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DVD-Besprechung - Der Dämon und die Jungfrau
Story:
Kaum ist der verstoßene Sohn Kurt Menliff (Christopher Lee) auf das Familienschloss zurückgekehrt, nimmt ein Unheil seinen Lauf, welches das Leben der Schlossbewohner für immer verändern wird. Es beginnt damit, dass Nevenka (Daliah Lavi), die eigentlich mit Kurts jüngerem Bruder Christan (Tony Kendall) liiert ist, erneut der düsteren Art des Ankömmlings verfällt und bekommt einen dramatischen Höhepunkt, als Kurt Menliff ermordet aufgefunden wird. Doch Nevenka glaubt nicht an den Tod ihres heimlichen Geliebten - sie hört ihn weiterhin durch die Gänge schleichen und sieht ihn in ihrem Schlafgemach.
Meinung zum Film:
Mario Bava war bekannt dafür, in seinen Filmen kein Blatt vor den Mund zu nehmen und auch einmal Dinge anzusprechen, über die man ansonsten, wenn überhaupt, nur hinter verschlossenen Türen redete. Talkshows, in denen sexuelle Phantasien facettenreich diskutiert und ausgebreitet werden, waren noch in weit entfernter Zukunft und selbst die Andeutung von sadomasochistischen Gedanken wurde hierzulande mit einem Rümpfen der Nase gewürdigt. Kein Wunder also, dass Szenen, in denen klar wird, dass die tragische Heldin Navenka gefallen an den Peitschenhieben des düster daherkommenden Kurt Menliff findet, komplett aus der deutschen Fassung des Filmes verbannt wurden, wodurch die Aussage und der Kern des Filmes dann allerdings gänzlich verändert wurde. Eine Wohltat ist es da, den Film nun endlich komplett ungeschnitten bewundern zu können, da die fehlenden Szenen für die DVD-Auswertung wieder eingefügt wurden.
Ein Paradebeispiel für die deutsche Unsitte, Originaltitel von Filmen außer Acht zu lassen und diese mit einem reißerischen deutschen Namen zu versehen, ist das Ändern von "La frusta e il corpo" ("Die Peitsche und der Leib") in "Der Dämon und die Jungfrau", was überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun hat und bei vielen sicherlich eine falsche Erwartungshaltung hervorruft. Die Geschichte von Italo-Veteran Ernesto Gastaldi ("Torso", "Mein Name ist Nobody") wirkt wie eine Mischung aus den Federn Edgar Allen Poes und des Marquis de Sade. Sie berichtet von einer seelischen Abhängigkeit und dem Wunsch nach Schmerz als Lustgewinn, verpackt in ein wunderbar schauriges Gothic-Ambiente. Das Ganze wird nicht reißerisch, sondern vielmehr auf eine tragische Weise präsentiert. Mario Bava lässt zu keiner Sekunde auch nur den geringsten Zweifel, dass das Verlangen Navenkas nach der Peitsche nicht gut für sie ist und als Zuschauer ahnt man gleich, dass die leidende Frau ein zentraler Punkt bei den Geschehnissen sein wird.
Die große Frage dabei ist, ob es sich bei den Geschehnissen um eine übernatürliche Erscheinung handelt, oder ob die Hintergründe irdischen Ursprungs sind. Doch die richtige Spannung will erst in der letzten halben Stunde des Film richtig zur Geltung kommen, vorher geht es ruhig zu, und die Leiden der Heldin und ihre Zerrissenheit stehen im Mittelpunkt. Mario Bava beweist in den ersten beiden Dritteln sein Händchen für Drama-Stoff. Vielen mag dieses dann wahrscheinlich ein wenig zu langatmig und zäh erscheinen, doch gibt es immer wieder genügend Spannungsmomente, durch die Bava kurzzeitig Abwechslung bringt. Neben den gewohnt stilvoll präsentierten Kulissen, der wunderbar und mysteriös ausgeleuchteten Sets und den abwechslungsreichen Blickwinkeln, ist es vor allem der genial und einprägsam ins Gehör gehende Soundtrack von Carlo Rustichelli ("Blutige Seide"), bei dem vor allem das Hauptthema auch nach dem Film noch hängen bleibt. Die optisch und akustisch prächtige Inszenierung hilft vor allem denen über den etwas langsameren Beginn hinweg, die mit den ruhigen Szenen nicht so sehr viel anfangen können. Denn zu sehen gibt es so viel Dinge, dass man im Grunde gar keine Zeit für Langeweile hat.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist sehr gut gelungen und es bietet keinen Grund für Beschwerden. Vor allem die kraftvollen, in matten Tönen gehaltenen Farben kommen perfekt herüber. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist klar verständlich, wirkt stellenweise jedoch ein wenig dumpf.
Als Extras gibt es einen Audiokommentar mit Bava-Fachmann und Buchautor Tim Lucas, der einige Hintergründe zu Film und Regisseur bieten kann. Leider gibt es keine deutschen Untertitel. Wer des Englischen ein wenig mächtig ist, sollte aber auf jeden Fall reinhören. Als weitere Boni gibt es den Trailer in 3 Sprachen, den deutschen und den amerikanischen Videovorspann, eine Bildergalerie, Bio- und Filmografien, sowie eine Slideshow mit Bildern des Bava-Buches "Mario Bava - The Colors of the dark". Sehr interessant ist auch das beiliegende Booklet, bei dem auf 5 Seiten ausführliche Informationen zu der Entstehung von "Der Dämon und die Jungfrau" zu finden sind.
Ausgeliefert wird die DVD in einem Schuber, der ein anderes Plakatmotiv zu bieten hat als das Inlay zur DVD. Die vorher nicht in der deutschen Version vorhandenen Szenen sind mit englischem Ton und deutsch untertitelt vorhanden. In einer Szene werden die Untertitel allerdings nicht automatisch angezeigt, hier muss manuell auf die permanente deutsche Untertitelspur gewechselt werden. Dies ist aber nur ein minimaler Makel an einer ansonsten perfekten DVD, die für Freunde Mario Bavas ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk darstellt. Vor allem ein Straßenpreis von rund 10 Euro ist bei der Aufmachung fast schon unglaublich. Da freut man sich auf weitere Titel aus der "The Films of Mario Bava"-Edition von e-m-s.
Fazit:
Auf Grund der zu Beginn eher ruhigen und auf die Charaktere eingehenden Erzählweise mag "Der Dämon und die Jungfrau" vielleicht nicht unbedingt jedermanns Geschmack sein. Allerdings legt der Film im letzten Drittel gewaltig zu und wird spätestens dann auch Gruselfreunde fesseln. Bei einem Straßenpreis von rund 10 Euro sollte diese DVD in keiner Sammlung von Gothic-, Italo- oder Bava-Anhängern fehlen. Auf gar keinen Fall!
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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83:26 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Englisch Dolby Digital 1.0 | Italienisch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentar von Tim Lucas
- Trailer in Deutsch, Italienisch und Französisch
- Bildergalerien
- Deutscher VHS-Vorspann "Der Mörder von Schloss Menliff"
- Amerikansicher Vorspann "What"
- Biografien und Filmografien
- Tim Lucas "Mario Bava - All the colors of Mario Bava"
- Booklet
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Der Dämon und die Jungfrau
La frustae e il corpo
Peitsch mich aus, wenn du mich liebst
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 1963 Regie: Mario Bava Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Ugo Guerra, Luciano Martino Darsteller: Christopher Lee, Daliah Lavi, Tony Kendall, Ida Galli, Harriet Medin, Gustavo De Nardo, Luciano Pigozzi
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 29.09.2005
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