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DVD-Besprechung - Da waren's nur noch Neun

Story:
Eine illustre Schar Gäste wurde auf einem schlossähnlichen Anwesen, das sich mitten auf einem Plateau eines Berghangs befindet, geladen. Wie sich herausstellt, steckt hinter dieser Versammlung der mysteriöse I.R.Gendwer, der nur ein Ziel verfolgt - Gerechtigkeit. Denn allen 10 auf dem Anwesen befindlichen Personen wirft er vor, trotz eines Mordes ohne Bestrafung durch das Gesetz davongekommen zu sein. Für die gerechte Strafe möchte er nun sorgen, indem er die Schuldigen einen nach dem anderen ermordet, frei nach dem Abzählreim der "10 kleinen Negerlein".

Meinung zum Film:
Der Agatha-Christie-Roman "Ten little Indians" ist einer der erfolgreichsten und beliebtesten der britischen Krimi-Autorin. Aber genauso packend wie der Inhalt der Geschichte ist auch der Weg des Romans selbst. Als das Buch Ende der 30er Jahren auf den Markt kam, hatte es noch den Titel "10 little Niggers", was jedoch schon in der damaligen Zeit als höchst "political incorrect" angesehen wurde. So änderte man den Titel in den USA zu "And then there where none", während anderenorts von "Ten little Indians" die Rede war. Im Deutschen setzte sich die Version der "10 kleinen Zinnsoldaten" durch. Aber nicht nur der Titel oblag einer Änderung. Denn als das Buch noch im Erscheinungsjahr für die Theater-Bühne umgesetzt wurde, schrieb Miss Christie persönlich das eher wenig glückliche Ende ihres Buches in ein wesentlich freudigeres Happy End um.

Und dieses war es dann auch, das bei den Verfilmungen genutzt wurde, sieht man einmal von einer russischen Verfilmung und dem ohnehin vollkommen vermurksten "10 kleine Negerlein / Death on Safari" ab, der das Thema des Buches ohnehin sehr offen und wenig gelungen interpretiert. Regisseur George Pollock, der zuvor mit den ersten drei "Miss Marple"-Filmen mit Margaret Rutherford sein Geschick im Umgang mit Agatha-Christie-Stoffen unter Beweis stellte, brillierte auch mit seiner Version der "Ten little Indians". Gekonnt setzt er durch eine unheimliche Atmosphäre, dem Ausnutzen der Abgeschiedenheit des Schauplatzes und dem passenden Tempo für das Entfernen des jeweiligen Protagonisten, das jeweils durch ein zum Abzählreim passendes Ereignis hervorgerufen wird, ein unterhaltendes Stück Film vor, das sicherlich zu den besten Verfilmungen eines Agatha-Christie-Romans gehört.

Neben der spannenden Geschichte und der guten filmischen Umsetzung gehören sicherlich auch die Leistungen der Darsteller zu den Gründen für das spannende Filmvergnügen. Mario Adorf ("Der Schattenmann") als Butler, Marianne Hoppe ("Die seltsame Gräfin") als dessen Frau, Stanley Holloway ("Die seidene Schlinge") als schmieriger Detektiv, Leo Genn ("Moby Dick") als ehrenvoller General im Ruhestand, Shirley Eaton ("Goldfinger") als immer wieder ihre Unschuld beteuernde Frau, Daliah Lavi ("Casino Royal") als Filmsternchen, Dennis Price ("Theater des Grauens") als Arzt mit Alkoholproblem, Wilfrid Hyde-White ("Machen wir's in Liebe") als Richter mit nicht ganz weißer Weste, Fabian Forte ("Mr. Hobbs macht Ferien") als leichtlebiger Musiker und Hugh O'Brian ("Die zerbrochene Lanze") als amerikanischer Frauenheld passen in ihre Rollen und bieten sowohl als potentielle Opfer als auch als Täter hinreichend Futter. So wird in den rund 90 Minuten eine höchst interessante Mörderhatz gezeigt, bei der das Publikum herzlichst eingeladen ist mitzuraten, wer hinter den Morden steckt.

Digitale Aufarbeitung:
Auf dem Cover wird mit einer "erstklassigen Bildqualität durch aufwändig bearbeitetes Filmmaterial" geworben. Dadurch werden die Erwartungen natürlich recht hoch geschraubt und das Ergebnis kann diese dann letzten Endes nicht ganz erfüllen. Das Bild ist geprägt durch Rauschen; Verschmutzungen sind durchweg immer wieder zu erkennen und Unruhen im Bildstand stellen die wohl am meisten störende Begleiterscheinung dar. Es ist insgesamt betrachtet sicherlich nicht schlecht, doch wer mit erstklassiger Bildqualität wirbt, sollte diese auch liefern können. Denn selbst wenn man das Ergebnis mit anderen Produktionen aus den 60er Jahren vergleicht, wie etwa den gerade erschienenen Edgar-Wallace-Titeln, schneidet es nicht besonders gut ab. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 Mono ist recht sauber und bis auf leichte Verzerrungen in den Spitzen gibt es nichts zu bemängeln. Der englische Ton im selbigen Format ist qualitativ identisch.

Das Bonusmaterial fällt knapp aus - eine rund 1,5-minütige Slideshow mit Aushangfotos, sowie ein paar Infotafeln zu Cast & Crew sind das einzig vorhandene in diesem Bereich.

Fazit:
"Da waren's nur noch neun" ist ein sehr gut in Szene gesetzter Film nach einem der besten Romane Agatha Christies. Die stimmungsvollen Kulissen und die gut besetzten Rollen sorgen für spannendes Filmvergnügen. Die auf dem Cover versprochene, erstklassige Bildqualität kann zwar nicht ganz erreicht werden, doch reicht das Ergebnis immer noch aus, um eine klare Kaufempfehlung für Fans von Krimi-Spannung aussprechen zu könne.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
86:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Artwork-Galerie
  • Infos zu Cast & Crew
Da waren's nur noch Neun - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension

Ten little Indians

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Für die Einen sind es Indianer, für andere Zinnsoldaten oder auch Negerlein - für alle aber ist es gute Krimi-Unterhaltung


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
UK, 1965
Regie:
George Pollock
Drehbuch:
Erich Kröhnke, Enrique Llovet, Harry Alan Towers, Peter Yeldham (basierend auf dem Roman von Agatha Christie)
Darsteller:
Mario Adorf, Marianne Hoppe, Stanley Holloway, Leo Genn, Shirley Eaton, Daliah Lavi, Dennis Price, Wilfrid Hyde-White, Fabian Forte, Hugh O'Brian

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
16.02.2005

Vertrieb Schweiz :
Rainbow Home Entertainment AG
Verkaufsstart Schweiz :
16.02.2005