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DVD-Besprechung - Zee-Oui - Der Kannibale

Story:
Der junge Lee Oui (Long Duan) emigriert kurz nach Ende des 2. Weltkriegs aus China, wo er keine Zukunft mehr hatte, nach Thailand. Seine Gesundheit macht ihm jedoch schwer zu schaffen, er wird Opfer rassistischer Anfeindungen und findet nur schlecht bezahlte, körperlich für ihn viel zu harte Arbeit. Schließlich kommt durch seine Schuld, aber ohne Vorsatz, ein Kind ums Leben. Zee Oui verliert in seiner Verzweiflung und schlechten körperlichen Konstitution nun endgültig seinen Sinn für die Realität. Er beginnt Kinder zu töten und ihnen das Herz herauszuschneiden, verbunden mit der fixen Idee, nur eine Suppe daraus könne seine schwere Krankheit heilen.

Meinung zum Film:
"Zee Oui - Der Kannibale" entstand unter der Regie des Debütantenduos Buranee Rachjaibun und Nida Suthat Na Ayutthaya. Rachjaibun war jedoch bereits bei dem Antikriegsfilm "The Killing Fields" von 1984 als Regieassistent tätig. Die weibliche Hauptdarstellerin Premsinee Ratanasopha hatte fünf Jahre zuvor in "Bangkok Dangerous", von den Pang-Brothers, der auch in Deutschland erschien, eine Hauptrolle gespielt. Chatchai Plengpanich ("Salween"), der hier ebenfalls mitwirkt, spielte auch schon in dem ebenfalls kürzlich von e-m-s veröffentlichten "Bangkok Robbery 102" eine Hauptrolle. "Zee Oui" gewann bei den Thailand National Film Association Awards 2005 den Preis für den besten Soundtrack und konnte im gleichen Jahr beim Shanghai International Film Festival den Spezialpreis der Jury erringen. Der Film basiert auf realen Ereignissen. Der konservierte Körper des Serienkillers "See Uey Sae Ung", dem historischen Vorbild für Zee Oui, kann heutzutage im "Songkran Miyomsane Forensic Medicine Museum" in Bangkok "bewundert" werden.

Auch wenn die Story und die rückblickende Erzählweise von "Zee Oui" zunächst ein wenig an CATIII-Filme wie "The Untold Story" erinnern, hat man bei sich diesem Film glücklicherweise nicht für einen typischen, asiatischen Sicko entschieden. Vielmehr überrascht "Zee Oui" mit einer hervorragenden Kameraarbeit, einem sehr gelungenen Soundtrack und einer alles andere als oberflächlichen Darstellung. Anders als in typischen Hollywoodproduktionen wird der Serienkiller Zee Oui hier weder als Genie mit Persönlichkeitsstörung, noch als abgrundtief böser Sadist beschrieben. Vielmehr ist Zee Oui ebenso Opfer, wie er ein Täter ist, ohne dass dadurch jedoch seine Verbrechen marginalisiert oder gar gerechtfertigt werden. Die Erzählung beginnt mit einer Rückblende kurz vor der Hinrichtung von Zee Oui. Zee Oui erinnert sich an seinen Werdegang, wie er von Thailand nach China ging und was ihm seitdem dort wiederfuhr. Es werden aber auch immer wieder Gedankenschnipsel aus seiner glücklicheren Kindheit eingestreut, der er mit Wehmut nachtrauert, sowie Impressionen seiner schlimmen Kriegserfahrungen, die für ihn eine Art Trauma darstellen. Als Zee Oui nach Thailand kommt, schlägt ihm sofort offenener Rassismus entgegen, sein neuer Pass wird bewußt falsch auf den Namen Zee Oui ausgestellt, obwohl er auf seinen korrekten Namen, Lee Oui, besteht, er wird kahlgeschoren und in eine Zelle verfrachtet, bis ihn sein Onkel von dort auslöst. Im weiteren Verlauf des Films schlägt Zee Oui immer wieder offene Ablehnung entgegen, er wird zum Außenseiter, der ständig mit seiner schweren Krankheit ringen muß und zunehmend Wahnvorstellungen verfällt.

Als er schließlich durch einen Unfall ein Mädchen tötet, geht sein Bezug zur Realität endgültig verloren, er wird geistig völlig labil und hängt dem Gedanken nach, nur eine Suppe aus Kinderherzen könne seine Krankheit heilen. So martialisch und pervers dieser Sachverhalt auch klingen mag, er wird zu keiner Zeit plakativ ausgeschlachtet. Zwar besitzt der Film eine sehr düstere Grundstimmung und die Kindermorde dürften allein schon durch die begleitenden Schreie der Opfer Niemanden kalt lassen, die Morde selber geschehen jedoch größtenteils im Off. Das Ergebnis der Taten, die aufgeschlitzten Kinder und ihre Innereien, werden jedoch, auch wenn die Kamera nicht voll draufhält, durchaus auch grafisch dargestellt. Dadurch entgeht der Film jedoch auch dem Vorwurf, die Taten des Killers zu verharmlosen und ihn zu sehr nur als Opfer, das er ja zweifellos ebenfalls ist, darzustellen. Zwar gibt es für Zee Oui auch Momente des Friedens, diese sind aber nur von kurzer Dauer und meist folgt darauf nur umso schlimmeres Unglück. Die Darstellung des Zee Oui durch Long Duan ist dabei herausragend, ebenso wie die stimmungsvoll-düstere Musikuntermalung, die sich dem Geschehen auf dem Bildschirm stets perfekt anpasst.

Digitale Aufarbeitung:
Wie auch schon "Bangkok Robbery 102" präsentiert e-m-s den Film in hervorragender Bildqualität, satte Farben und eine sehr gute Schärfe überzeugen auf ganzer Linie. Einzige Schwäche sind ein paar kleinere Dropouts. Die Tonspuren sind zu jeder Zeit gut verständlich und auch die Musik kommt stets angemessen zur Geltung. Bombastsound sollte man allerdings keinen erwarten, da die Musik eher ruhige Töne anschlägt

Auf der DVD befindet sich lediglich der deutsche Trailer zum Film.

Fazit:
"Zee Oui - Der Kannibale" glänzt mit einer sehr guten Kameraarbeit, einer perfekt angepassten musikalischen Untermalung und einem herausragenden Hauptdarsteller, der den Killer gleichzeitig als Täter und bemitleidenswertes Opfer mit Leben erfüllt. Die Darstellung der Geschehnisse ist zwar eher zurückhaltend und nicht plakativ, jedoch allein schon aufgrund der Thematik für zartbesaitete Gemüter ungeeignet. Der Film geht trotz des weitestgehenden Verzichts auf vordergründige Schocks unter die Haut und hält den Zuschauer 85 Minuten lang in Atem.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
85:43 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Thailändisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Zee-Oui - Der Kannibale - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Zee Oui - Der Kannibale
Zee-Oui

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Eine einfühlsame Darstellung, ein herausragender Lead-Actor und eine exzellente akustische Untermalung ergeben ein ungewöhnliches, aber hochwertiges Serienkillerdrama


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Thailand, 2004
Regie:
Nida Suthat Na Ayutthaya, Buranee Ratchaiboon
Drehbuch:
N. Suthat, P. Ratchachaibun, B. Ratchachaibun, D. Kampmeier
Darsteller:
Long Duan, Premsinee Ratanasopha, Chatchai Plengpanich, Surasak Chai-Aut, Nicha Fishlock, Ornnisa Kitchalernsopon

Label Deutschland :
e-m-s
Verkaufsstart Deutschland :
11.10.2007