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DVD-Besprechung - Der Dieb

Story:
In der Sowjetunion des Jahres 1952 schlägt sich die junge Mutter Katya (Yekaterina Rednikova) mehr schlecht als recht mit ihrem sechsjährigen Sohn Sanya (Misha Philipchuk) durchs Leben. Sein Vater kam schwer verwundet aus dem Zweiten Weltkrieg zurück und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. Katya lernt auf einer Zugfahrt den smarten Offizier Tolyan (Vladimir Mashkov) kennen und verliebt sich in ihn. Das Verhältnis zwischen Sanya und Tolyan ist von Anfang an schwierig, während Sanya dem Ideal eines Übervaters hinterherrennt, fällt es Tolyan schwer, den kleinen Sanya ins Herz zu schließen, in erster Linie ist er auf Katya fixiert. Aber Tolyan ist auch nicht der, der er zu sein scheint.

Meinung zum Film:
"Der Dieb" ist eine russisch-französische Co-Produktion von NTV Profit, Productions Le Pont und Roissy Films in Zusammenarbeit mit dem Russischen Staatskomitee für Film und Centre National de la Cinématographie, sowie Canal Plus. Der Film war im Jahre 1997 offizieller Wettbewerbsbeitrag bei den Filmfestspielen von Venedig und wurde jeweils für den Golden Globe und Oscar als bester ausländischer Film nominiert.

Der kleine Sanya wächst ohne Vater auf. Seinen biologischen Vater hat er nie kennengelernt, er begegnet ihm jedoch im Traum oder in Visionen, was zu einer Glorifizierung seiner Person führt. Als Katya den Offizier Tolyan kennenlernt, sieht Sanya ihn zunächst vor allem als Konkurrenten um die Gunst seiner Mutter. Tolyan ist ein harter Mann, der bei Sanya zunächst besonders Furcht erweckt. Mit seinen grausamen Lebensweisheiten stellt er Sanya zu Beginn auf eine harte Probe, dieser beginnt jedoch zunehmend, Tolyan zu akzeptieren und will sich daher dessen Respekt verdienen. Tolyan ist jedoch nicht der Offizier, der er zu sein vorgibt. Diese Rolle ist lediglich eine Tarnung, wie auch Katya und Sanya ihm vor allem als Tarnung dienen, um das Vertrauen seiner Opfer zu erringen. Tolyan genießt sein Leben ohne Verpflichtungen und lässt sich einfach treiben, wie er es immer getan hat. Katya hat jedoch ganz andere Ansprüche und Lebensträume und macht sich zunehmend Sorgen um Tolyans schlechten Einfluss auf ihren Sohn Sanya. Als ihr Verstand erkennt, dass Tolyan nicht der Richtige für sie ist, ist es für ihr Herz jedoch längst zu spät und es gelingt ihr nicht ohne Weiteres, von ihm loszukommen. Das schlechte Gewissen gegenüber ihren Bekannten, die Tolyans Opfer werden, sowie die Sorge um die Zukunft ihres Sohnes beginnen sie zunehmend innerlich zu zerfressen.

"Der Dieb" vermittelt von Anfang an, bereits durch seine Bildsprache, ein sehr tristes Bild der Geschehnisse ohne Hoffnung auf ein Happy End. Katya verfällt einem Gaukler, der anderen Menschen so erscheint wie sie ihn gerne hätten und ihnen, wenn er sich ihr Vertrauen erschlichen hat, alles nimmt - ganz analog verläuft auch seine Beziehung zu Katya und Sanya. Gerade als Sanya ihn endlich als Vater akzeptiert und ein vertrauliches Verhältnis zu ihm aufgebaut hat, gerät Tolyan in Haft. Sie werden über viele Jahre getrennt und als Katya stirbt, ist Sanya völlig auf sich allein gestellt. Den Beiden steht jedoch eine erneute schicksalhafte Konfrontation bevor, bei der Tolyan ihn verleugnen wird. Das wiegt für Sanya umso schwerer, da ihm seit dem Moment, in dem er Tolyan als seinen neuen Vater akzeptiert hat, sein idealisierter, imaginierter Vater nicht länger erscheint. Sanya fühlt sich daher schuldig, weil er meint, ihn verraten zu haben. Wie die Opfer, die Tolyan ihrer materiellen Güter beraubt, so zieht er auch Katya und Sanya immer tiefer mit sich in den Abgrund. Sie ziehen von Ort zu Ort, werden nie wirklich sesshaft und die Angst Tolyans Tarnung könne auffliegen ist ihr ständiger Begleiter. Katya ist aber nicht stark genug, um sich aus dem Bann zu lösen, der sie an Tolyan bindet. Sie ist eine einsame und sorgenvolle Frau, die Tolyan liebt, obwohl sie seine moralische Verwerflichkeit abstößt. Seine Stärke und Gerissenheit beeindrucken sie jedoch mindestens genauso. Letztendlich muss sie den Preis für ihre Schwäche bezahlen, ebenso wie ihr Sohn.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität leidet unter einem stärkeren Bildrauschen, sowie kleineren Verschmutzungen und Beschädigungen, geht insgesamt aber in Ordnung. Die deutsche und die russische Tonspur sind gut verständlich und es gibt optionale deutsche Untertitel.

Die Extras sind recht spärlich gehalten. Die DVD enthält lediglich einen Trailer und eine Fotogalerie. Im DVD-ROM-Bereich finden sich zusätzlich noch der Original-Werberatschlag (2 Seiten), sowie das Presseheft zum Film (21 Seiten) im PDF-Format.

Fazit:
"Der Dieb" ist ein düsteres, kleines Drama über eine verlorenen Kindheit, in dem man den Hoffnungsschimmer am Horizont vergeblich sucht. Letztendlich verrät Tolyan nicht nur seine Opfer, sondern auch die, die ihn lieben. Sein ganzes Leben ist ein einziger trügerischer Schein, die Rolle des Vaters und Ehemannes lediglich das Pendant zur Offiziersidentität im privaten Bereich. Für Freunde anspruchsvoller, ruhiger und eher düster angelegter Dramen ist der Film auf jeden Fall eine Empfehlung!

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
89:35 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Russisch
Dolby Digital 1.0
Dolby Digital 1.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Fotogalerie
  • Original-Werberatschlag
  • Presseheft
Der Dieb - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Dieb
Vor

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Junge auf der vergeblichen Suche nach einer Vaterfigur


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland/Frankreich, 1997
Regie:
Pavel Chukhraj
Drehbuch:
Pavel Chukhraj
Darsteller:
Vladimir Mashkov, Yekaterina Rednikova, Misha Philipchuk, Amaliya Mordvinova, Lidiya Savchenko, Olga Pashkova

Label Deutschland :
Arthaus
Verkaufsstart Deutschland :
16.02.2007