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DVD-Besprechung - Bukowski - Ganz normal verrückt
Story:
Charles Serking (Ben Gazzara) ist ein relativ erfolgloser Schriftsteller, dessen einzige Leidenschaften Alkohol und Sex darstellen. Er haust in einer Absteige und bewegt sich auf Augenhöhe mit Alkoholikern, Prostituierten und Obdachlosen. Eines Tages begegnet er in seiner Stammkneipe der Prostituierten Cass (Ornella Muti) und beide verfallen einander. Cass leidet jedoch unter dem Hang zur Selbstverstümmelung und ist suizidgefährdet. Serking beginnt unter ihrem Einfluss wieder deutlich produktiver zu werden. Ein großer Verlag aus New York wird auf ihn aufmerksam und engagiert ihn. Für eine kurze Zeit scheint es so, als sollte sich sein Leben zum besseren wenden, doch Serking kommt vom Alkohol nicht los.
Meinung zum Film:
Marco Ferreri ("Dillinger ist tot") wurde besonders durch seine provokanten Werke "Das große Fressen" und "Affentraum" bekannt. Seine Stärke waren regelrecht bösartige und teilweise grotesk anmutende Werke, in denen gnadenlos Tabus gesprengt und gesellschaftliche Handlungsmuster genussvoll persifliert und in Frage gestellt wurden. Ausgerechnet "Bukowski - Ganz normal verrückt" gilt jedoch als einer seiner zurückhaltendsten Filme. Das Drehbuch basiert auf dem mit autobiographischen Zügen versehenen Roman "Erections, Ejaculations, Exhibitions and General Tales of Ordinary Madness" von Charles Bukowski aus dem Jahr 1972. In seinen Büchern setzt Bukowski häufig einen Schwerpunkt auf Menschen im Schatten des American Way of Life. Seine eigene Person findet sich unter dem Namen Henry Chinaski in seinen Werken wieder, in "Bukowski - Ganz normal verrückt" heißt sie Charles Serking. Seine Werke zeichnen sich durch einen harten Stil, voll brutaler Gewalt und obszöner Formen von Sexualität aus, jedoch mit satirischem Einschlag.
"Bukowski - Ganz normal verrückt" ist einer der Filme, deren Story ohne weiteres auf einen Bierdeckel passen würde. Das literarische Gegenstück von Charles Bukowski gibt sich hemmungslos dem Alkohol und den Frauen hin. Die Begegnung mit einer Prostituierten spült ihn kurzfristig aus der Gosse empor, nur um ihn umso schmerzhafter wieder dorthin zurückzubefördern. Der Film bedient sich dabei durchgehend eines gewissen, schmuddeligen Looks, der Serkings Wirkungskreis entspricht. Serking ist ein extremer Alkoholiker und immer auf der Suche nach dem nächsten Schluck. Der Film folgt episodenhaft seinen sexuellen Eskapaden und Sauftouren. Viel mehr sollte man von der Handlung nicht erwarten und auch Bukowskis gesellschaftskritische Untertöne lässt Regisseur Ferreri weitestgehend unter den Tisch fallen. Ben Gazzara ("Mord an einem chinesischen Buchmacher") spielt als Charles Serking zwar äußerst beeindruckend auf, sein Charakter besitzt aber keinerlei Tiefe. Anstatt seine inneren Beweggründe, seine Motivation aufzuzeigen oder zumindest seinen Lebenswandel erklären zu wollen, beschränkt der Film sich auf die erotischen Abenteuer und den immensen Alkoholkonsum.
Der Film wirkt dabei absolut trostlos, ohne jedoch jemals tiefgründig zu sein. Es gibt weder eine überzeugende Handlung, noch einen tieferen Sinn, und der Film transportiert auch keine greifbare Aussage. Optisch ist Gazzara eine völlige Fehlbesetzung, er wirkt von seinem Erscheinungsbild her immer äußerst akkurat und elegant gekleidet. Seine Haut und sein Gesicht, alles wirkt wie das blühende Leben, von den Folgen seiner Alkoholsucht gibt es bis auf ein, zwei kurze Anfälle von Übelkeit/Schwäche keinerlei Spur. Der Serking im Film hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem zerfurchten Charaktergesicht des realen 70er-Jahre-Bukowski. So wirkt er dann in gewisser Weise in seiner Umgebung auch wie ein Fremdkörper. Auch Ornella Muti ("Die Nonne von Verona") nimmt man ihre Rolle als Prostituierte zu keiner Zeit ab. Sie spielt wenig überzeugend und erscheint auch zu jung für ihren Part. Ihre Selbstverstümmelungen wirken nie wirklich schockierend, sondern eher aufgesetzt. Die Darstellung der sexuellen Handlungen wirkt äußerst zahm und wird meist auch nur angedeutet, auch wenn sie von ihrer Natur her deutlich pervers und gewalttätig angelegt sind. So versucht Derking z.B. in den Mutterleib zurückzukriechen und eine andere Frau lässt sich von ihm in einer inszenierten Vergewaltigung nehmen. Diese dezentere Darstellung versucht der Film durch verbale Obszönitäten, wie "Nimm meine Seele mit deinem Schwanz" oder "Ich möchte von dir gefickt werden, dass nichts mehr für die anderen übrigbleibt" auszugleichen.
Digitale Aufarbeitung:
Den Film begleitet ein kontinuierliches Bildrauschen, das sich aber noch im erträglichen Bereich bewegt. Die Bildqualität geht insgesamt in Ordnung, ohne zu begeistern. Die deutsche und die englische Tonspur zeichnen sich beide durch klare Verständlichkeit aus.
Die Extras sind sehr bescheiden ausgefallen. Es gibt lediglich eine Biographie zu Regisseur Marco Ferreri mit einem Umfang von 13 Bildschirmseiten, sowie Starinfos zu den Hauptdarstellern Ben Gazzara und Ornella Muti, die jeweils 4 Bildschirmseiten umfassen.
Fazit:
"Bukowski - Ganz normal verrückt" ist ein Film beinahe ohne Inhalt und ohne eine tiefgründigere Aussage, der weder in der Lage ist zu provozieren, noch zu unterhalten. Die beiden Hauptdarsteller sind eine Fehlbesetzung, sprachlich wird der Film der literarischen Vorlage nicht gerecht und auch von einem ästhetischen Standpunkt her besitzt er keinen größeren Wert. Bukowski selbst meinte nach der Betrachtung: "Würg! Was für ein Stück Scheiße. Ich saß im Publikum, als der Film zum ersten Mal gezeigt wurde, und habe mich betrunken und die Leinwand angebrüllt."
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,66:1
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97:35 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Biographie Marco Ferreri
- Starinfos Ben Gazzara und Ornella Muti
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Bukowski - Ganz normal verrückt
Storie di ordinaria follia
Erst bescherte Ferreri "Das große Fressen", hiermit liegen nun die geistigen Flatulenzen der nachgeordneten Darmtätigkeit vor
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien/Frankreich, 1981 Regie: Marco Ferreri Drehbuch: Marco Ferreri, Sergio Amidei, u.a. Darsteller: Ben Gazzara, Ornella Muti, Susan Tyrell, Tanya Lopert, Roy Brocksmith, Katya Berger
Label :
Arthaus
Verkaufsstart : 05.01.2007
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