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DVD-Besprechung - Blood & Bones Special Edition

Story:
Joon Pyong-kim (Takeshi Kitano) wandert als junger Mann von Korea nach Japan aus. Er eröffnet eine Kamabokufabrik, Kamaboku ist eine Art Fischwurst, und beginnt damit gutes Geld zu verdienen. Seine Familie und auch seine Angestellten haben jedoch unter seinen Gewaltausbrüchen, seiner Unbeherrschtheit und seinem mitleidslosen Charakter zu leiden. Schließlich wird er zum Kredithai und zieht sich mehr und mehr aus seinem Fabrikgeschäft zurück. Auch mit zunehmendem Alter verändert er sich nicht und bleibt bei seiner erbarmungslosen Linie. Dadurch zerstört er seine Familie, treibt verzweifelte Schuldner in den Tod und isoliert sich vollständig.

Meinung zum Film:
"Blood & Bones" liegt ein stark autobiographisches Buch des koreanisch-japanischen Autors Yan Sogiru zugrunde. Der Autor zeichnet darin das Leben seines Vaters, im Film Joon Pyong-kim, nach. Der Film gewann vier Japanese Academy Awards, u.a. für die beste Regie, und wurde in acht weiteren Kategorien nominiert. Die Geschichte beginnt mit der Überfahrt Joons nach Osaka Anfang der 20er-Jahre und spannt von da an einen Bogen von beinahe 60 Jahren, der die Geschichte von Joon Pyong-kim und seiner Familie nachzeichnet. Es handelt sich um ein Familiendrama mit historischen Hintergründen. Joon Pyong-kim arbeitet sich mit unerbittlicher Härte, gegenüber sich selbst, seiner Familie und seinen Arbeitern in Osaka schnell nach oben. Seine Familie profitiert davon jedoch in keiner Weise. Er schlägt Frau und Kinder, vergewaltigt seine Gattin, legt sich ganz offen eine Geliebte als Spielzeug zu und zeigt ihnen in aller Deutlichkeit seine Verachtung. Bei seinem Sohn Masao, gespielt von Hirofumi Arai ("Sway"), der im Film auch als Erzähler fungiert, führt das zu einem immensen Hass auf seinen Vater, während seine ältere Schwester letztendlich daran zugrunde geht. Joon geht jedoch, davon völlig unbeeindruckt, seinen Leidenschaften, vor allem Geld und Sex, nach und isoliert sich immer stärker von seiner Familie, die er nach und nach ruiniert. Als seine Frau an Krebs erkrankt, ist sie ihm nicht einmal das Geld für eine Strahlentherapie wert und er stellt klar, dass es ihn einen Dreck interessiert, ob sie lebt oder stirbt.

Leider besitzt "Blood & Bones" zahlreiche Schwächen. Zunächst wäre hier die Tatsache zu erwähnen, dass der Zuschauer mit der Geschichte ziemlich allein gelassen wird. Europäer werden große Probleme haben, die größtenteils nur angerissenen, historischen Hintergründe, wie z.B. den japanisch-chinesischen Krieg oder die Teilung Koreas, nachvollziehen zu können. Weiterhin wird Joon Pyong-kim fast durchgängig lediglich als Widerling und unmenschliches Monster präsentiert. Es gibt jedoch nicht einmal die leiseste Andeutung oder Erklärung, wie er zu einem solchen Menschen geworden ist. Dieses Manko, vor allem darzustellen, statt zu erklären oder zu begründen, zieht sich durch den gesamten Film, beispielsweise erfährt man nie, woher Joon das Geld genommen hat, um seine Fabrik zu eröffnen. Ferner war Joon während des gesamten Krieges abgetaucht, als er Jahre später wieder auftaucht und sein "Terrorregime" fortsetzt, erfährt man weder, wo er gewesen ist, noch was er während dieser langen Zeit getan hat. Die Gewaltausbrüche von Joon ermüden den Zuschauer bereits nach kurzer Zeit, da sie sehr häufig auftreten. Einerseits wirken sie dabei oft übertrieben und man nimmt sie dem in die Jahre gekommenen Hauptdarsteller auch körperlich nicht ab, ein Vorbehalt, der auch im Behind the Scenes bestätigt wird, andererseits kündigen sie sich bereits im Vorfeld an und können daher weder aufrütteln noch schockieren. Bis auf die Gewaltausbrüche entfaltet sich der Film in den beinahe zweieinhalb Stunden ohne sonderliche Höhepunkte, erschwerend tritt die ein wenig holprige Erzählweise hinzu. Die Szenen wirken recht zufällig aneinandergereiht, viele Abschnitte wirken zu kurz und abgehackt. Ein großes Problem sind auch die teils riesigen Zeitsprünge, die ohne einen sichtbaren, fließenden Übergang in die Geschichte eingebaut wurden. Trotz der teilweise schockierenden, sowohl physischen, als auch psychischen, Gewalt lässt einen der Film größtenteils emotional kalt. Die Charaktere im Film durchlaufen keine sichtbare Entwicklung, außer dass sie altern, was durch das Make-Up hervorragend gelöst wurde.

Im Mittelpunkt steht Joon, dem man keine Sympathie entgegenbringen kann, zumal man seinen Werdegang nicht nachvollziehen kann. Die anderen Familienmitglieder bleiben charakterlich aber lediglich Schablonen. Man kann nicht in sie hineinsehen und daher auch kaum mit ihnen mitleiden. Auch der nur angedeutete charakterliche Wandel von Masao, der seinem Vater plötzlich sehr ähnlich erscheint und seine um Hilfe suchende Schwester abweist, kann schwerlich nachvollzogen werden und wird mit dem Tod der Schwester auch direkt wieder zurückgenommen. Sehr gelungen sind hingegen die Musikuntermalung, die teilweise an "Der Pate" erinnert, die durchgehend sehr überzeugenden Leistungen der Darsteller, sowie die glaubwürdigen, zeitgenössischen Kulissen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bild- und Tonqualität der DVD sind hervorragend und absolut überzeugend. Neben der deutschen Tonspur gibt es auch eine japanische Tonspur mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln.

Auf der ersten DVD, auf der sich auch der Film befindet, gibt einen Trailer, zwei Teaser und einen TV-Spot zum Film. Die zweite DVD enthält den Großteil des Bonusmaterials. Es gibt ein ausführliches "Behind the Scenes" mit über 40 Minuten Laufzeit, bei dem man von allen Extras am meisten über den Film erfährt, sowie einen peinlichen Ausraster des Regisseurs zu sehen bekommt. Weiterhin gibt es Interviews mit beinahe allen Darstellern bis in die kleinsten Nebenrollen mit einer Laufzeit von rund 26 Minuten. Leider sind die Interviews wenig informativ und in erster Linie schwärmen alle nur von der Zusammenarbeit mit und Leistung von Takeshi Kitano. Weiterhin gibt es ein etwa 20-minütiges Making Of, das aber weit weniger informativ ausfällt als das Behind the Scenes. Hier werden u.a. die Make-Up Effekte beleuchtet, vor allem aber die Außenaufnahmen und Kulissen thematisiert. Weiterhin gibt es noch kurze Beiträge von den Kinopremieren in Japan und Korea.

Fazit:
"Blood & Bones" ist ein gut gespieltes und mit großem Aufwand gedrehtes Drama, das sein eigentliches Ziel aber verfehlt, da keine emotionale Bindung zwischen Zuschauern und Filmcharakteren entsteht. Eine Erzählweise mit weicheren Übergängen und einer Konzentration auf die wesentlichen Aspekte der Geschichte wäre ebenfalls wünschenswert gewesen. Letztendlich gelingt es dem Film nicht, seine guten Ansätze weiterzuentwickeln und über eine simple Darstellung der Geschehnisse hinauszugehen, wofür vor allem eine durchgehend glaubwürdige und nachvollziehbare Charakterzeichnung notwendig gewesen wäre.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
144:14 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Japanisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Behind the Scenes
  • Interviews
  • Making Of
  • Filmpremiere in Japan
  • Filmpremiere in Korea
  • Trailer
  • 2 Teaser
  • TV Spot
Blood & Bones Special Edition - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Blood & Bones
Chi to hone

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein düsteres Drama mit zahlreichen Schönheitsfehlern


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2004
Regie:
Yoichi Sai
Drehbuch:
Sogil Yan, Yoichi Sai, Wui Sin Chong
Darsteller:
Takeshi Kitano, Kyoka Suzuki, Hirofumi Arai, Tomoko Tabata, Mari Hamada, Junji Ito

Label Deutschland :
I-On New Media
Verkaufsstart Deutschland :
24.11.2006