehr schockierendere Begebenheit oben drauf. Die trostlos erscheinende Gegend, die einen schmutzigen Charakter besitzt und die Stille in der Landschaft, die nicht eine Sekunde von musikalischer Untermalung gestört wird, tragen ihren Teil dazu bei, dass das Ganze wie der Vorhof zu den Ringen aus Dantes "Göttlicher Komödie" wirkt, in dem irrlose Seelen nur noch auf die korrekte Zuteilung ihres Höllenkreises warten.
Doch so nahegehend und extrem die Bilder auch sind, so unfertig erscheint der Film als Ganzes. Das Ende kommt recht plötzlich und erscheint wie das abrupte Geweckt werden aus einem bösen Traum. Die Erzählung gerät recht langatmig und nimmt sich vor allem zu Beginn reichlich Zeit zum Aufbau der Charaktere. Dabei erzählt sie aber im Grunde gar nichts über die Personen selbst und hält sie damit auf eine gewisse Distanz. Eine Bindung zu Marc Stevens findet beim Publikum nicht statt, da über ihn nichts interessantes oder mögenswertes zu erfahren ist, seine Darstellung erfolgt zudem vollkommen emotionslos. Die Person des Bartel ist bei Weitem der interessanteste Charakter, aber mit laufender Spielzeit karikiert er sich selbst immer weiter und zusammen mit den Dorfbewohnern wird er zu einem animalischen Abbild eines Mannes, der nur noch von seinen Ur-Instinkten und Sehnsüchten angetrieben wird. Die Aufmachung des Filmes ist somit weitab von konventionellen Horror- und Thriller-Werken und hat einen eher experimentellen Charakter, der vielen durch seine emotionslose und distanzierte Art nicht gefallen wird. Wer allerdings Filme wie "Funny Games" oder "Mann beisst Hund" schon gemocht hat und vor drastischen Inhalten wie bei "Hostel" nicht zurückschreckt, wird ganz sicher auch von "Calvaire" begeistert sein.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist stellenweise stärker verrauscht und die Schärfe nicht sonderlich gut. Die Farben wirken blass, was aber durchaus ein gewollter Effekt des Regisseurs sein kann, um die Trostlosigkeit der Umgebung zu untersteichen. Der deutsche Ton ist sehr gut verständlich und nutzt ab und an auch den hinteren Bereich für Effekte.
Als Extra gibt es einen französischen Audiokommentar mit Regisseur Fabrice Du Welz, zu dem allerdings keine Untertitel vorliegen. Neben dem Trailer findet sich noch ein Making Of zum Film unter dem Bonusmaterial, in dem der Regisseur über seine Intentionen beim Dreh berichtet.
Fazit:
"Calvaire" ist ein sehr verstörender Film, der durch seine emotionslose Inszenierung, seine trostlose Stimmung und dem psychischen Terror an den Nerven des Zuschauers zehrt. Da das Tempo aber eher schleppend daherkommt und Spannung kaum vorhanden ist, sollte beim Betrachter schon ein gewisser Hang zu bizarren Stoffen mit experimentellen Charakter bestehen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,40:1
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87:37 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Französisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Regisseur Fabrice Du Welz
- Making of
- Trailer
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Calvaire - Tortur des Wahnsinns
Calvaire
Ein emotionsloser Schocker in trostlosen Bildern, dafür aber mit großer Intensität
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Belgien / Frankreich / Luxemburg, 2004 Regie: Fabrice Du Welz Drehbuch: Fabrice Du Welz, Romain Protat Darsteller: Fabrice Du Welz, Romain Protat
Darsteller:
Laurent Lucas, Jackie Berroyer, Jean-Luc Couchard, Philippe Nahon, Brigitte Lahaie, Marc Lefebvre, Alfred David, Alain Delaunois, Vincent Cahay
Label :
I-On New Media
Verkaufsstart : 29.09.2006
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