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DVD-Besprechung - Geister (arte Edition)
Story:
Auf den ersten Blick ist das königliche Reichskrankenhaus von Kopenhagen ein Krankenhaus wie jedes andere. Was es außergewöhnlich macht, ist sicherlich nicht die Tatsache, dass es das größte Krankenhaus Dänemarks ist. Auch die großen oder kleineren Intrigen, sowie die Ab- und Zuneigungen innerhalb von Personal und Patienten sind alles andere als außergewöhnlich. Wo sich das Krankenhaus aber ganz sicherlich von anderen abhebt, ist bei den Geistern, die offensichtlich zum Inventar gehören und sich auf unterschiedlichste Art und Weise bemerkbar machen. Auch der aus Schweden kommende neue Oberarzt Stig Helmer (Ernst-Hugo Järegård) muss erkennen, dass ihn die neue Anstellung vor ganz außergewöhnliche Prüfungen stellt und damit ist nicht nur der tägliche Umgang mit den ihm so verhassten Dänen gemeint.
Meinung zum Film:
Lars von Trier ("Dogville") ist vor allem durch die "Dogme 95" bekannt geworden, die er zusammen mit Thomas Vinterberg im März 95 aus der Taufe hob. In diesem Manifest wurde vereinbart, dass Dogme-Filme speziellen Bedingungen unterliegen. So dürfen keinerlei Effekte genutzt werden, die Kamera muss eine Handkamera sein, zusätzliche Beleuchtung ist abgesehen von einer kleinen Handlampe nicht erlaubt und auch Kulissen dürfen nur der natürlichen Umgebung entspringen und nicht extra für den Film geschaffen werden. Ziel dieser individuellen Eingrenzungen ist es, den Fokus auf das wesentliche, das Schauspiel und die Geschichte zu legen und nicht durch Hochglanzoptik von dem Kern abzulenken. Lars von Triers "Geister" unterliegt zwar nicht komplett den Gesetzmäßigkeiten des Dogme-Films, doch kann man auch in der Serie die Vorliebe des Filmemachers für einfache Produktionsmethoden erkennen.
Doch auch, wenn die eher spartanische Inszenierungsweise sehr gewöhnungsbedürftig ist, fesseln die Ereignisse das Publikum von der ersten Einstellung an. Dabei ist es eher schwer, den Inhalt von "Geister" annähernd angemessen zu beschreiben, da dieser einem Streifzug durch die verschiedenen Genres gleicht. Es gibt eine gehörige Portion Krankenhaus-Soap, die sich allerdings deutlich von üblicher TV-Kost unterscheidet, und reichlich Intrigen und Schicksale bereithält. Es gibt eine ebenso große Portion an teils skurrilem Humor, der allerdings nur selten in albernen Klamauk abdriftet, wie etwa bei dem doch etwas gewöhnungsbedürftigen Riesenbaby. Es gibt eine gehörige Menge an Drama, da manche Charaktere trotz des oberflächlichen Humors, doch tiefergehende Probleme und Schicksale mit sich herumtragen, die durchaus zum Nachdenken und Mitfühlen einladen. Und natürlich ist auch die Portion Mystery-Thriller nicht zu klein, denn immerhin sind es die Geister, die von Folge zu Folge immer mehr in den Vordergrund drängen und das Sagen übernehmen.
Lars von Trier hat es sich auf die Fahne geschrieben, interessante Geschichten zu erzählen, und dabei auf Hochglanzoptik zu verzichten. "Vorhaben gelungen" kann man da nur sagen. Denn dank der interessanten Geschichte und der teils skurrilen, aber stets interessanten Geschehnisse fesselt er den Zuschauer, obwohl die Optik wie aus den Anfängen des Farbfilms zu sein scheint, inklusive fortdauerndem Ausbleichen des Filmmaterials. Einen großen Anteil hieran haben sicherlich auch die gut agierenden Schauspieler, die, mal abgesehen von Udo Kier ("Andy Warhol's Dracula") in Deutschland eher unbekannt sind. Mit seiner Mischung aus "Emergency Room", "Twin Peaks" und "Monty Python's Flying Circus" zieht "Lars von Triers Geister" den Zuschauer in seinen Bann und lässt selbst nach der letzten Episode noch den starken Wunsch nach mehr aufkommen. Bei den meisten dürfte es sich dabei sogar um mehr als nur einen bloßen Wunsch handeln, da die Fäden nur höchst unzulänglich aufgelöst werden und alles auf eine mögliche Fortsetzung hinzudeuten scheint, die aber nie gekommen ist. So ist das unbefriedigende Ende dann auch sicherlich der große Kritikpunkt an einer ansonsten höchst gelungenen, schrägen Mystery-Unterhaltung.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild der "arte Edition" stellt an DVD-Maßstäben gemessen das gleiche, sehr schlechtes Ergebnis dar, wie schon die Erstauflage. Allerdings liegen die Grobkörnigkeit, das Bildrauschen, die trüben bis kaum vorhandenen Farben, die Unschärfe und die fehlende Detailfülle in der Inszenierung begründet, weswegen man Koch Media keinerlei Vorwurf machen kann. Der deutsche Ton in Dolby Digital 2.0 ist klar verständlich und weist keine Makel auf.
Wo sich die "arte Edition" von der alten Auflage unterscheidet, ist bei der durchgängigen deutschen Synchronisation der ersten Staffel. War es bei der ersten Version noch so, dass teils doch störend, da häufig zwischen O-Ton und deutscher Synchro gewechselt wurde, ist nun alles durchweg deutsch. Erst in der zweiten Staffel gibt es auch hier wieder O-Ton mit Untertiteln, was aber auf Grund der geringeren Häufigkeit nicht ganz so störend ausfällt.
Das Bonusmaterial ist wiederum identisch mit der ersten Auflage, und somit ebenfalls recht überschaubar. Es gibt vereinzelt Audiokommentare zu einzelnen Szenen, einen ganz kurzen Blick in die Entstehung der Serie, kurze Beiträge über Lars von Trier und Udo Kier, den Trailer zu "Geister", von Lars von Trier inszenierte Werbespots, sowie ein Musikvideo des Filmemachers. Ausgeliefert werden die 4 DVDs erneut in einem schicken Digipak-Schuber.
Fazit:
Lars von Triers "Geister" ist trotz seiner eher biederen Inszenierungsweise ein durchweg unterhaltsames Erlebnis, das mit seiner Mischung aus Krankenhaus-Soap, Mystery und skurrilem Humor in den Bann zieht. Wer allerdings auf gar keinen Fall auf Hochglanz-Optik verzichten kann, wird zu seinem eigenen Nachteil wohl nie in den Genuss des außergewöhnlichsten Krankenhauses Dänemarks kommen. Auch das sehr offene Ende wird nur auf wenig Gegenliebe stoßen. Der Unterschied zwischen der "arte Edition" und der ersten Auflage liegt in der durchgängigen deutschen Synchro der ersten Staffel. Nur wer sich daran störte, muss von daher an einen Umstieg denken.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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ca. 580:00 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Dänisch Dolby Digital 2.0 | Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Audiokommentare mit Lars von Trier, Niels Vorsel und Molly Stensgard zu selektierten Szenen
- Behind the Scenes
- Trailer
- Werbesport von Lars von Trier
- Porträt über Lars von Trier
- Musikvideo mit Lars von Trier incl. Outtakes
- Featurette über Udo Kier
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Geister / Geister II
Riget / Riget II
In Krankenhäuser findet man nicht nur Menschen, sondern manchmal auch ein paar Geister
Autor der Besprechung:
Michael Tomiak
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Dänemark / Deutschland / Niederlande, 1994 / 1997 Regie: Lars von Trier, Morten Arnfred Drehbuch: Tomas Gíslason, Lars von Trier, Niels Vørsel Darsteller: Ernst-Hugo Järegård, Kirsten Rolffes, Holger Juul Hansen, Søren Pilmark, Udo Kier, Ghita Nørby, Jens Okking, Otto Brandenburg
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 03.08.2007
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