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DVD-Besprechung - Verführung einer Fremden

Story:
Die Enthüllungsreporterin Rowena Price (Halle Berry) macht keine einfache Phase in ihrem Leben durch. Erst wird ihre sensationelle Enthüllung über einen Senator in letzter Sekunde gekippt, dann muss sie noch erfahren, dass ihre Freundin Grace (Nicki Aycox) ermordet wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass der erfolgreiche Werbefachmann Harrison Hill (Bruce Willis) hinter der Tat steckt. Rowena entschließt sich, zusammen mit ihrem Kollegen, dem Hackergenie Miles Haley (Giovanni Ribisi) dem vermeintlichen Mörder auf die Schliche zu kommen und schleicht sich als Aushilfskraft in dessen Unternehmen ein.

Meinung zum Film:
In „Verführung einer Fremden“ standen die beiden Superstars Halle Berry („X-Men“) und Bruce Willis („Stirb langsam“) nach „The Last Boy Scout“ zum zweiten Mal gemeinsam vor der Kamera. Während ihr erstes Aufeinandertreffen nicht unbedingt auf Augenhöhe stattfand, begegnet man sich nun mit einem vergleichbarem Superstar-Potential. Wie nicht anders zu erwarten schaffen es auch beide, das Publikum mit ihren Auftritten für sich zu gewinnen. Dies ist auch zwingend erforderlich, da Regisseur James Foley („Die Kammer“) außer den beiden nichts sonderlich ansprechendes in seinem Film präsentieren kann. In den letzten 20 Minuten schaffen es aber selbst die Darsteller nicht mehr, den hanebüchenen Geschehnissen auf dem Bildschirm Substanz zu verleihen. Doch die Probleme beginnen nicht erst mit dem Ende, sondern bestehen im Grunde von der ersten Minute an.

So wird ständig versucht, jeder Person ein oftmals sehr fadenscheiniges Motiv für den Mord an Grace mit auf den Weg zu geben. Fast alle Figuren bleiben dabei allerdings profillos und austauschbar, so dass man sich als Zuschauer des öfteren fragt, was diese überhaupt für eine Bedeutung in der Geschichte haben, außer als künstlich erzeugter, potentieller Täter herhalten zu müssen. Die gesamte Zeit über will zudem kaum Spannung oder auch nur ein Hauch Suspense aufkommen. Die Frage, ob Harrison Hill nun wirklich der Mörder von Grace ist, kommt niemals so recht in Fahrt. Wer an Hand des Trailers der Täuschung erlegen ist, es gebe ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Rowena und Harrison, wird am Ende die Erkenntnis gewinnen, dass der Schnitt der Vorschau ein Geniestreich war, da hier mehr Substanz und Thrill geboten wurde, als im gesamten Film. Eine Meisterleistung sind auch die vollkommen abwegigen Fähigkeiten von Computergenie Miles Haley, dessen Hackerfähigkeiten noch weit über denen von Chloe O’Brien von der CTU in „24“ liegen, und ganz sicher so weit von der Realität entfernt sind, wie die Erde vom Mars. Zumindest ein klein wenig Realitätsnähe sollte man in diesen Punkten von einer Hollywoodproduktion erwarten dürfen.

Wer aber der Meinung ist, dass fehlende Spannung, billige Hackertricks und die höhepunktlose Story bereits der Gipfel des Films sind, wird in den letzten 20 Minuten überrascht sein, wie tief das Niveau eines Big-Budget-Films noch sinken kann. Es beginnt damit, dass eine Person ohne jeden Beweis verhaftet und vor Gericht gestellt wird. Hier wird diese Person auf Grund von fadenscheinigen Indizien, die wahrscheinlich jeder Rechtsanwaltsgehilfe problemlos ad absurdum führen könnte, wegen des Mordes verklagt. Aber trotz des sicheren Gefühls beim Zuschauer, damit den Bodensatz an Plattheit erreicht zu haben, übertrifft die endgültige Auflösung des Mordfalls alles bisher Gesehene bei weitem. Was das Autorenteam hier auftischt ist fast schon eine Beleidigung des menschlichen Intellekts. Es ist zu bezweifeln, dass irgendjemand, der in der Lage ist, die Wurzel aus 9 zu ziehen, die Motivation hinter der Tat auch nur annähernd akzeptieren, geschweige denn nachvollziehen kann. Man fühlt sich regelrecht betrogen um rund 105 Minuten seines Lebens und daran kann auch die Leistung vom Duo Berry/Willis nichts ändern.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist nur durchschnittlich gut. Der Rotanteil in den Farben ist sehr hoch, das Erscheinungsbild wirkt oftmals recht erdfarben. Die Schärfe kommt über einem guten Durchschnitt nicht hinaus, vor allem im Hintergrund befindliche Details sind nicht immer unbedingt sonderlich scharf. Der deutsche Ton in Dolby Digital 5.1 ist klar verständlich, Surrounddetails sind aber fast ausschließlich in Form von Musik zu vernehmen.

Als Extra gibt es neben dem Trailer noch ein knappes Making Of, bei dem die Darsteller und Macher von der psychologischen Tiefe der Charaktere berichten und der Faszination ihrer Motivation. Das ganze hört sich sehr interessant an, hat aber leider nichts mit dem vorliegenden Film zu tun, da von alle dem in diesem nichts zu finden ist.

Fazit:
„Verführung einer Fremden“ ist ein spannungsloser Thriller, der in den letzten 20 Minuten so viel inhaltlichen Durchfall bietet, dass man damit eine ganze Armada von B-Pictures füllen könnte. Wer nicht am Ende das Gefühl haben möchte, die ganze Zeit über für dumm verkauft worden zu sein, sollte diesen Film besser nicht in den Player legen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
104:36 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial:
  • Virtuelle Leben: Making Of Verführung einer Fremden
  • Trailer
Verführung einer Fremden - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Verführung einer Fremden
Perfect Stranger

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ein Film, der mit der Auflösung sein Publikum offenbar für dumm verkaufen will und noch nicht einmal sonderlich spannend ist


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2007
Regie:
James Foley
Drehbuch:
Todd Komarnicki, Jon Bokenkamp
Darsteller:
Bruce Willis,Halle Berry, Giovanni Ribisi, Gary Dourdan, Richard Portnow, Nicki Aycox, Daniella Van Graas, Clea Lewis, Patti D'Arbanville

Label Deutschland :
Sony Pictures Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
13.09.2007