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DVD-Besprechung - Cinema 16 - American Short Films

Story:
"Cinema 16 - American Short Films" enthält sechzehn Kurzfilme etablierter amerikanischer Regisseure und vielversprechender junger Filmemacher. Enthalten sind die Kurzfilme "The Lunch Date" (Adam Davidson/1990), "Five Feet High and Rising" (Peter Sollett/1999), "Freiheit" (George Lucas/1966), "Daybreak Express" (D.A. Pennebaker/1953), "Vincent" (Tim Burton/1982), "Terminal Bar" (Stefan Nadelman/2002), "Terry Tate: Office Linebacker" (Rawson Marshall Thurber/2003), "Necrology" (Standish Lawder/1969/70), "The Discipline of D.E." (Gus Van Sant/1982), "The Wraith of Cobble Hill" (Adam Parrish King/2005), "George Lucas in Love" (Joe Nussbaum/1999), "Meshes of the Afternoon" (Maya Deren/1943), "Carmen" (Alexander Payne/1970), "Feelings" (Todd Solondz/1984), "Paperboys" (Mike Mills/2001) und Screen Test: "Helmut" (Andy Warhol/1964).

Meinung zum Film:
"Cinema 16 - American Short Films" wurde produziert von dem Engländer Luke Morris, der zuvor bereits für die beiden Kurzfilmsammlungen "Cinema 16 - British Short Films" und "Cinema 16 - European Short Films" verantwortlich war. Die Sammlung hat insgesamt eine stattliche Laufzeit von über drei Stunden. Sie vereint dabei Beiträge aus allen Bereichen, z.B. Zeichentrick/Animation ("Vincent"), Komödie ("Terry Tate - Office Linebacker"), Experimentalfilm ("Daybreak Express"), Drama ("Carmen") oder auch Dokumentation ("Paperboys"). Aus dieser qualitativ hochwertigen Sammlung sollen hier drei hervorstechende Filme exemplarisch geschildert werden.

Da wäre zum ersten "The Discipline of D.E." von Gus Van Sant ("Elephant"). Dieser S/W-Kurzfilm schildert als liebevolle Hommage an Lehrfilme die Disziplin des "Do Easy", kurz "DE". Ziel und Ergebnis dieser Vorgehensweise soll es sein, alltägliche Handlungen auf die leichteste, entspannteste und effizienteste Weise zu erledigen. Das Leben wird vor allem als logistisches Problem begriffen. Methodisch bedient sich "DE" des Mittels der Wiederholung. Fehlerhafte Handlungen werden so oft erneut ausgeführt, bis der Grund des Scheiterns gefunden und behoben werden kann. Faszinierend bei diesem Film ist besonders die ruhige, absolut ernsthaft anmutende und doch immer wieder zum Schmunzeln anregende Erzählweise des Films. Es gelingt ihm dabei, trivialste Vorgänge auf faszinierende Art und Weise filmisch darzustellen, in einzelne Phasen zu zerlegen und ihre weiterführende Relevanz für bedeutendere Herausforderungen des menschlichen Daseins äußerst blumig und fantasievoll zu illustrieren. Der zweite Kurzfilm ist "The Wraith of Cobble Hill", das Erstlingswerk von Adam Parrish King, der damit beim "Sundance Film Festival" 2006 den Kurzfimpreis der Jury gewann. Es handelt sich hier um einen Schwarz-Weiß-Animationsfilm, der mit unglaublich viel Liebe zum Detail und lediglich mit der Hilfe von Knete, Draht und Latex entstanden ist. Die äußerst detaillierten Objekte wurden dann mittels zum Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt, so dass es für alle Fans von Ray Harryhausen eine wahre Freude ist. Doch nicht nur handwerklich stellt der Film ein Meisterwerk dar, auch die düstere und traurige Geschichte weiß voll zu überzeugen. Sie handelt von einem der sozialen Unterschicht entstammenden Jungen, der durch die von einem Ladenbesitzer vorausschauend übertragene Verantwortung für dessen Geschäft und seinen Hund einen Wandel vom verantwortungslosen Saulus zum resozialisierten Paulus durchmacht.

Der dritte Film ist "George Lucas in Love", eine amüsante Liebeserklärung von Joe Nussbaum ("Plötzlich Verliebt") an George Lucas und seine Star-Wars-Filme. In dieser Persiflage wird geschildert, was George Lucas wirklich während seines Studiums zu den Charakteren und Maschinen in Star Wars inspirierte. So wird u.a. die "Macht" als Drogenphantasie entschlüsselt, Darth Vader als Asthmatiker entlarvt und die Rebellion stellt sich als ursprüngliche Studentenrevolte heraus. Der Meister selbst soll über den Film übrigens sehr amüsiert gewesen sein.

Digitale Aufarbeitung:
Natürlich darf man an diese oft frühen Kurzfilme, die meist mit einfach technischen Mitteln und geringem Budget inszeniert wurden, keine Ansprüche wie an einen aktuellen Hollywoodfilm stellen. Außerdem variiert die Qualität von Film zu Film, insgesamt kann man aber, trotz auftretender kleinerer technischer Mängel, mit dem Bild durchaus sehr zufrieden sein. Die englischen Tonspuren sind immer klar und deutlich zu verstehen, bieten somit ebenfalls keinen Grund zur Kritik.

Auf der DVD liegen für alle Kurzfilme außer für "Vincent", "The Discipline of DE" und "Meshes of the Afternoon" Audiokommentare der jeweiligen Regisseure vor. Diese sind zum größten Teil sehr interessant und detailliert ausgefallen, nur ein kleiner Teil davon leidet, wohl aufgrund des großen zeitlichen Abstands zwischen Produktion und Kommentar, unter einer gewissen Distanziertheit und fehlender Emotionalität. Weiterhin liegt der Sammlung ein 16-seitiges, englisch/französisches Booklet mit Informationen zu den einzelnen Kurzfilmen bei. Insgesamt wissen die Extras somit qualitativ zu überzeugen und vermitteln interessante Einblicke in den kreativen Entstehungsprozess der Kurzfilme.

Fazit:
"Cinema 16 - American Short Films" ist eine faszinierende Sammlung hochwertiger amerikanischer Kurzfilme aus allen Genres, die jeden Filmliebhaber begeistern dürfte. Durch die große thematische Vielfalt und die reichhaltigen innovativen Ideen dürfte die Sammlung einen großen Kreis von Interessenten ansprechen und unterstreicht eindrucksvoll, dass es nicht nur auf die Länge ankommt!

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
195:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Spanisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentare
  • Booklet (16 Seiten/Englisch/Französisch)
Cinema 16 - American Short Films - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Cinema 16 - American Short Films
Cinema 16 - American Short Films

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Festmahl für Freunde des geistreichen Kurzfilms


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:

Regie:
George Lucas, Tim Burton, Todd Solondz, Adam Davidson, u.a.
Drehbuch:
div.
Darsteller:
div.

Label Deutschland :
Rough Trade Distribution
Verkaufsstart Deutschland :
13.10.2006