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DVD-Besprechung - De Sades Eugenie - Die Jungfrau mit der Peitsche
Story:
Die junge und naive Eugenie (Marie Liljedahl) wird von Madame de St. Ange (Maria Rohm) im Auftrag ihres Bruders Mirvel (Jack Taylor) über das Wochenende auf ihr idyllisches Inseldomizil gelockt. Beide gehören zu einem Kult, der die literarischen Vorlagen von Marquis de Sade verehrt und sie auch aktiv in die Tat umsetzt. Beide wollen nun Eugenie ihre Unschuld stehlen und sie mit ihren dunklen Leidenschaften pervertieren.
Meinung zum Film:
Regisseur Jess Franco ("Killer Barbys vs. Dracula") gilt für die einen als "Schmuddelpapst" ohne Talent, andere verehren ihn als Künstler, der seiner Zeit voraus war. Inwiefern sich das Attribut "Künstler" mit seinen Ausflügen ins Hardcore-Genre und seinen qualitativ immer stärker abfallenden jüngeren Werken vereinbaren lässt sei dahingestellt. Franco bringt es jedenfalls mittlerweile auf eine stolze Filmographie von über 180 Werken, wobei von vielen seiner Filme verschiedenste Schnittfassungen existieren, auch wenn sie teilweise vom Regisseur so nie gewollt waren.
"Eugenie" stellt ein relativ frühes Werk von Franco dar und entstand noch vor einem seiner bekanntesten Werke, "Vampyros Lesbos". Der Film gilt als Franco-untypisch, da hier einige seiner Markenzeichen wie Kameraschwenks und überbordende Zooms nicht aufzufinden sind. Christopher Lee ("Dracula") ist im Film nur in kleineren Szenen direkt am Anfang und gegen Ende zu sehen. Diese Stellen fehlten teilweise in der alten deutschen Fassung und wurden nun neu synchronisiert. Lee selber distanziert sich heute von diesem Film und beteuert von dem erotischen Reigen nichts gewusst zu haben, da er nur zwei Tage am Set geweilt habe.
Bei "De Sades Eugenie" von einer Story, einer echten Dramaturgie oder auch von einer modernisierten Literaturverfilmung zu sprechen wäre sicherlich vollkommen verfehlt. In erster Linie bekommt man hier relativ belanglose Szenen serviert, sehr oft scheint das ganze auch einfach nur als Ausrede zu dienen, die beiden Hauptdarstellerinnen nackt durchs Bild huschen zu lassen. Diese Szenen erscheinen aber heute in ihrer Präsentation so harmlos, dass der Film problemlos eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten hat. Das liegt sicher nicht nur daran, dass auf explizite Szenen verzichtet wurde, sondern auch darin begründet, dass der ganze Film einen unglaublich naiven Charme verströmt. Man fühlt sich hier beinahe an uralten Aufklärungsfilme der US-Regierung oder einen der unzähligen, pseudo-sozialpädagogisch angehauchten Reportfilme aus deutscher Produktion erinnert. Wenn beispielsweise Taylor und Rohm in Lack und Leder die Szenerie betreten und unter der Begleitung von peinlicher Fahrstuhlmusik die arme Eugenie auspeitschen, wirkt das einfach nur unfreiwillig komisch. Auch die Idee, Szenen, in denen Eugenie unter Drogeneinfluss steht, mit einem Rotfilter psychedelischer erscheinen zu lassen, wirkt so hilflos wie misslungen. Den Beweis, dass Drogenphantasien auch anders, und mindestens genauso billig, überzeugender umzusetzen sind, zeigt z.B. "Der Trip" von Roger Corman. Während der gesamten Laufzeit passiert äußerst wenig. Die erotischen Szenen sind dabei ungefähr so prickelnd wie stilles Wasser, die Folterszenen hingegen wirken angesichts heutiger Sexualpraktiken eher lächerlich. Zusammenfassend gesagt bietet der Film weder provokante Szenen, noch eine ausgeklügelte Story oder gar künstlerisch wertvolles und ein echter Spannungsaufbau ist zu keiner Zeit zu verzeichnen. Es herrscht gähnende Langeweile und selbst die lediglich 83 Minuten Spielzeit wirken wie eine halbe Ewigkeit.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist für solch einen alten Film wahrlich mehr als respektabel. Epix tat hier gut daran, das restaurierte Master von Blue Underground zu lizenzieren. Es gibt zwar ein leichtes Rauschen, dass man jedoch kaum wahrnimmt, jedoch so gut wie keine Verschmutzungen oder Beschädigungen. Lediglich einige unscharfe Szenen fallen ins Auge, einige weniger stark, andere aber so extrem, dass die Augen schmerzen. Ob hier die Vorlage verantwortlich ist oder es sich um ein Stilmittel des Regisseurs handelt, ist an dieser Stelle nicht zu klären. Auch die beiden Tonspuren verstärken den guten Eindruck und bleiben von typischem altersbedingtem Rauschen verschont.
Als Extras bietet die DVD einen Trailer zum Film, eine Biographie von Jess Franco in Textform, sowie einen Trivia Track und ein Interview mit dem Darsteller Jack Taylor. Der Trivia Track stellt quasi eine zusätzliche Untertitelspur mit Anekdoten und Infos zum Film dar und ersetzt einen Audiokommentar. Das Interview mit Jack Taylor läuft rund 11 Minuten, Taylor redet hier über Gott und die Welt und dementsprechend sprunghaft wirkt es auch, unter anderem nimmt er auch zum Film und zu Regisseur Jess Franco Stellung.
Fazit:
Während die technische Seite der DVD als äußerst gelungen bezeichnet werden kann, entlockt der Film dem geneigten Zuschauer lediglich ein müdes Gähnen, "Eugenie" wirkt vollkommen veraltet und unglaublich naiv. Der Film ist daher wirklich nur für beinharte Franco-Fans geeignet, wer hingegen in seine Arbeiten "hineinschnuppern" möchte, sollte lieber eines seiner anderen Werke konsultieren.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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83:23 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 1.0 | Englisch Dolby Digital 1.0 |
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Untertitel:
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Deutsch, Englisch |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Interview mit Jack Taylor
- Trivia Track
- Biographie von Jess Franco
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De Sades Eugenie - Die Jungfrau mit der Peitsche
Eugenie
Bei diesem Film überwiegt die Qual die Lust bei weitem...
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Liechtenstein / Spanien, 1970 Regie: Jess Franco Drehbuch: Peter Welbeck (Harry Alan Towers), Erich Kröhnke Darsteller: Marie Liljedahl, Maria Rohm, Jack Taylor, Christopher Lee, Anney Kablan
Label :
Epix
Verkaufsstart : 24.08.2006
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