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DVD-Besprechung - Black Dahlia

Story:
Im Los Angeles des Jahres 1947 wird die grausam entstellte Leiche des Starlets Elizabeth Short, fortan nur noch die "Schwarze Dahlie" genannt, aufgefunden. Die beiden Aushängeschilder der Zentralfahndung, die Ex-Boxer Dwight "Bucky" Bleichert (Josh Hartnett) und Leland "Lee" Blanchard (Aaron Eckhart) werden mit dem Fall betraut und zur Mordkommission versetzt. Die Ermittlungen gestalten sich jedoch äußerst schwierig. Während der Fall Lee emotional schwer belastet und seine Benzidrinsucht immer unkontrollierter wird, beginnt Bucky im Zuge seiner Ermittlungen eine Affäre mit Madeleine Linscott (Hilary Swank), obwohl sie in den Fall verwickelt zu sein scheint.

Meinung zum Film:
"Black Dahlia" basiert auf dem Roman "Die Schwarze Dahlie" des amerikanischen Schriftstellers James Ellroy. Er gilt als einer der bedeutendsten Kriminalautoren und konzentriert sich in seinen Werken vor allem auf die Schattenseiten der amerikanischen Gesellschaft. "Black Dahlia" entstand im Jahre 1987 und stellt den ersten Teil des sogenannten "L.A. Quartett" dar, zu dem außerdem "Blutschatten", "L.A. Confidential", der bereits 1997 mit großem Erfolg von Curtis Hanson ("Die Hand an der Wiege") verfilmt wurde, sowie "White Jazz", gehören. Das Buch basiert auf dem ungeklärten Mord an Elizabeth Short, die am 15. Januar 1947 tot aufgefunden wurde. James Ellroy griff diese authentische Begebenheit auf, verwob Realität und Fiktion miteinander und verarbeitete dabei auch noch literarisch den gewaltsamen Tod seiner eigenen Mutter. Regisseur Brian de Palma ("Dressed to Kill") dem trotz vieler großer Klassiker, wie "Scarface" oder "Carlito's Way", seit "Mission Impossible" (1996) mit Tom Cruise kein wirklicher Kassenschlager mehr gelang, übernahm die Filmadaption und konnte dabei auf ein stattliches Budget von 50 Millionen Dollar zurückgreifen.

"Black Dahlia" definiert sich, vor allem aufgrund seiner Optik, als eine Art Neo-Noir-Film. Der Film greift auf viele dunkle Szenerien zurück und Schatten spielen eine gewichtige Rolle. Diese Schatten legen sich jedoch auch auf die handelnden Akteure der Geschichte. Bleichert vermischt im Laufe seiner Ermittlungen private und dienstliche Angelegenheiten und hält Madeleine Linscott aus dem Fall heraus. Lee verliert sich in seiner Drogensucht, ermittelt auf eigene Faust ohne Rückendeckung des Departments und seine Freundin Kay (Scarlett Johansson) ist eine ehemalige Prostituierte, die in Furcht vor ihrem damaligen Zuhälter lebt. Trotz einiger weiterer, typischer Elemente des klassischen Film Noir, wie der Femme Fatale in Gestalt von Madeleine oder mysteriösen Hintermännern, die gewaltsam in die Ermittlungen eingreifen, kann "Black Dahlia" aber weder als Krimi, noch als Thriller überzeugen. Es gelingt dem Film zu keiner Zeit, wirkliche Spannung aufzubauen. Das liegt vor allem daran, dass der rote Faden des Films bereits sehr früh verloren geht, und erst etwa 20 Minuten vor Schluss wieder aufgegriffen wird. In der Zwischenzeit verarbeitet der Film zahlreiche Nebenplots, z.B. die Entfremdung von Lee und Bucky, das Scheitern der Beziehung von Kay und Lee, die Affäre von Madeleine und Bucky und die Rekonstruktion der Leidensgeschichte von Elizabeth Short. Der Zuschauer bleibt dabei leider auf der Strecke und kann sich lediglich an den opulent ausgestatteten, und mit viel Liebe zum Detail rekonstruierten Originalschauplätzen erfreuen. Das fehlende Tempo des Drehbuchs, in dem Action mit der Lupe gesucht werden kann, wird dabei noch durch viele quälend lange Einstellungen verstärkt.

Vor allem die Hauptfigur des "Bucky" wurde mit Josh Hartnett ("Lucky # Slevin") auch noch völlig fehlbesetzt. Hartnett scheitert hier grandios an der vielschichtigen Figur des innerlich zerrissenen Polizisten und wirkt eher wie der ewige Teenager im falschen Film. Seine Heulattacken und sein Selbstmitleid im weiteren Verlauf des Films zerstören das Bild vom Cop mit Ecken und Kanten nachhaltig. Scarlett Johansson ("Match Point") hat eine relativ undankbare Rolle und bleibt diesmal auch optisch, im wahrsten Sinne des Wortes, blass. Bei Hilary Swank ("Million Dollar Baby") wechseln sich Licht, hauptsächlich bei ihrer Einführung in die Geschichte, und Schatten, vor allem bei einigen peinlichen Szenen gegen Ende, ständig ab.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild kämpft mit einem leichten Rauschen und die auf alt getrimmte Optik führt zu harten Kontrasten, die Details verschlucken. Die Schärfe ist ebenfalls nicht optimal, der Ton geht dafür aber in Ordnung.

Die Extras der DVD bestehen aus drei Teilen. In "Fiktion und Realität - Die Geschichte der Black Dahlia" steht der historische Kriminalfall im Vordergrund, hier äußern sich vor allem Autor und Regisseur. Angesichts der Laufzeit von nur rund 11 Minuten hält sich der Informationswert arg in Grenzen. "Die Polizeiakte" beschäftigt sich vor allem mit der Entstehung des Films und den darin vorkommenden Charakteren. In rund 20 Minuten kommen Autor, Regisseur und Schauspieler zu Wort. Mit Abstand am interessantesten ist "Die De Palma-Note". Hier geht es in rund 17 Minuten vor allem um die Rekonstruktion der historischen Schauplätze, die Optik des Films, sowie die musikalische Untermalung.

Fazit:
"Black Dahlia" gelingt es optisch sehr gut, das L.A. der 40er Jahre einzufangen, inhaltlich ist der Film aber eine ganz große Luftnummer, die den roten Faden früh verliert und erst kurz vor Schluss überhastet wieder aufnimmt. Großartige schauspielerische Leistungen sucht man vergeblich, Spannung und Tempo wurden komplett über Bord geworfen und Beziehungsgeschichten verwässern die Handlung. Letztendlich ist der Film genretechnisch weder Fisch noch Fleisch und das Drehbuch ist grandios an der versuchten Komprimierung der literarischen Vorlage gescheitert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
115:44 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bonusmaterial:
  • Fiktion und Wirklichkeit: Die Geschichte von Black Dahlia
  • Die Polizeiakte
  • Die De Palma-Note
Black Dahlia - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Black Dahlia
The Black Dahlia

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Misslungene Ellroy-Verfilmung ohne Tempo, Spannung und roten Faden


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / USA, 2006
Regie:
Brian De Palma
Drehbuch:
Josh Friedman (nach dem Roman von James Ellroy)
Darsteller:
Josh Hartnett, Scarlett Johansson, Aaron Eckhart, Hilary Swank, Mia Kirshner, Mike Star

Label Deutschland :
Warner Home Video Germany
Verkaufsstart Deutschland :
09.02.2007