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DVD-Besprechung - Berühre nicht die weisse Frau

Story:
General Custer (Marcello Mastroianni), der Held aus den Indianerkriegen, wird von General Terry (Philippe Noiret), im Auftrag einiger Industriemagnaten beauftragt, die letzten Indianer auszurotten, da sie das Bauland für eine geplante Eisenbahnstrecke besetzen. Bei den Indianern unter Führung von Sitting Bull (Alain Cuny) regt sich jedoch massiver Widerstand und es gelingt ihm, die Stämme im Kampf gegen den Indianerschlächter Custer zu vereinen. Beide Seiten begegnen sich auf dem Schlachtfeld, wo Custer, übermannt von seiner Gier nach Ruhm, alleine gegen die Indianer losschlägt, ohne auf seine Verstärkung zu warten.

Meinung zum Film:
"Berühre nicht die weisse Frau" wurde größtenteils in einer riesigen Baugrube in Paris gedreht. Zuvor befanden sich dort die zentralen Markthallen von Paris (Les Halles), die jedoch zum Zeitpunkt der Dreharbeiten bereits abgerissen waren. Später entstand dort ein riesiges Einkaufszentrum, das Forum des Halles. Neben Ferreri nutzte auch Roman Polanski diese Location für seinen Film "Der Mieter". Ferreri ("Das große Fressen") gelang es für seinen Film ein enormes Aufgebot an französischen und italienischen Stars aufzubieten. Marcello Mastroianni ("Das süße Leben") arbeitete zuvor bereits mit Visconti, Fellini und Malle, Catherine Deneuve ("Ekel"), eine der bekanntesten französischen Schauspielerinnen dieser Zeit, spielte bereits unter der Regie von Polanski und Buñuel, und Michel Piccoli ("Trio Infernal") in der Rolle des Buffalo Bill drehte bereits "Das grosse Fressen", sowie "Dillinger ist tot", mit Ferreri. Hinzu gesellen sich noch Philippe Noiret ("Topas") als General Terry, besonders bekannt durch "Zazie" von Malle, oder auch sein Spätwerk "Cinema Paradiso", sowie Ugo Tognazzi ("Ein Käfig voller Narren") der besonders durch Komödien bekannt wurde, als Scout Mitch, und last but not least Alain Cuny ("Der Glöckner von Notre Dame") als Häuptling Sitting Bull.

Zunächst sollte man die Inhaltsangabe bei "Berühre nicht die weisse Frau" nicht sonderlich ernst nehmen. Es handelt sich hier nicht wirklich um einen Western, der die Niederlage von General Custer am Little Bighorn nachzeichnet. Vielmehr handelt es sich bei dem Film um eine Groteske oder Polit-Farce. Ferreri versetzte die Indianer und Custer nebst Kavallerie in das Paris der Gegenwart. Schauplatz der finalen Schlacht und Hauptspielort ist dabei die bereits erwähnte Baugrube. Während die Kavallerie durch die Stadt reitet, vollzieht sich in Paris der ganz normale Alltag, das bedeutet u.a. das ständig Autos durch die Straßen fahren, und obwohl die ganze Geschichte in den Vereinigten Staaten spielen soll, finden sich überall französische Straßen- und Hinweisschilder. Es wird gar nicht erst wirklich versucht, den Spielort zu verschleiern. Das einzige, was man im Grunde über die Situation in den USA erfährt, ist, dass zu dieser Zeit, historisch korrekt, Richard Nixon Präsident ist. Bereits zu Beginn bedient sich der Film recht drastischer Worte zur Planung des Feldzugs gegen die Indianer. Die Indianer sind für die Industriellen nichts anderes als Wilde, Anarchisten und Untermenschen. Ihre Ausrottung wird dann auch ganz offen als "Endlösung" bezeichnet. Die Indianer stehen ihren Geschäften im Wege und müssen daher vernichtet werden, General Custer erscheint da als das geeignete Werkzeug.

Leider erschöpfen sich der Humor und die Skurrilität des Films bereits größtenteils mit dem Umfeld, also dem Paris der Gegenwart, sowie der überzogen albernen Charakterisierung der Figuren. General Custer ist ein Indianerhasser, der bei jeder Gelegenheit, zu der sein Name fällt, oder wenn er sich vorstellt, wie ein Zirkuspferd auf den Boden aufstampft und dem das Vaterland und sein eigener Ruhm über alles gehen. Buffalo Bill wird als eitler Pfau und lächerliche Figur dargestellt, die nur darüber fabuliert, wie viele Büffel er bereits abgeschlachtet habe. General Terry ist ein Hypochonder und durch seine ständigen eingebildeten Erkrankungen gar nicht mehr dienstfähig. Der indianische Scout von Custer, Mitch, hingegen wird von den Weißen wie ein dressiertes Tier behandelt und erntet auch von den Indianern nur Verachtung. Erstaunlich drastisch präsentiert sich der Film bei der Darstellung von Gewalt, da werden Köpfe abgetrennt, es gibt blutige Pfeil- und Schusswunden und auch herausquellende Gedärme dürfen nicht fehlen. Zwar fällt die Darstellung absichtlich überzogen aus, die Altersfreigabe ab 12 Jahren erscheint aber trotzdem eher fragwürdig.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild weist ein deutliches Rauschen auf. Die Farben sind aber kräftig und natürlich ausgefallen und auch die Bildschärfe weiß durchaus zu überzeugen. Die deutsche und französische Tonspur sind beide gut verständlich, deutsche Untertitel sind optional vorhanden.

Die Extras sind leider mehr als bescheiden ausgefallen. Es gibt lediglich einen Trailer, eine Biographie zu Marco Ferreri im Umfang von 13 Bildschirmseiten, sowie Starinfos zu Marcello Mastroianni (3 Seiten), Catherine Deneuve (15 Seiten) und Michel Piccoli (4 Seiten).

Fazit:
"Berühre nicht die weisse Frau" ist eine Groteske, die leider recht oberflächlich ausgefallen ist und hauptsächlich von den durchgehend hervorragend aufspielenden Darstellern lebt. Die Aussage und der kritische Standpunkt des Films werden zu sehr durch Albernheiten verwässert und der Großteil der Gags ist äußerst flach ausgefallen. Der Drehort und diverse Szenen erinnern dabei eher an Straßentheater denn an einen Kinofilm mit Staraufgebot. Die Extras der DVD sind leider extrem spärlich ausgefallen, gerade bei diesem Film hätte man sich mehr Hintergrundinformationen gewünscht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
105:15 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Französisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Biographie von Marco Ferreri
  • Starinfos zu Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve und Michel Piccoli
Berühre nicht die weisse Frau - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Berühre nicht die weisse Frau
Touche pas à la femme blanche

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Relativ platte Groteske mit großartigen Schauspielern


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich / Italien, 1974
Regie:
Marco Ferreri
Drehbuch:
Rafael Azcona, Marco Ferreri
Darsteller:
Marcello Mastroianni, Catherine Deneuve, Michel Piccoli, Philippe Noiret, Ugo Tognazzi, Alain Cuny

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
18.05.2007