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DVD-Besprechung - Do you like Hitchcock?

Story:
Von seinem Fenster aus beobachtet der Filmstudent Giulio (Elio Germano) seine hübsche Nachbarin Sasha (Elisabetta Rocchetti). Als eines Tages deren Mutter ermordet wird, hat er den Verdacht, dass diese gemeinsam mit Frederica (Chiara Conti) einen Plan wie im Hitchcock-Film "Der Fremde im Zug" ausgeheckt hat und ihre Mutter wegen Geld ermorden ließ. Giulio setzt sich selbst auf die Fährte der beiden Frauen und bringt sich damit in Gefahr.

Meinung zum Film:
Der italienische Kultregisseur Dario Argento ("Suspiria") und der britische Meister des Suspense Alfred Hitchcock ("Psycho") haben eines gemeinsam - bei beiden stellt die Kamera nicht nur ein technisches Gerät dar, um Bilder für die Leinwand zu produzieren, bei beiden ist sie vielmehr ein Instrument, um bis ins kleinste Detail geplante Bildkompositionen entstehen zu lassen. Für den italienischen TV-Sender RAI drehte Argento mit "Do you like Hitchcock?" einen TV-Film, der eine Hommage an die Arbeiten des Altmeisters darstellt und etliche inhaltliche wie auch bildliche Zitate aus dessen Filmen beinhaltet. Das Drehbuch schrieb Argento gemeinsam mit Franco Ferrini, der seit "Phenomena" an fast all seinen Filmen mitgearbeitet hat und sich auch für den jüngst erschienenen Neo-Giallo "Eyes of Crystal" verantwortlich zeigt.

Das Grundgerüst von "Do you like Hitchcock?" bildet "Das Fenster zum Hof". Wie einst James Stewart beobachtet Giulio mit einem Fernglas die Nachbarschaft aus seinem Fenster und macht sich so seine Gedanken darüber, was hinter den Aktionen steckt. Im Verlauf des Filmes wird auch sein Bein in Gips gelegt und natürlich wird auch er in seiner Wohnung vom Täter angegriffen. "Der Fremde im Zug" ist mehr durch Dialoge im Gespräch, da Giulio Sasha und Frederica verdächtigt, wie einst Farley Granger und Robert Walker eine gegenseitige Unterstützung in der Ermordung einer gehassten Person aus dem Leben des jeweils anderen geplant haben. Dadurch, dass er selbst Sasha mag, trotzdem aber den Verdacht hegt, sie hätte einen Mord begangen, ist eine leichte Anlehnung an "Im Schatten des Zweifels" gegeben. Der Mord an Sashas Mutter erinnert ein wenig an "Bei Anruf Mord", was auch im Film selbst angesprochen wird. Das Finale wiederum ist eine deutliche Verbeugung vor "Vertigo". Neben Alfred Hitchcock wird auch David Lynch ein klein wenig gewürdigt, in dem seine Filme kurz thematisiert werden und die Nahaufnahme vom Anzünden einer Zigarette aus "Wild at Heart" deutlich wiederzuerkennen ist. Bei der Musik hat sich Pino Donaggio ("Carrie") eine Mischung aus der bei Hitchcock üblichen Soundtracks und der von Italo-Thrillern gewohnten Synthiklängen einfallen lassen, die stets hervorragend zu den Bildern passt.

Was sich geschrieben bislang vielleicht noch sehr ansprechend anhört, wirkt auf dem Bildschirm nicht mehr ganz so faszinierend. Dario Argento nutzt in seinen Filmen eher wenige Schnitte und hat seine Stärken in den Szenen, wo er längere Sequenzen am Stück zeigt. Wenn er nun versucht, die Stakkato-Schnittweise zu nutzen, wie sie Hitchcock u.a. in "Psycho" zum Einsatz brachte, wirkt das nicht immer sonderlich passend und auch ansonsten erscheinen die Aufnahmen manchmal ein wenig verkrampft Die größte Crux des Films ist allerdings ohne jeden Zweifel die Story, die kaum Spannung aufkommen lässt und am Ende eine Auflösung präsentiert, wie sie dämlicher kaum hätte sein können. Aber auch schon auf dem Weg zu dieser gibt es reichlich madiger Momente. Die Eingangssequenz hat so gut wie nichts mit der Story zu tun und sorgt im besten Falle am Ende nur für leichte Verstimmungen. Der Grund, weswegen Giulio Sasha und Frederica verdächtigt, ist lächerlich, dass zusätzlich kurz vor Ende eine Person wegen einer seichten Behauptung Giulios festgenommen wird, ist zu töricht, um ernst genommen zu werden und die endgültige Entschlüsselung wird so billig präsentiert, dass die Frage aufkommt, ob Argento hier dem frischen Praktikanten die vollkommene Kontrolle über die Aufnahme und Dramaturgie gab. Dass der Film letzten Endes dann doch noch zumindest teilweise ansehlich ist, sind ein paar wirklich spannend inszenierte Momente und einige sehr schön inszenierte Szenen. Die rund 90 Minuten sind dadurch nicht gänzlich verschenkt, aber von Argento wird mehr erwartet als nur durchschnittliche TV-Thrillerkost.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht einen durchschnittlichen TV-Eindruck. Die Schärfe ist im unteren Durchschnitt einzuordnen und Rauschen ist streckenweise sehr stark zu erkennen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 und dts ist klar zu verstehen, bietet in der hinteren Front aber so gut wie keinen Laut an.

Als Extra gibt es neben einem unkommentierten Blick hinter die Kulissen noch ausführliche Interviews mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller, sowie Tafeln mit Darstellerinfos. Die Darstellerinfo zu Dario Argento ist allerdings nicht mehr als ein übler Scherz und zeugt von liebloser Recherche. So wird er als Regisseur von Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" aufgeführt, obwohl es lediglich offiziell nie bestätigte Gerüchte gibt, dass er einzelne Sequenzen auf Grund von Zeitdruck bei der Produktion übernommen hat. Er wird auch als Regisseur von George A. Romeros "Zombie" genannt, obwohl er hier nur eine Straffung des Materials für den europäischen Markt vornahm und neue Musik produzieren ließ. Auch bei "Dämonen 2" führte Lamberto Bava Regie und Argento war lediglich als Produzent und Drehbuchautor tätig. Anstelle von den wirklich großen Filmen Argentos wie "Deep Red", "Suspiria" oder "Opera" wird dann u.a. der unsägliche "Phantom der Oper" aufgeführt. Bei solch einer katastrophalen Infotafel sollte in Zukunft besser ganz darauf verzichtet oder jemand hinzugezogen werden, der sich mit der Materie zumindest ein wenig auskennt.

Fazit:
Das Bild macht einen durchschnittlichen TV-Eindruck. Die Schärfe ist im unteren Durchschnitt einzuordnen und Rauschen ist streckenweise sehr stark zu erkennen. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 und dts ist klar zu verstehen, bietet in der hinteren Front aber so gut wie keinen Laut an.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
93:22 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Blick hinter die Kulissen
  • Interview mit Dario Argento und Elio Germano
  • Darstellerinfos
Do you like Hitchcock? - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Do you like Hitchcock?
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Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein bisschen Hitchcock von Argento mit äußerst dämlicher Story


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Spanien, 2005
Regie:
Dario Argento
Drehbuch:
Dario Argento, Franco Ferrini
Darsteller:
Elio Germano, Chiara Conti, Elisabetta Rocchetti, Cristina Brondo, Iván Morales, Edoardo Stoppa, Elena Maria Bellini

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
07.12.2006