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DVD-Besprechung - Die große Stille
Story:
Philip Gröning war es als ersten Regisseur gestattet, für eine gewisse Zeit am Leben der Mönche des Karthäuser Ordens in der "Grande Chartreuse" teilzunehmen und dieses auf Film festzuhalten. Dabei verzichtet der Regisseur auf erklärende Worte, um ein möglichst authentisches Bild des Lebens im Orden vermitteln zu können.
Meinung zum Film:
Der Karthäuser-Orden wurde 1084 vom Heiligen Bruno von Köln gegründet und ist einer der strengsten Orden in der Katholischen Kirche. Die Mönche leben zurückgezogen und haben sich einem Schweigegelübde verpflichtet, um sich voll dem Gottesdienst und dem geistlichen Leben widmen zu können. Der aus Düsseldorf stammende Filmemacher Philip Gröning hat für einige Zeit das Leben der Mönche der Ordens begleitet und diesen Weg in einer sehr ungewöhnlichen, sehr experimentell gehaltenen Dokumentation festgehalten. Es wird nicht wenige geben, die mit der sehr langsamen und ruhigen Art nicht zurecht kommen werden und die mit der Stille des Filmes schlichtweg überfordert sind. Es gibt keinen Kommentar, der die Bilder begleitet, es gibt keine Musik, die die Stille unterbricht. Für über 2,5 Stunden tauscht der Zuschauer ein in eine Welt, die fernab der gewohnten Hektik des Lebens in der sogenannten zivilisierten Welt liegt. Für einige wird das Leben allerdings bereits nach wenigen Minuten vorüber sein, weil die Stop-Taste auf der Fernbedienung für sie zur Reißleine wird.
Es ist sicherlich sehr gewagt vom Regisseur, auf begleitende Worte komplett zu verzichten. Ganz abgesehen davon, dass tiefere Hintergründe durch die Bilder nicht immer geklärt werden können, bedarf es gerade zu Beginn einer gehörigen Portion Geduld und Anpassung, um sich an die ungewöhnliche Stimmung zu gewöhnen. Der Zuschauer wird direkt in das Schweigen der Mönche miteinbezogen und bekommt dadurch ein ganz neues Gefühl für seinen Hörsinn. Bedeutet Stille im Alltag meist eine generelle Ruhen und ein Schweifen lassen sämtlicher Sinne, wird das Schweigen durch die Bilder bewusst wahrgenommen. Während die Augen etwas zu verarbeiten haben, hängen die Ohren förmlich im Nichts und leiden fast schon unter einem Vakuum, wie es sonst kaum über eine solche Dauer zu erleben ist. Wenn die Kirchturmglocke läutet oder die Mönche ein Gebet sprechen, ist das fast schon eine kleine Erlösung.
Durch seinen sehr ungewöhnlichen Inszenierungsstil ist "Die große Stille" ganz sicher nicht für jedermann geeignet. Der Zuschauer muss bereit sein, selbst ein Teil des Schweigens zu werden, um nicht schon nach wenigen Minuten abzuschalten. Wer sich darauf einlässt, wird unweigerlich einen Teil des Friedens miterleben können, der das Leben der Mönche prägt. Man wird für sich sehr schnell feststellen, wie gut man selbst mit der andauernden Ruhe klarkommt. In der heutigen Welt ist es eher ungewöhnlich, diese friedliche Stille lange Zeit um sich zu haben. Sehr viele werden erkennen müssen, wie sehr sie an Alltagsgeräusche gewöhnt sind und wie bedrückend es sein kann, wenn diese auf einmal wegfallen. So mancher wird dabei sicherlich bemerken, dass Stille zum einen zwar etwas beruhigendes mit sich bringt, zum anderen aber auch zu einer Belastung werden kann, die nur schwer zu ertragen ist.
Digitale Aufarbeitung:
Der Eindruck des Bildes fällt recht unterschiedlich aus. Teilweise macht es einen sehr guten Eindruck und lediglich feines Tausch ist zu erkennen, andererseits gibt es Aufnahmen, die von einer sehr verrauschten Grobkörnigkeit geprägt sind, die im Grunde nicht akzeptabel ist, dafür aber den schlichten Rahmen des Inhalts unterstützt. Es ist davon auszugehen, dass genau dies ein gezieltes Stilmittel des Regisseurs darstellt.
Als Extra gibt es 5 Bildschirmtexte, die im Film vielleicht vermisste Hintergrundinformationen beinhalten und sich z.B. dem Karthäuser Orden und seiner Ideologie ausführlich widmen.
Fazit:
"Die große Stille" ist ein experimenteller Dokumentarfilm, der den Zuschauer für über 2,5 Stunden aus der Hektik des Lebens reißt und ihn für diese Zeit das Leben der Schweige-Mönche des Karthäuser Ordens teilen lässt. Dies ist sicherlich nicht jedermanns Fall, wer sich aber darauf einlassen kann, wird ein ganz neues Gespür für seine Sinne erhalten.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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161:34 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Texttafel mit Informationen zur "Geschichte des Karthäuser Ordens", über das "Leben der Karthäuser", über die "Entstehung des Films", mit "Director's Notes" und der "Biografie von Philip Gröning"
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Die große Stille
Die große Stille
Für die Einen wird die Stille zur Wohltat für die Sinne, für andere zur puren Qual
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Frankreich / Schweiz, 2005 Regie: Philip Gröning Drehbuch: Philip Gröning Darsteller: Die Mönche des Karthäuser Ordens
Label :
X Edition
Verkaufsstart : 03.11.2006
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