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DVD-Besprechung - Das Bildnis des Dorian Gray

Story:
Dorian Gray (Helmut Berger) steht für seinen Freund Basil (Richard Todd) Modell. Dorian ist von dem Bild fasziniert und behält es für sich selbst. Als sich Henry Wotton (Herbert Lom) und Dorian auf einer Party kennen lernen, ist dieser fasziniert von Dorians Jugend und Schönheit und versucht zusehends, auf Dorians Lebensweise Einfluss zu nehmen. Dadurch wandelt sich Dorian vom eher schüchternen, empfindsamen Jüngling zu einem zynischen, selbstverliebten und grausamen Menschen, der nur auf sein persönliches Vergnügen aus ist und seine Freundin Sybil (Marie Liljedahl) sogar in den Freitod treibt. Während Dorian jung und schön bleibt, altert stattdessen sein Portrait und wandelt sich zu einer monströsen Fratze, in der sich sein korrumpierter Charakter widerspiegelt.

Meinung zum Film:
"Das Bildnis des Dorian Gray" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde aus dem Jahre 1890. Der Roman spielt im viktorianischen England und handelt von einem dekadenten Menschen, der sich selbst zugrunde richtet. Im Mittelpunkt stehen Aspekte wie Schönheit, Sittlichkeit, Amoral, Vergänglichkeit und der Ästhetizismus als Lebenshaltung. Bereits um 1910 herum entstanden mehrere recht frei adaptierte Stummfilme auf Basis des Romans. Weitere Verfilmungen folgten, die bekannteste und beste dürfte jedoch die amerikanische Produktion von Albert Lewin aus dem Jahre 1945 sein, die auch zwei Oscars gewann. Regisseur Massimo Dallamano ("Bandidos") wurde vor allem durch seinen Giallo "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" aus dem Jahr 1972 und dem Mix aus Poliziotti und Giallo, "Der Tod trägt schwarzes Leder" mit Mario Adorf von 1974 bekannt.

Auf der vorliegenden DVD befindet sich die deutsche Kinofassung von "Das Bildnis des Dorian Gray", die gegenüber der ursprünglichen Fassung um 8 Minuten kürzer ausgefallen ist. Die ungekürzte Fassung ist jedoch bisher weltweit weder auf VHS, noch auf DVD erschienen, und lief nur in italienischen und englischen Kinos. Massimo Dallamano verlagert für seine äußerst freie Adaption des Klassikers die Handlung aus dem viktorianischen England in das England der späten 60er Jahre. Leider mangelt es dem Film dann auch insgesamt vor allem an einem, an Atmosphäre, allerdings auch an jeglicher Spannungskurve. Dorian gerät bereits früh unter den Einfluss von Henry, der sich vor allem als unermüdlicher Phrasendrescher und selbsternannter Philosoph entpuppt. So wird man als Betrachter stetig mit oberflächlichen Lebensweisheiten wie "Begehen Sie nicht den Fehler, Ihre Jugend ungenutzt verstreichen zu lassen", oder "Jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich und sonst nichts" bombardiert. Dorian übernimmt all diese Empfehlungen so begierig wie unreflektiert, und letztere angeführte Weisheit führt nach einem heftigen Streit direkt zum Freitod seiner Geliebten Sybil. Dorian zeigt sich allerdings wenig beeindruckt von dieser Tatsache und gibt sich einem äußerst aufwendigen und dekadenten Lebensstil hin. Für den Film bedeutet das vor allem eine schier endlose Aneinanderreihung harmloser Erotikszenen, mit kitschiger Musik unterlegt, und dem zeitgenössischen Motiv der "freien Liebe" folgend.

Diese Darstellung steht wohl auch in einem starken Kontrast zur älteren Verfilmung von 1945. Dorian ist lediglich damit beschäftigt, eine attraktive Frau nach der anderen flachzulegen, er gibt sich hemmungslos der Genusssucht hin und kennt keine Sorgen. Das Porträt des Dorian Gray, eigentlich ein zentrales Element der Vorlage, tritt völlig in den Hintergrund. Die Finsternis, der seine Seele anheim gefallen ist wird in keinster Weise thematisiert. Statt moralische Fragen aufzugreifen und Dorians Innenleben abzubilden, versteift sich der Film nur darauf, Oberflächlichkeiten zu thematisieren. Erst gegen Ende scheint diese Tatsache dann auch dem Drehbuchschreiber aufgefallen zu sein und der Film besinnt sich in den letzten 15 Minuten darauf, ein vollkommen hanebüchenes, aus der Luft gegriffenes Ende anzufügen, da die Geschichte zuvor vollkommen ins Leere lief. Die charakterliche Entwicklung, bzw. Wandlung oder Selbsterkenntnis, die dem verzweifelten Schritt am Ende vorausgeht, ist dabei in keinster Weise nachvollziehbar. Helmut Berger zelebriert hier die Rolle des eitlen, aufgeblasenen Pfaus und trägt, auf Kosten der Charaktertiefe, lediglich ein geckenhaftes Outfit nach dem anderen zur Schau. Mit Sätzen wie "Wir Reichen haben eben so gar keine Beziehung zum Geld, es langweilt uns nur" spielt er sich auch sicherlich nicht in die Herzen der Zuschauer.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild besitzt besonders zu Beginn einen unruhigen Bildstand und weist außerdem ein stärkeres Bildrauschen und einige Verschmutzungen auf. Auf der DVD befindet sich lediglich die deutsche Tonspur, die englische Originaltonspur ist nicht vorhanden. Die deutsche Tonspur ist aber zu jeder Zeit gut verständlich.

Auf der DVD befindet sich die rund 41-minütige Dokumentation "Helmut Berger: Mein Leben" aus dem Jahr 2005. Fans des Schauspielers wird hier ein ziemlich persönliches Portrait geboten, alle anderen werden aufgrund der überaus arroganten Selbstdarstellung wohl eher befremdet abschalten, oder sich köstlich amüsieren. Weiterhin befinden sich auf der DVD eine Fotogalerie und eine Biographie von Helmut Berger im Umfang von 11 Bildschirmseiten.

Fazit:
Massimo Dallamano hat mit "Das Bildnis des Dorian Gray" eine unerträglich seichte Adaption des Klassikers von Oscar Wilde abgeliefert, die der Vorlage in keinster Weise gerecht wird. Oberflächliche Dialoge und ein Sammelsurium harmloser Erotikszenen bilden die Versatzstücke einer nur rudimentär erkennbaren Story, die ohne jegliche Spannungskurve ihrem abrupten Ende entgegensteuert. Die Bildqualität der DVD ist zudem nur durchschnittlich ausgefallen, die Extras sind, bis auf die Doku über Helmut Berger, die jedoch nichts mit dem Film zu tun hat, sehr spärlich ausgefallen und die originale Tonspur ist nicht vorhanden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,66:1
1,66:1
90:47 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Keine Untertitel vorhanden.
Bonusmaterial:
  • Dokumentation "Helmut Berger: Mein Leben"
  • Fotogalerie
  • Biographie von Helmut Berger
Das Bildnis des Dorian Gray - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Das Bildnis des Dorian Gray
Dorian Gray

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Die Vergewaltigung eines Klassikers zu Lasten der Zuschauer


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / UK / Italien, 1970
Regie:
Massimo Dallamano
Drehbuch:
Marcello Coscia, Massimo Dallamano, Günter Ebert (nach dem Roman von Oscar Wilde)
Darsteller:
Helmut Berger, Herbert Lom, Richard Todd, Marie Liljedahl, Margaret Lee, Maria Rohm

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
18.05.2007