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DVD-Besprechung - Curd Jürgens Edition
Story:
Schachnovelle: Rechtsanwalt Werner von Basil (Curd Jürgens) will sich auch nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich nicht mit den Nazis einlassen und verabscheut sie. Mit seiner Hilfe gelingt es der Kirche zahlreiche Kunstschätze vor den Nazis zu retten und ins Ausland zu bringen. Als ein Herr Berger (Hansjörg Felmy) von der Gestapo in Wien auftaucht und dort das Kommando übernimmt, wird die Luft für Basil immer dünner. Schließlich wird er von Berger verhaftet, der ihn mit seiner Methode der "geistigen Isolation" zum Reden bringen will, aber Basil weigert sich beharrlich zu reden.
Teufel in Seide: Der Pianist Thomas Ritter (Curd Jürgens) lernt eher zufällig die attraktive und vermögende Melanie (Lilli Palmer) kennen. Die beiden kommen sich schnell näher und werden ein Paar. Zunächst verläuft die Beziehung traumhaft, da Melanie mit ihrem Geld Thomas auch beruflich alle Türen öffnet. Er gerät jedoch auch zunehmend in ihre Abhängigkeit und Melanie erweist sich als krankhaft eifersüchtige Frau. Nach einem großen Streit zwischen beiden wird Melanie tot aufgefunden, angeblich hat sie Selbstmord begangen. Ihr Anwalt hat jedoch Zweifel und erhebt Mordanklage gegen Thomas Ritter, gegen den auch einige Indizien sprechen.
Des Teufels General: Luftwaffengeneral Harras (Curd Jürgens) hat sich aus fliegerischer Besessenheit und großem Ehrgeiz der Wehrmacht verschrieben. Die SS, in Person des Gruppenführers Schmidt-Lausitz (Viktor de Kowa), der im Sonderauftrag von Heinrich Himmler handelt, trachtet mit allen Mitteln danach, den populären Offizier auf ihre Seite zu ziehen. Harras ist jedoch kein Mann der Nationalsozialisten und ihm beginnt langsam zu dämmern, worauf er sich eigentlich mit seiner Laufbahn eingelassen hat. Als der neu konzipierte Bombertyp, für den er verantwortlich ist, sich als technisch mangelhaft erweist, gerät er immer stärker unter Druck und die SS erscheint als letzte Hoffnung für seine Karriere.
Der Schinderhannes: Zur Zeit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert treibt im Hunsrück Johann Bückler (Curd Jürgens), der Schinderhannes sein Unwesen. Als eine Art Robin Hood hilft er den armen Bauern, die unter den Abgaben sowohl an die französischen Besatzer, als auch an die deutschen Adligen, sowie unter deren Willkür leiden. Es gibt aber zunehmend Konflikte innerhalb seiner Räuberbande, die sich lieber persönlich bereichern würde. Bückler selber wird auch immer tolldreister und tanzt den hohen Herren zunehmend auf der Nase herum, was Vergeltungsmaßnahmen nach sich zieht. Als Bückler schließlich gewillt zu sein scheint, einen Volksaufstand zu entfachen, scheinen seine Tage gezählt.
Meinung zum Film:
Curd Jürgens ("Luftschlacht um England") war einer der auch international bedeutendsten und vielseitigsten deutschen Schauspieler und erntete 1955 mit der Hauptrolle in "Des Teufels General" erstmals auch im Ausland Anerkennung, die ihm dort viele Türen öffnete. So spielte er u.a. 1956 in "...und immer lockt das Weib" die Hauptrolle an der Seite von Brigitte Bardot, trat 1965 unter der Regie von Richard Brooks in "Lord Jim" auf oder verkörperte in dem James-Bond-Film "Der Spion, der mich liebte" den größenwahnsinnigen Superschurken Karl Stromberg. Wie auch in der beiliegenden Dokumentation "Curd Jürgens der Filmstar, der vom Theater kam" zu sehen ist, war Curd Jürgens außerdem ein großartiger und vielbeschäftigter Theaterschauspieler, wurde aber auch durch seinen ausschweifenden Lebensstil zum Liebling der Boulevardpresse. Mit der "Curd Jürgens Edition" vereint Kinowelt nun vier seiner Filme aus der Zeit von 1954 bis 1960 in einer DVD-Box und widmet sie ihm zu seinem 25. Todestag am 18.06.2007. Darin enthalten sind "Schachnovelle", "Teufel in Seide", "Des Teufels General" und "Der Schinderhannes", von denen, bis auf "Teufel in Seide", alle Titel bisher auch bereits einzeln auf DVD erhältlich waren.
"Schachnovelle" basiert auf der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig, die er im brasilianischen Exil schrieb, und die sein letztes und zugleich bekanntestes Werk darstellt. Der Film erzählt in Rückblenden, eingerahmt durch die gegenwärtigen Geschehnisse auf der S.S. Adria, das Schicksal des Werner von Basil, der sich den Nationalsozialisten verweigerte. Der Film thematisiert vor allem die dramatischen Geschehnisse während seiner Isolationshaft und betont die Macht- und Willensprobe mit dem Gestapooffizier Berger. Curd Jürgens spielt hier auf sehr überzeugende Art und Weise einen gefangenen Intellektuellen am Rande des Wahnsinns, den nur sein unbändiger Wille und seine Cleverness am Leben erhalten.
"Teufel in Seide" hingegen stellt eine Mischung aus Drama und Kriminalgeschichte dar. Die zentrale Frage des Films ist, ob Thomas Ritter seine Frau getötet hat, oder ob sie tatsächlich Selbstmord begangen hat. Auch dieser Film arbeitet mit zahlreichen Rückblenden, die anfangs ein wenig den Filmfluss unterbrechen. Ausführlich wird die Beziehung von Melanie und Thomas Ritter geschildert, vom ersten, zufälligen Kontakt, bis zur letzten Auseinandersetzung am Abend ihres Todes. Den Reiz bezieht der Film vor allem aus den sehr starken schauspielerischen Leistungen von Curd Jürgens, der sich hier vom ruhigen, besonnenen und lebenslustigen Menschen durch die krankhafte Eifersucht der ebenfalls sehr stark aufspielenden, krankhaft eifersüchtigen Lilli Palmer zu einem nervlichen Wrack entwickelt, das am Leben nur noch wenig Freude hat und mit verzweifelten Wutausbrüchen zu kämpfen hat. Der Film überzeugt dabei als Drama durch die tiefen Gräben in der Beziehung von Melanie und Thomas, inklusive des Auftretens einer Geliebten, als Krimi vor allem durch seine einfallsreichen Wendungen, sowie Fährten, die in beide Richtungen führen.
"Des Teufels General" beruht auf dem gleichnamigen Drama von Carl Zuckmayer. Die Figur und der Lebenslauf des Luftwaffengenerals Harras wurde durch den realen Generaloberst Ernst Udet, der mit Zuckmayer befreundet war, inspiriert. Entgegen der alten DVD-Auflage ist bei dieser Fassung auch die Szene, in der Harras Schmidt-Lausitz den Begriff "Vaterland" buchstabiert (V für Völkermord, etc.) komplett enthalten. Diese Szene drückt die Erkenntnis von Harras aus, zu der er am Ende des Films gelangt ist. Er hat zwar nicht aktiv bei den Nationalsozialisten mitgewirkt, jedoch durch seine Handlungen, bzw. seine Nicht-Handlungen, also die stille Duldung, den Nationalsozialisten mit den Weg bereitet. Das tragische Ende des Films beschließt er dann auch mit den Worten "Wer auf der Erde des Teufels General war und ihm die Bahn gebombt hat, der muss ihm auch Quartier in der Hölle machen". Curd Jürgens überzeugt hier als Mensch, der nach einem rasanten Aufstieg, blind und mit lachendem Auge in sein Verderben rennt, am Ende jedoch die Courage besitzt, seine eigenen Fehler zu erkennen und sich für einen Freund zu opfern.
"Der Schinderhannes" Johannes Bückler war tatsächlich von 1796 bis 1802 als Räuberhauptmann im Hunsrück unterwegs. Carl Zuckmayer verarbeitete diese historische Figur bereits im Jahre 1927 literarisch und Regisseur Helmut Käutner griff auf diesen Stoff zurück. So präsentiert sich "Der Schinderhannes" als eine Mischung aus Märchenfilm und Robin-Hood-Abenteuer in unverwechselbarer, rheinischer Mundart. Neben viel Humor bietet der Film jedoch auch reichlich Dramatik und Tragik, inklusive einer äußerst traurig verlaufenden Liebesgeschichte. In der Rolle des Schinderhannes überzeugt Curd Jürgens als temperamentvoller, lebensfroher, aber auch unbarmherziger und tollkühner Räuberhauptmann, der am Ende vor allem wegen seiner viel zu hochtrabenden Pläne, seinem zu großen Selbstbewusstsein und seiner Unbekümmertheit scheitert.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität aller Filme, bis auf "Der Schinderhannes", ist insgesamt gut gelungen, es gibt lediglich ein leichtes Bildrauschen, sowie hin und wieder kleinere Verschmutzungen. Das Bild von "Der Schinderhannes" ist bestenfalls auf VHS-Niveau, es gibt häufige Verschmutzungen, ein sehr starkes Bildrauschen, das Bild überstrahlt, der Kontrast kann meistens nicht überzeugen, mal ist er zu hart, mal zu weich, hinzu kommen ein zeitweise unruhiger Bildstand und einige Beschädigungen. Alle Titel verfügen lediglich über eine deutsche Tonspur. Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte gibt es lediglich für "Teufel in Seide" und "Schachnovelle". Die Tonspuren können aber in Anbetracht des Alters durchaus überzeugen und die dialoglastigen Filme verfügen somit über eine gute Verständlichkeit.
Außer zu "Der Schinderhannes" gibt es zu jedem Film einen Trailer, zu jedem Film gibt es eine Fotogalerie, weiterhin gibt es Starinfos zu Curd Jürgens und Biographien von Curd Jürgens, Mario Adorf, Hansjörg Felmy, Stefan Zweig, Lilli Palmer, sowie Werbematerial zur "Schachnovelle". "Carl Zuckmayer und sein Stück" bietet lediglich Informationen zu "Des Teufels General" in Textform und im Umfang von drei Seiten. Highlight der Edition ist die Dokumentation "Curd Jürgens der Filmstar, der vom Theater kam" von Bernhard Wicki aus den Jahren 1976/1977 mit einer Laufzeit von rund 75 Minuten. Diese interessante Dokumentation widmet sich allerdings ausschließlich der Theaterkarriere von Curd Jürgens. Neben Gesprächen mit Bernhard Wicki bietet die Dokumentation sehr ausführliche Ausschnitte aus einigen Stücken mit Curd Jürgens in der Hauptrolle, z.B. "Othello", "Jedermann" oder "Tod eines Handlungsreisenden".
Fazit:
Die "Curd Jürgens Edition" vereint vier interessante und hochwertige Filme mit einem jeweils sehr überzeugend aufspielenden Curd Jürgens. Herausragend sind dabei vor allem "Des Teufels General", der hier auch erstmals ungeschnitten auf DVD veröffentlicht wird, und die "Schachnovelle". Technisch werden die Filme, bis auf "Der Schinderhannes", in guter Qualität präsentiert. Die Extras sind jedoch sehr spärlich ausgefallen, hinzu kommt, dass die interessante Dokumentation weniger Filmfreunde, als vielmehr Theaterfreunde anspricht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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427:12 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Fotogalerien
- Interviews
- Starinfo Curd Jürgens
- Werbematerial zu "Schachnovelle"
- Biographien von Curd Jürgens, Mario Adorf, Hansjörg Felmy, Stefan Zweig, Lilli Palmer
- Dokumentation "Curd Jürgens der Filmstar, der vom Theater kam"
- "Carl Zuckmayer und sein Stück"
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Curd Jürgens Edition
Schachnovelle / Teufel in Seide / Des Teufels General / Der Schinderhannes
Vier großartige Filme von Curd Jürgens in einer Box, aber in eher bescheidener Ausstattung
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1954/1956/1958/1960 Regie: Gerd Oswald, Helmut Käutner, Rolf Hansen Drehbuch: George Hurdalek, Carl Zuckmayer, Helmut Käutner, Gyula Trebitsch, Harold Medford, Gerd Oswald, Stefan Zweig, Jochen Huth, Gina Kaus, Alf Teichs Darsteller: Curd Jürgens, Mario Adorf, Hansjörg Felmy, Dietmar Schönherr, Lilli Palmer, Maria Schell
Label :
Kinowelt Home Entertainment
Verkaufsstart : 08.06.2007
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