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DVD-Besprechung - Hui Buh - Das Schlossgespenst

Story:
Nachdem sein Hauptwohnsitz abgebrannt ist, zieht König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) auf den alten, heruntergekommen Familienbesitz Schloss Burgeck, wo er bei einem großen Empfang um die Hand von Gräfin Leonora zu Etepetete (Heike Makatsch) anhalten möchte. Doch die Rechnung hat er ohne Schlossgespenst Hui Buh (Michael Herbig) gemacht, der ihm den Abend kräftig verdirbt. In einer Auseinandersetzung verbrennt der König Hui Buhs Spuklizenz, was Julius allerdings schon bald bereut, da er nur mit Hui Buhs Hilfe an den großen Geisterschatz kommen kann, ohne den er Pleite ist. So muss er gemeinsam mit dem Schlossgespenst in die Geisterstadt gehen, um den etwas zerstreuten Geist beim Ablegen seiner Geisterprüfung zu helfen.

Meinung zum Film:
1970 erschien das erste Hörspiel über ein Gespenst, das mit seinem Schabernack König Julius den 111. ärgerte. Gesprochen wurde dieses Gespenst von Hans Clarin, der später als Stimme des Pumuckl zu großem Ruhm kommen sollte, aber auch mit seinen "Hui Buh! Hui Buh!"-Rufen bereits fester Bestandteil so mancher Kindheit wurde. Auch Erzähler Hans Paetsch verankerte sich mit dem einleitenden "Manche Leute sagen, es gibt Gespenster, mache sagen, es gibt keine Gespenster. Ich aber sage, Hui Buh ist ein Gespenst" für immer in das Bewusstsein der Zuhörer. Es ist schon ein wenig verwunderlich, dass es rund 35 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Hörspiels dauerte, bis das Schlossgespenst auch mit einem Film gewürdigt wurde. Dass mit Sebastian Niemann ein Regisseur die Verfilmung übernahm, der bislang eher durch Thriller- und Actionwerke wie "7 days to live" oder "Das Jesus-Video" von sich reden machte, ließ die Frage schnell aufkommen, wie er die Abenteuer Hui Buhs wohl interpretieren würde. Die Antwort hierauf lautet: anders als die Hörspiele, die kaum im Film wiederzuerkennen sind. Sebastian Niemann richtete sich einzig an der Romanvorlage von Eberhard Alexander Burgh aus und kreierte einen Plagegeist, wie er ihn sich selbst an Hand des Romans aus heutiger Sicht vorstellte.

Der größte Fehler, den man als Zuschauer beim Schlossgespenst somit machen kann, ist Vergleiche zu den alten Hörspielen herzustellen, von denen sich der Film deutlich unterscheidet. Es beginnt schon damit, dass Hui Buh eine ganz andere Art von Gespenst ist, als er in den Hörspielen präsentiert wurde. Er zeigt auch einen ganz anderen König Julius den 111., der von Christoph Maria Herbst ("Der Wixxer") grandios dargestellt wird und Hui Buh oftmals sogar die Schau stiehlt. Die Mischung aus zynischen Kalauern und verschmitzten Grinsen, die den Darsteller schon als Bernd Stromberg zur Kultfigur machten, sind erneut der Garant für feinsten Humor. Michael "Bully" Herbig ("(T)Raumschiff Surprise - Periode 1") hat in ähnlicher Weise wie Andy Serkis bei Gollum im Herr der Ringe seine Gestik und Mimik für das computergenerierte Gespenst zur Verfügung gestellt und liefert sich so indirekt manch unterhaltsames Wort- und Gestikduell mit dem König, was vor allem in der Geisterstadt wunderbar funktioniert.

Überraschend gut fällt auch die Leistung von Heike Makatsch ("Margarete Steiff") in der Rolle der Gräfin Leonora aus, die zum ersten Mal so richtig abgrundtief böse und gemein sein darf und zusammen mit Hui Buhs Erzfeind Adobar die Gegenspielerin von Geist und König verkörpert. Rick Kavanian ("(T)Raumschiff Surprise - Periode 1") als schwulangehauchter Franzose spielt recht gut, passt in die Szenerie aber ungefähr genauso wie Winnetou in einen Sissi-Film. Doch dieser Fehlgriff ist so ziemlich das einzige Manko in einer ansonsten sehr liebevoll und unterhaltsam gemachten Familienunterhaltung, die in erster Linie auf die jüngeren Zuschauer abzielt. Mit dem kleinen Tommy (Martin Kurz aus "Die wilden Hühner") bekommt der jüngere Nachwuchs die ideale Identifikationsfigur geboten, die stellvertretend für sie durch die Hallen von Schloss Burgeck und die Geisterstadt rennt und ein Abenteuer nach dem Anderen dabei erlebt. Aber auch ein reiferes Publikum bekommt vor allem durch Christoph Maria Herbst und die sehr liebevoll in einem comichaften Stil präsentierten Kulissen und Kostüme ausreichend geboten, um sich in den knapp 100 Minuten gut unterhalten zu können.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild besitzt eine starke Betonung auf Gelbtönen, was allerdings zu einer altertümlichen Stimmung beiträgt und sicherlich gewollt ist. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 und dts ist gleichermaßen gut verständlich und macht einen guten, wenn auch etwas zurückhaltenden Gebrauch von den hinteren Lautsprechern.

Abgesehen von dem Audiokommentar, der per Satellitenschaltung von Michael Herbig, Christoph Maria Herbst, Rick Kavanian, Regisseur Sebastian Niemann und Produzent Christian Becker aufgenommen wurde, fallen die Extras der Single-Disc-Variante überschaubar aus. Es gibt ein für das TV produzierte, mit leichtem Werbecharakter versehenes Making Of, ein paar Darstellerinfos sowie den Trailer zum Film. Wer mehr über die Entstehung von "Hui Buh" wissen möchte, greift von daher auf die Premium Edition mit zusätzlicher Bonus-DVD zurück.

Fazit:
Regisseur Sebastian Niemann präsentiert mit seiner Verfilmung zu "Hui Buh" zwar eine neue Art von Schlossgespenst, das sich von den bekannten Hörspielen deutlich unterscheidet, aber keinesfalls schlechter ist. Mit vielen verrückten Ideen, guten Darstellern und kaum nennenswerten Ausfällen bietet der Film beste Familienunterhaltung ohne großen Anspruch.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,85:1
1,85:1
98:11 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von den Darstellern Michael Herbig, Christoph Maria Herbst und Rick Kavanian, sowie Regisseur Sebastian Niemann und Produzent Christian Becker
  • Making Of
  • Darstellerinfos
  • Trailer
Hui Buh - Das Schlossgespenst - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hui Buh - Das Schlossgespenst
Hui Buh - Das Schlossgespenst

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Pfui Schmetterling! Hui Bui und seine rostige Rasselkette nun endlich auch auf dem Bildschirm


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2006
Regie:
Sebastian Niemann
Drehbuch:
Sebastian Niemann, Dirk Ahner (nach dem Roman von Eberhard Alexander Burgh)
Darsteller:
Michael Herbig, Christoph Maria Herbst, Nick Brimble , Ellenie Salvo González , Heike Makatsch, Hans Clarin, Rick Kavanian, Hans Paetsch, Wolfgang Völz

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
14.12.2006