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DVD-Besprechung - Citizen Verdict - Im Namen der Einschaltquote
Story:
Produzent Marty Rockman (Jerry Springer) hat ein völlig neues Reality-TV-Format entwickelt,, "Citizen Verdict". Das Publikum wählt aus drei aktuellen Mordfällen einen aus, dem Angeklagten in dieser Sache wird dann live im TV der Prozess gemacht. Am Ende der Verhandlung ersetzt das Publikum die Jury und stimmt per Telefon über Schuld oder Unschuld des Angeklagten ab. Das Urteil der TV-Jury ist bindend und im Falle eines Schuldspruchs wird der Angeklagte live im TV hingerichtet. Unterstützung findet Rockman bei dem im Wahlkampf befindlichen Gouverneur Bull Tyler (Roy Scheider). Verteidiger Sam Patterson (Armand Assante) kommen jedoch während des Verfahrens immer mehr Zweifel an der Schuld seines öffentlich angeklagten Klienten und er versucht alles um die Medienmaschinerie aufzuhalten.
Meinung zum Film:
"Citizen Verdict" stellt die erste Regiearbeit von Philippe Martinez dar. Auch wenn es offenkundig ist, dass das Budget dieses Films sicherlich nicht das größte war, kann er doch mit Armand Assante ("Judge Dredd"), Roy Scheider ("Der weiße Hai") und Jerry Springer ("Die Jerry Springer Show") auf einige bekanntere Namen zurückgreifen. Armand Assante spielt den Starverteidiger Sam Patterson. Zunächst genießt er das Rampenlicht und glaubt an das Konzept der Show, ziemlich schnell kommen ihm jedoch Zweifel an dem Format und er fühlt sich von Produzent Marty Rockman hinters Licht geführt. Er glaubt an die Unschuld seines Klienten Ricky Carr und der Fall bekommt für ihn, trotz all seiner langjährigen Erfahrung, eine ziemlich persönliche Note. Armand Assante besitzt hier ganz klar eine sehr starke Präsenz auf dem Bildschirm und liefert eine sehr energetische und intensive Darstellung. Sein Wandel vom eiskalten Profi zur Marionette mit Gewissensbissen, also vom Paulus zum Saulus, wirkt dabei sehr überzeugend. Sein Gegenüber, die Anklägerin Jessica Landers, gespielt von Justine Mitchell ("The Honeymooners") fällt hingegen deutlich ab. Ihre Darstellung wirkt selbst für das publicity-trächtige Showformat völlig überzogen und einem Gerichtssaal nicht angemessen, auch ihre Leistung abseits des TV-Formats wirkt lediglich blass. Sie schafft es nichtmal annähernd ein Gegengewicht zu Armand Assante zu bilden. Jerry Springer scheint die Rolle des skrupellosen TV-Produzenten auf den Leib geschrieben zu sein. Lediglich gegen Ende, kommt es zu einigem, drehbuchbedingten overacting. Roy Scheider gibt Gouverneur Bull Tyler mehr Format, als seine geringe Spielzeit wiederspiegelt, kann aber dessen unglaubwürdigen Wesenswandel auch nicht nachvollziehbarer gestalten. Raffaello Degruttola ("Wit") in der Rolle des Angeklagten Ricky Carr spielt seine Rolle zwar sehr emotional, das Drehbuch zerstört jedoch mit fortlaufender Spielzeit jede Möglichkeit sich mit seiner Person zu identifizieren.
Der Film beginnt als bissige Mediensatire. Die anfänglichen Teaser zur Gerichtsshow erinnern dabei in ihrem triefenden Sarkasmus beinahe an die futuristischen Werbespots aus "Robocop". Die immer wieder eingestreuten Interviews mit Passanten, beispielsweise zur Rolle der Medien oder zur Todesstrafe, verstärken dabei, ebenso wie die Darstellung der Show in der "Bildschirm-im-Bildschirm-Ansicht", die Intensität des Reality- und Fernsehcharakters. Leider verliert der Film nach 50 Minuten deutlich an Biss und kritischer Distanz. Optisch ergeht er sich im weiteren in langatmigen, melancholischen, regelrecht schwülstig anmutenden Bildern. Der Film verzettelt sich schließlich vollends wenn er nicht mehr nur die Kritik an den sensationsgeilen und amoralischen Medien im Blick hat, sondern sich auch noch kritisch mit dem amerikanischen Rechtssystem und im speziellen mit der Todesstrafe auseinandersetzen will. Die Kritik an der Todesstrafe erfolgt auf einer sehr oberflächlichen Ebene, und wird noch durch die Darstellung des Angeklagten, nicht als Mensch, sondern als Täter, weiter geschmälert. Endgültig wird die Kritik dann mit dem unausgegorenen Ende des Filmes ad absurdum geführt.
Die Dialoge zwischen den Hauptcharakteren sind leider alles andere als eine Stärke des Films. Sie wirken ungeschliffen und schaffen es nicht den Aussagen die kritische Spitze zu geben. In den ersten 60 Minuten gelingt es zumindest noch durch die gelungene Musikuntermalung die Intention des Filmes zu unterstützen und die Gefühlslage des Zuschauers zu beeinflussen. Leider passt sich jedoch auch der Soundtrack im weiteren Verlauf dem allgemeinen Niedergang des voranschreitenden Films an. So kommt es gegen Ende zu einer völlig überraschenden Wende in den Beziehungen zwischen Gouverneur Bull Tyler und dem Produzenten Marty Rockman. Marty Rockman avanciert zum größenwahnsinnigen Einzeltäter, die Systemkritik verblasst und die heile Welt kehrt wieder ein. Der Glaube an die Verfassung der USA und das dazugehörige Justizsystem wird beschworen. Dieser Verfassungspatriotismus wird noch dadurch verstärkt, dass die Schlachthymne der Republik "Glory, Glory, Hallelujah" eingespielt wird zu der die US-Flagge im Wind flattert. Kein Wort fällt mehr zum Thema Todesstrafe oder zur Problematik der Geschworenen, die ja vollkommen unabhängig von der Existenz einer solchen Reality-Gerichtssendung weiterhin existieren. Der Film verscherzt sich mit diesem oberflächlichen und unbefriedigenden Ende leider alle Sympathien.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wäre normalerweise in Ordnung, wenn nicht in einigen Szenen ein extremer Rotstich vorhanden wäre. Einige Szenen wirken dadurch beinahe surrealistisch. Dieser Rotstich bedingt dann auch eine starke Unschärfe, so dass der Filmgenuss in diesen Szenen erheblich geschmälert wird. Sowohl die deutsche, als auch die englische Tonspur bieten hingegen keinen Grund zur Klage.
Als Extras enthält die DVD lediglich den Trailer zum Film, sowie ein rund 12-minütiges Making Of. Das Making Of ist dabei komplett in englischer Sprache ohne Untertitel. Inhaltlich bietet es keinerlei Substanz sondern lediglich ein paar Interviews mit Beteiligten die sich gegenseitig über den grünen Klee loben. Das ist zwar nicht unüblich für ein Making Of erreicht hier aber einen Grad, der einfach nur noch peinlich ist und zum Abschalten stimuliert.
Fazit:
"Citizen Verdict" beginnt stark, fällt nach der Hälfte der Spielzeit aber auch extrem stark ab. Jegliche kritische Distanz weicht am Ende dem Hurra-Patriotismus und der Systemkonformität. Was der Film eigentlich genau erreichen will bleibt ein Rätsel. Er schafft es die angerissenen kritischen Ansätze durch eine wenig schlüssige Wendung der Geschehnisse und ein völlig misslungenes und unglaubwürdiges Ende komplett zu marginalisieren.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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93:59 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine Untertitel vorhanden. |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Making Of (Englisch)
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Citizen Verdict - Im Namen der Einschaltquote
Citizen Verdict
Anfangs recht bissige Mediensatire, der nach einer Stunde leider völlig die Puste ausgeht
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2003 Regie: Philippe Martinez Drehbuch: Tony Clarke, Kristina Hamilton-Grobler Darsteller: Armand Assante, Jerry Springer, Roy Scheider, Raffaello Degruttola, Justine Mitchell
Label :
e-m-s
Verkaufsstart : 14.09.2006
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