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DVD-Besprechung - Chasing : Sleep

Story:
Professor Ed Saxon (Jeff Bridges) ist mit den Nerven am Ende. Seine Frau ist ohne jede Spur verschwunden und auch die Polizei kann ihm bei der Suche nicht helfen. Hinzu kommt, dass er immer mehr das Gefühl für die Zeit verliert und ihm Stunden stellenweise wie Minuten vorkommen, während er unter starker Schlaflosigkeit leidet. Umso mehr Zeit vergeht, in der Ed keinen Schlaf finden kann, umso mehr verrennt er sich in wilde Theorien und beginnt zu halluzinieren.

Meinung zum Film:
"Chasing Sleep" ist der erste und bislang auch einzige Spielfilm von Regisseur und Drehbuchautor Michael Walker. Eigentlich schade, wenn man bedenkt, dass sich das Ergebnis durchaus sehen lassen kann, in der immer größer werdenden Mär an Mystery-Thrillern. David Lynch hat den Weg zu einem großen Teil mit Werken wie "Lost Highway" oder "Mulholland Drive" geebnet, unterstützt von Kollegen wie David Cronenberg ("eXistenZ"), und hat somit Filmemachern wie Brad Anderson ("The Machinist") das Feld vorbereitet. Bereits 2000 hat auch Michael Walker seinen Beitrag zum Genre abgeliefert, der nun auch in deutscher Sprache erhältlich ist und sich durchaus mit den bereits genannten messen kann. Er kann deren Qualität zwar nicht ganz erreichen, gehört aber zur gehobenen Klasse des Genres.

Seine Herangehensweise an die Erzählung seiner Geschichte ist extrem ruhig und sachte. Selbst die kleinsten Dinge scheinen ohne erkennbaren Grund eine große Bedeutung zu haben. Die Fragen, die sich stellen, lauten zum Beispiel, warum nehmen die beiden Polizisten, die zu unterschiedlichen Zeiten zu Ed ins Haus kommen, beide jeweils 2 Tabletten? Oder, was hat es mit dem Loch in der Decke auf sich? Auch die mit blutverschmiertem Gesicht auf dem Badezimmerboden liegende Studentin ist nicht unbedingt gleich einzuordnen. Die größte Frage sind aber ohne jeden Zweifel die zeitlichen Aussetzer, die man als Zuschauer genauso erlebt wie der Protagonist. In diesen Momenten kann alles passieren oder auch gar nichts. Genauso wie das Verschwinden von Eds Frau - hat sie ihren Gatten einfach nur verlassen, hatte sie einen Unfall oder hat letzten Endes Ed selbst etwas damit zu tun? Fragen, die einen den gesamten Film über nicht loslassen.

Obwohl die Handlung nur im Haus von Professor Saxon spielt, macht sich keine Sekunde Langeweile breit. Die Stimmung ist beklemmend und kommt fast gänzlich ohne düstere Musik aus. Zu Beginn ist die Angst Eds um das Leben seiner Frau fast greifbar und der folgende, langsame Wandel zum Wahn wird nachvollziehbar und greifbar dargestellt. Einen großen Anteil hieran hat auch Jeff Daniels ("Speed"), der dem Professor ein authentisches Antlitz verleiht und ihm im Wahn nicht der Lächerlichkeit preisgibt. Obwohl man nicht so recht weiß, ob er nicht doch etwas schlimmes getan hat, kann er sich des Mitleids der Zuschauer gewiss sein. Wo der Film dann allerdings doch ein wenig enttäuscht, ist bei seinem Ende. Bei Mystery-Thrillern liegt es zwar in der Natur der Sache, dass man sich viele Fragen selbst beantworten und die Indizien dafür zusammensuchen muss, doch Michael Walker übertreibt es in diesem Punkt ein wenig. Selbst mit etwas Abstand und reichlich Überlegen ist nicht alles zu erklären, was einen etwas faden Geschmack hinterlässt. Aber dennoch sollte man es sich nicht nehmen lassen, sich ein eigenes Bild von den Leiden Ed Saxons zu machen.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt von den Farben ein wenig blass und die Konturen nur durchschnittlich scharf. Insgesamt reicht es aber zu einem angenehmen Ergebnis, das einem Filmvergnügen nicht im Wege steht. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist klar verständlich, kommt aber eher selten aus dem hinteren Bereich, aber wenn die hintere Front genutzt wird, dann effektvoll. Der englische Ton ist mit deutschen Zwangsuntertiteln versehen und ein Wechseln bei der Tonspur und den Untertiteln ist nur über das Sprachenmenü möglich.

Als Extras gibt es lediglich einen Audiokommentar mit Regisseur Michael Walker und Set-Dekorateur Dan Ouellette, gefolgt von einer Fotogalerie, einer Biografie und ein paar Texttafeln, sowie dem Trailer zum Film. Aber immerhin bietet die deutsch untertitelte Kommentarspur ein wenig Hilfe bei dem Finden von Erklärungen für das Geschehen. Allerdings wird Walker nicht müde zu behaupten, dass es im Grunde offensichtlich ist, und jeder eigentlich genau weiß, was alles zu bedeuten hat. Einwürfe seines Set-Dekorateurs, dass er oftmals gefragt würde, was dies oder das eigentlich bedeutet, übergeht er dabei gerne.

Fazit:
"Chasing : Sleep" ist ein interessanter und fesselnder Mystery-Thriller, der mit einfachen, aber sehr effektiven Mitteln ohne jede Länge zu unterhalten weiß. Genau das Richtige, um sich auf interessante Art und Weise über 100 Minuten auf die Folter spannen zu lassen. Allerdings bleibt nach dem Abspann noch einiges im Dunkeln und lässt sich nur schwer aufklären.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
100:00 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch (mit Zwangs-
untertiteln
)

Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseur Michael Walker und Set-Dekorateur Dan Ouellette
  • Fotogalerie
  • Trailer
  • Biografien und Filmografien
Chasing : Sleep - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Chasing : Sleep
Chasing : Sleep

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Unheimlich, bewegend, düster, mitreißend, aber auch ziemlich offen


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Kanada / USA, 2000
Regie:
Michael Walker
Drehbuch:
Michael Walker
Darsteller:
Jeff Daniels, Emily Bergl, Gil Belows, Zach Grenier, Julian McMahon, Ben Shenkman, Molly Price, Patrick Moug, Jeff Solano

Label Deutschland :
Universal Pictures Germany
Verkaufsstart Deutschland :
02.02.2006