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DVD-Besprechung - Am Ende kommen Touristen

Story:
Eigentlich wollte Sven (Alexander Fehling) seinen Zivildienst in einem holländischen Jugendzentrum leisten, was jedoch kurzfristig nicht klappt, und er schließlich in der polnischen Stadt Oswiecim landet, die einst unter ihrem deutschen Namen „Auschwitz“ traurige Berühmtheit erlangte. In der dort angesiedelten Begegnungsstätte wird ihm unter anderem die Aufgabe übertragen, den KZ-Überlebenden Krzeminski (Ryszard Ronczewski) zu betreuen, der sich jedoch nicht als sonderlich kooperativ erweist. Während er versucht, eine Verbindung zu dem alten Mann herzustellen und sich in dem fremden Land zurechtzufinden, lernt er die junge ortsansässige Dolmetscherin und Fremdenführerin Ania (Barbara Wysocka) kennen, zu der er sich sehr hingezogen fühlt.

Meinung zum Film:
Jeder, der selber Zivildienst geleistet hat und dabei möglicherweise auch mit Altenbetreuung zu tun hatte, wird sich wahrscheinlich ein Stück weit in der Figur des Sven wiederfinden. "Am Ende kommen Touristen" beschreibt sehr akkurat, wie es sich anfühlt, unvorbereitet eine solche Aufgabe anvertraut zu bekommen und ohne jeden vertrauten Kontakt sich in einer neuen Umgebung wiederzufinden. In Svens Fall wird dies natürlich noch verstärkt durch den Ort des Geschehens. Während er damit kämpft, sich an das fremde Land und die fremde Sprache zu gewöhnen, lässt ihn auch die dunkle Geschichte des Ortes nicht los, die alles und jeden überschattet, der in der Nähe des ehemaligen KZs lebt. Die Anwohner sehen in den Deutschen, die in der Gedenkstätte arbeiten, immer noch vor allem als Nachkommen der Nazis und so sieht sich Sven immer wieder mit Vorurteilen und Tabus konfrontiert.

Der hohe Authentizitätsgrad rührt wahrscheinlich daher, dass der Regisseur und Drehbuchautor Robert Thalheim („Netto“) selbst seinen Zivildienst in der besagten KZ-Gedenkstätte verrichtet hat. Eine autobiografische Erzählung sei der Film jedoch nicht, betont er.Wer auf geradliniges Mainstreamkino mit großen Schauwerten steht, wird mit „Am Ende kommen Touristen“ womöglich weniger anfangen können, da sich der Film eher der Tradition des stillen und realistischen europäischen Autorenkinos verpflichtet. Stilistische Ähnlichkeiten feststellen könnte man zu den Filmen Hans-Christian Schmidts („Nach fünf im Urwald“, „Requiem“), der bei diesem Film als Produzent tätig war. Wer dessen Filme zu schätzen weiß, wird vermutlich auch an „Am Ende kommen Touristen“ großen Gefallen finden.

Die Schauspieler sind allesamt exzellent. Neben dem Kino-Neuling Alexander Fehling in der Hauptrolle bezaubert Barbara Wysocka („Femina“) als ehrgeizige Dolmetscherin Ania und ganz besonders begeistert der polnische Schauspieler Ryszard Ronczewski („Unkenrufe“) als der wortkarge KZ-Überlebende Krzeminski. Zusammen mit den lebensnahen Figuren und den realistischen Dialogen erzeugen die Schauspieler eine sehr intensive Atmosphäre. Ebenfalls gelungen, wenn auch sehr zurückhaltend, sind die musikalische Untermalung und die Bilder, deren authentische Schönheit die Kamera mit großer Ruhe einfängt.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild befindet sich auf einem guten Durchschnittslevel. Die Farben wirken ein wenig kraftlos und feines bis starkes Rauschen ist zu erkennen, doch macht sich dies nur selten störend bemerkbar. Der Ton ist durchweg klar veständlich, auf große räumliche Effekte muss aber schon allein genrebedingt verzichtet werden.

Als Extra gibt es einen Audiokommentar mit Regisseur Robert Thalheim, der zahlreiche interessante Hintergründe bietet. Als weitere Extras folgen Interviews mit dem Regisseur und dem Hauptdarsteller, in denen sich beide zu dem Inhalt des Films äußern und sich mit dem Thema auseinandersetzen. Es folgen eine Reihe nicht verwendeter Szenen und eine Fotogalerie von der Recherche in Oswiecim. Abschließend gibt es noch einen 9-minütigen animierten Kurzfilm über einen Schüler, der sich mit dem Thema "Dachau bei München" beschäftigt.

Fazit:
"Am Ende kommen Touristen" schafft es, eine sehr emotionale menschliche Geschichte zu erzählen und dabei trotzdem die historische Bedeutung des Schauplatzes Auschwitz zu beleuchten. Wer ruhige und authentische Filme mit realistischen Dialogen zu schätzen weiß, sollte sich diesen Film nicht entgehen lassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 0 - ohne Altersbeschrae~nkung
1,85:1
1,85:1
81:29 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Robert Thalheim
  • Entfernte Szenen
  • Interview mit Regisseur Robert Thalheim
  • Interview mit Hauptdarsteller Alexander Fehling
  • Fotogalerie: Recherche in Oswiecim
  • Animierter Kurzfilm "Dachau bei München"
Am Ende kommen Touristen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Am Ende kommen Touristen
Am Ende kommen Touristen

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Adrian vom Baur
Ein intensiver und authentischer Liebesfilm mit politischem Hintergrund


Autor der Besprechung:
Adrian vom Baur

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2007
Regie:
Robert Thalheim
Drehbuch:
Robert Thalheim
Darsteller:
Alexander Fehling, Ryszard Ronczewski, Barbara Wysocka, Piotr Rogucki, Rainer Sellien, Lena Stolze, Lutz Blochberger, Willy Rachow, Roman Gancarczyk, Adam Nawojczyk, Halina Kwiatkowska, Joachim Lätsch

Label Deutschland :
X Edition
Verkaufsstart Deutschland :
22.02.2008