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DVD-Besprechung - Carlos
Story:
Im Jahre 1915 führt der Feudalherr Philipp (Bernhard Wicki) in Südeuropa ein gnadenloses Regiment. Mit einer Privatarmee unter der Führung seines Schergen Ligo (Horst Frank) sichert Philipp seine Machtbasis und beutet die verarmte Landbevölkerung als Sklavenarbeiter aus. Jede Form von Aufruhr wird umgehend mit dem Tode bestraft. Philipps Sohn, Carlos (Gottfried John), arbeitet jedoch mit einer revolutionären Bauernbewegung zusammen, die Philipp und seine Schreckensherrschaft stürzen will. Carlos verliebt sich jedoch in Clara (Anna Karina), die Frau von Philipp, und verliert zusehends seine revolutionären Ziele aus den Augen.
Meinung zum Film:
Der Name des Regisseurs und Drehbuchautors von "Carlos", Hans W. Geißendörfer, dürfte wohl zunächst vor allem mit einem der deutschen Fernsehphänomene, nämlich der überaus erfolgreichen Großmutter aller deutschen Soap-Operas, der Endlosserie "Lindenstraße", die seit 1985 über deutsche Bildschirme flimmert, assoziiert werden. Hans W. Geißendörfer drehte jedoch auch vor allem in den frühen 70er Jahren diverse Spielfilme, meist für das Fernsehen. Unter anderem adaptierte er 1981 auch den Roman "Der Zauberberg" von Thomas Mann, sein bekanntester Film ist jedoch "Die gläserne Zelle" von 1978. Dieser Film gewann das Filmband in Gold, den Bundesfilmpreis, und wurde außerdem für den Oscar als bester ausländischer Film nominiert. Die Filmproduktion "Carlos", die zwischenzeitlich vor der Pleite stand, wurde letztlich mit Mitteln des Bayerischen Rundfunks, des Westdeutschen Rundfunks und der Aradt-Film realisiert, bzw. produziert.
"Carlos" orientiert sich sehr frei an "Don Karlos" von Friedrich Schiller. Hier wie dort liebt der Sohn, in diesem Falle Carlos, die neue Frau seines Vaters, hier Clara, und es gibt noch weitere Parallelen, die an dieser Stelle aber nicht weiter ausgeführt werden sollen. Diesen groben Rahmen überträgt Geißendörfer in die äußere Form eines klassischen Westerns, der genretypisch mit einem Showdown abschließt. Allerdings gemahnt der Film mit seinen versklavten Arbeitern, die in einem Steinbruch schuften, sowie mit den Exekutionen einiger Aufrührer, nur zu Beginn an typische Italo-Western vor dem Hintergrund der revolutionären Bewegung in Mexiko. Schnell verliert der Film die Revolution und den Kampf gegen die Ausbeuter aus den Augen und konzentriert sich nur noch auf Einzelschicksale. Carlos leidet unter seinem Vater Philipp, der ihm kein Vertrauen entgegenbringt und er hat sich mit dem Revolutionär Pedro (Thomas Hunter) zusammengetan, der einen bewaffneten Aufstand der Bauern plant. Carlos jedoch interessiert sich immer stärker für Clara, die wiederum ebenfalls für die revolutionäre Sache kämpft. Durch seine persönlichen Gefühle für Clara gefährdet Carlos die Pläne von Pedro und neigt immer stärker zu überhasteten Kurzschlussreaktionen. Durch eine Verwechslung kränkt Carlos die junge Arbeiterin Lisa (Geraldine Chaplin), die in ihn verliebt ist, und weist sie zurück. Carlos hat ihr jedoch ihre Liebe zu Clara gestanden, was zusätzliche Brisanz für den Fall in sich birgt, dass Philipp davon erfährt.
Während der Film zunehmend den gesellschaftskritischen Kontext aus den Augen verliert, wird auch die Inszenierung immer behäbiger. Der gesamte Film gestaltet sich sonderbar leblos und auch die Darstellung der Schauspieler wirkt größtenteils vollkommen emotionslos. So fehlen dann auch für einen Western zu viele der klassischen Elemente und der Held, Carlos, ist auch alles andere als ein typischer Westernheld. Er wirkt vielmehr wie ein trotziges, unreifes Kind, dem man sein Spielzeug nicht zu gönnen scheint. Für ein Drama hingegen ist das Drehbuch viel zu oberflächlich und die Love-Story nimmt zwar viel Raum ein, verläuft aber auch lediglich im (Wüsten-)Sande.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild von "Carlos" weist ein starkes Bildrauschen auf und auch mit kleineren Verschmutzungen und Defekten muss man leben. Insgesamt ist die Bildqualität für einen Fernsehfilm aus den 70er-Jahren noch zufriedenstellend, aber wahrlich kein Meisterstück. Die deutsche Tonspur bietet keinen Anlass zur Klage und ist zu jeder Zeit gut verständlich. Es gibt keine Untertitel.
Die Extras sind relativ spärlich ausgefallen. Es gibt lediglich eine Biographie von Hans W. Geißendörfer im Umfang von 5 Bildschirmseiten, sowie ein interessantes Interview mit Hans W. Geißendörfer mit einer Laufzeit von etwas mehr als 26 Minuten. Darin äußert sich Geißendörfer u.a. zu den Entstehungsbedingungen des Films, finanziellen Problemen beim Dreh, zu den beteiligten Schauspielern und zum Kameramann Robby Müller.
Fazit:
Während sich Schiller-Freunde wohl schon wegen der Art der Inszenierung und der Oberflächlichkeit des Drehbuchs von "Carlos" abwenden, vermisst der Westernfan jegliches Tempo und die Action. Obwohl hier mit Gottfried John, Horst Frank und Bernhard Wicki ein wirklich erlesener Cast zusammengetrommelt wurde, schwankt deren Leistung meist zwischen Unterforderung durch das schwache Drehbuch und Kraftlosigkeit des Ausdrucks hin und her. Am Ende wird sich in dieser kruden Mischung aus Drama und Western wohl so ziemlich niemand wiederfinden und auch die technische Präsentation der DVD ruft nicht gerade Begeisterungsstürme hervor.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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102:12 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Biographie von Hans W. Geißendörfer
- Interview mit Hans W. Geißendörfer
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Carlos
Carlos
Eine eher ungewöhnliche Mixtur aus Western und Drama mit schwachem Drehbuch und vielen Längen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland/Israel, 1971 Regie: Hans W. Geißendörfer Drehbuch: Hans W. Geißendörfer Darsteller: Gottfried John, Bernhard Wicki, Anna Karina, Geraldine Chaplin, Horst Frank, Thomas Hunter
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 22.06.2007
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